Cottbus - Bremen 3-1 Kampf und Krampf
Cottbus - In einem von vielen Fouls geprägten Spiel gewann der Aufsteiger am Sonntagabend mit 3:1 (2:1) und rückte mit 20 Zählern auf Platz 16 vor. Die einmal mehr auf der ganzen Linie enttäuschenden Hanseaten, die in dieser Form auch am Mittwoch im Nachholspiel bei der SpVgg Unterhaching kaum eine Chance haben dürften, verteidigten dank des besseren Torverhältnisses ihren Nicht-Abstiegsrang.
Bei Regen und Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt sorgten Andrej Kobylanski (4. Minute), Sebastian Helbig (44.) und Janos Matyus (69.) nur 15 Sekunden nach seiner Einwechslung für den verdienten Sieg des Neulings. Drei Treffer in einem Spiel waren den Schützlingen von Trainer Eduard Geyer in der Bundesliga noch nie gelungen. Ailton (38.) erzielte vor 12.738 Zuschauer im "Stadion der Freundschaft" per Foulelfmeter den Bremer Ehrentreffer.
"Wir gewinnen die Zweikämpfe nicht"
"Wir gewinnen die Zweikämpfe nicht, da müssen wir nachlegen", stöhnte Werder Trainer Thomas Schaaf, der die etatmäßige Viererkette komplett ersetzen musste, "wir müssen zusehen, dass wir das nächste Spiel gewinnen." Bremens Abwehrchef Dieter Eilts war ebenso ratlos: "Ich habe keine Ahnung, wie es weitergehen soll. Wir haben haarsträubende Fehler gemacht." Werder hätte sich ein Beispiel an Energie nehmen sollen: "Cottbus hat um jeden Ball gekämpft, so hätten wir auch spielen müssen. Mir fehlt für unsere Leistung jedes Verständnis."
Der wie Stürmer Rade Bogdanovic wegen seiner Tätlichkeit bei der 2:5-Niederlage in Rostock vom DFB gesperrte Mladen Krstajic sowie die verletzten Frank Verlaat und Frank Baumann wurden schmerzlich vermisst. Schon nach vier Minuten war die löchrige Werder-Abwehr das erste Mal ausgespielt. Beim Tor von Kobylanski leistete Aurel Reghecampf uneigennützig die Vorarbeit und ermöglichte dem Polen wie gegen 1860 München die frühe Führung.
Nach einer halben Stunde riss bei Cottbus der Faden. Mehr und mehr kamen die Hanseaten auf, und Marco Bode hätte in der 33. Minute den Ausgleich köpfen können. Doch Keeper Tomislav Piplica hielt mit Glück und einer Hand. Nur fünf Minuten später schlug Andreas Herzog eine Ecke auf den zweiten Pfosten, wo Ailton von Ronny Thielemann umgerissen wurde. Den Elfmeter verwandelte der Gefoulte selbst.
Eingewechselter Matyus traf bei erstem Ballkontakt
Sehr zum Ärger von Werder-Coach Schaaf ließen es die Bremer danach wieder
ruhiger angehen. Nicht ohne Wirkung, denn in der 44. Minute war der
Gleichstand verspielt. Einen Riesenpatzer von Routinier Eilts nutzte
Helbig zur erneuten Führung. Der in dieser Szene machtlose Torhüter
Frank Rost - Victor Skripnik hatte unglücklich abgefälscht - konnte seinen Ärger nur schwer unterdrücken.
Nach dem Wechsel beorderte Schaaf Nationalspieler Bode in die
vorderste Linie, wo er Ailton tatkräftiger unterstützen sollte. Nach einer Stunde kam als Dritter im
Bunde der Peruaner Pizarro hinzu. Es nutzte nichts: Matyus besiegelte mit
seinem ersten Ballkontakt eine weitere Bremer Pleite. Zu allem Überfluss kassierte Ailton auch noch seine fünfte gelbe Karte und wird beim nächsten Abstiegsduell am Mittwoch in Unterhaching fehlen.
Trotz der zweiten Auswärtspleite im Osten nacheinander und der desolaten Vorstellung seiner Mannschaft gab sich Schaaf optimistisch: "Wir können noch was bewegen, und wir werden noch was
bewegen." Gleichwohl räumte er ein: "Wir reden nicht mehr von Zielen, sondern denken nur von Spiel zu
Spiel."
Bremens Manager Klaus Allofs stärkte seinem schwer angeschlagenen Coach den
Rücken. "Ich glaube, dass Schaaf gute Arbeit abliefert. Es wäre
falsch, dem Trainer die Schuld in die Schuhe zu schieben. Wir
stecken mitten im Abstiegskampf. Ich hoffe, dass wir schon am
Mittwoch in Unterhaching wieder an bessere Zeiten
anknüpfen."
Von Frank Thomas, dpa
Energie Cottbus - Werder Bremen 3:1 (2:1)
1:0 Kobylanski (4.)
1:1 Ailton (38., Foulelfmeter)
2:1 Helbig (44.)
3:1 Matyus (68.)
Cottbus: Piplica - Vata - Sebök, Thielemann, Hujdurovic (68.
Matyus) - Reghecampf (60. Scherbe), Miriuta, Akrapovic, Kobylanski
- Helbig, Franklin (78. Labak)
Bremen: Rost - Frings, Eilts, Skripnik, Wiedener - Ernst (64.
Maximow), Wicky, Bode - Herzog (76. Dabrowski) - Ailton, Stalteri
(60. Pizarro)
Schiedsrichter: Aust (Köln)
Zuschauer: 12.738
Gelbe Karten: Sebök (4), Hujdurovic (3) - Ailton (5),
Wiedener, Bode, Pizarro (5)