Confed Cup: Jonathan Tehau schießt erstes Tor für Tahiti - DER SPIEGEL
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Confed Cup: Ein Tor für die Ewigkeit

Foto: JORGE SILVA/ REUTERS

Tahitis Torschütze Tehau Vom Lieferfahrer zum Fußballhelden

Mit sechs Gegentoren hat Tahiti im Confed Cup gegen Nigeria verloren, trotzdem feierte der Außenseiter einen historischen Erfolg: den ersten Treffer in einem wichtigen Länderspiel. Torschütze Jonathan Tehau machte sich an diesem Abend unsterblich und träumt nun vom FC Barcelona.
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Hamburg - Sieben Sekunden nach seinem Tor war von Jonathan Tehau nichts mehr zu sehen. Seine Mitspieler hatten den schmächtigen Tahitianer unter sich begraben, einer nach dem anderen war mit Anlauf auf den Menschenberg gesprungen, und fast schien es, man müsse um das Leben des 25-jährigen Tehau fürchten. Doch der junge Fußballer tauchte wieder auf, mit einem Grinsen, als habe er sein Team soeben zum Weltmeistertitel geschossen.

Es war das einzige Tor des Außenseiters bei der 1:6-Niederlage gegen Nigeria im Confederations Cup in Brasilien, für Tehau aber war es noch mehr: der erste Treffer eines tahitischen Nationalspielers in einem wichtigen internationalen Fußballwettbewerb. Auf den Knien über den Rasen des Stadions von Belo Horizonte rutschend feierte ihn die tahitische Nationalmannschaft, Auswechselspieler und Verantwortliche sprangen an der Seitenlinie auf und ab.

"Aus unserer Sicht haben wir gewonnen"

Der Torschütze selbst rang nach dem Abpfiff um Worte. "Es ist unglaublich. Überhaupt hier in Brasilien zu sein und dann auch noch ein Tor zu schießen", sagte er aufgekratzt, "ich freue mich so für mich, meine Familie, meine Freunde und meine Teamkollegen." Bis auf Marama Vahirua vom griechischen Erstliga-Club Panthrakikos FC besteht die Mannschaft des Ozeanienmeisters nur aus Amateuren, Tehau spielt Seite an Seite mit seinen beiden Zwillingsbrüdern Lorenzo und Alvin und seinem Cousin Teaonui.

Im normalen Leben ist Tehau Lieferfahrer in Papeete, doch an diesem Abend wurde er zum Helden des nicht einmal 200.000 Einwohner zählenden Pazifikstaates. "Aus unserer Sicht haben wir gewonnen", sagte Marama Vahirua. "Denn niemand hat geglaubt, dass wir ein Tor gegen den Afrikameister Nigeria schießen würden, niemand außer uns." Der einzige Profispieler der Mannschaft habe seinen Teamkollegen immer wieder gesagt, dass sie an sich selbst glauben müssten: "Ihr könnt Amateure sein, aber in euren Herzen und Köpfen müsst ihr wie Profis handeln."

Dabei hatte Tahiti gegen die teilweise unmotiviert und überheblich aufspielenden Afrikaner nicht den Hauch einer Chance. Tehau und seiner Mannschaft war das egal, sie wussten, dass sich an diesen Tagen in Brasilien für sie ein wohl einzigartiges Erlebnis auftut. Und so gaben sie über 90 Minuten alles, rannten, ackerten und grätschten so viel sie konnten. Dass in diesem Eifer auch mal das eigene Bein den Ball ins Tor von Keeper Xavier Samin lenkte, tat dem tahitischen Jubel keinen Abbruch.

Tehau würde am liebsten in Barcelona spielen

Tehau, der eine Viertelstunde nach seinem Ehrentreffer per Kopf (54. Minute) mit einem Eigentor auf 5:1 für Nigeria erhöhte, sagte nach dem Spiel: "Ich habe bei meinem Tor an nichts gedacht. Als der Ball das Netz berührte, waren alle Gedanken wie weggeblasen. Ich wollte nur noch mit meinen Freunden feiern." Gefeiert wurde das Team auch von den rund 20.000 Zuschauern im Estadio Mineirao, die sich ziemlich schnell dazu entschieden hatten, die lustlosen Nigerianer nicht zu unterstützen.

Einen derartigen Jubel von den Rängen hatte Tahitis Trainer Eddy Etaeta noch nie erlebt. "Ich habe auf die Tribünen geschaut und gedacht: 'Wow, ganz Belo Horizonte ist für uns.' Das war überwältigend. Ich glaube, wir haben es heute geschafft, die Herzen der Brasilianer zu gewinnen. Ich bin so stolz." Erstmals sei in Tahiti von großen Teilen der Bevölkerung ein Fußballspiel geschaut worden, berichtete Etaeta. Sogar eine Kabinettssitzung sei unterbrochen worden.

Dass nun am Donnerstag Welt- und Europameister Spanien wartet, beunruhigt den Trainer ganz und gar nicht. "Wir ziehen Selbstbewusstsein aus dem Spiel gegen Nigeria. Wir werden versuchen, nicht zu schlecht zu spielen und nicht zu viele Gegentore zu kassieren. Vor allem wollen wir es genießen, gegen Spieler anzutreten, die wir sonst nur aus dem Fernsehen kennen."

Seine besondere Chance aber wittert Jonathan Tehau. Er hoffe, dass das Tor sein Leben verändern werde, sagte er, und auf die Frage, welches sein Lieblingsclub sei, entgegnete er mit einem Lächeln: "Warum nicht träumen? Barcelona."

Mit Material von AP