Darren Bent Englands unbekannte Tormaschine
Torjäger Bent: Kein Volltreffer in der Nationalelf
Foto: Alastair Grant/ ASSOCIATED PRESSZweimal hat es Darren Bent in dieser Spielzeit in die deutschen Medien geschafft. Zum einen hat die "Bild"-Zeitung davon berichtet, Bent leide unter krankhafter Angst vor Spinnen. Zum anderen hat es der Fußballprofi zu einer gewissen Berühmtheit im Internet gebracht, weil er in der Premier League gegen den FC Liverpool ein Tor mit Hilfe eines überdimensionalen grünen Wasserballs erzielte. Ein Zuschauer hatte den Wasserball in den Liverpooler Strafraum geworden, in dem Moment als Bent einen Torschuss ansetzte. Der echte Spielball prallte gegen den Wasserball und von da ins Tor.
Dass Bent darüber hinaus einer der besten Torschützen der englischen Königsklasse ist, dass er in der Liga mehr Tore gemacht hat als die ungleich berühmteren Sportskollegen Fernando Torres oder Carlos Tevez - das alles ist an der Öffentlichkeit außerhalb Englands weitgehend vorbeigegangen.
Darren Bent hat das Problem, seine Tore für einen Club aus der fußballerischen Provinz zu schießen. Der AFC Sunderland gehört zum Graubereich der Liga, ein Verein, der seine besten Jahre Ende des 19. Jahrhunderts hatte, als man dreimal englischer Meister wurde. Der letzte Titelgewinn stammt aus dem Jahr 1936. Der frühere deutsche Nationalspieler Thomas Helmer hat mal ein Jahr für Sunderland gekickt, ansonsten hat der Verein in seiner Geschichte wenig bekannte Namen zu bieten.
Nur Rooney und Drogba treffen besser
Zuletzt saß der Club ein paarmal im Fahrstuhl zwischen der Premier League und der Football League, der 2. Liga in England. Seit 2007 ist man wieder erstklassig, und dass der Verein dies auch in der kommenden Saison bleibt, hat Sunderland einzig und allein Darren Bent zu verdanken.
Der 26-Jährige hat in diesem Jahr eine sagenhafte Torquote hingelegt. Sunderland hat bisher 44 Treffer erzielt, exakt die Hälfte davon gegen aufs Konto Bents. Besser als er haben in dieser Spielzeit nur zwei getroffen, die zu den in die Weltklasse Entrückten zählen: Wayne Rooney und Didier Drogba. Aber all die anderen, die Frank Lampards, die Cesc Fabregas`, die Dimitar Berbatovs der Liga müssen sich hinter Bent anstellen. Am Wochenende kapitulierte auch Spitzenclub Tottenham Hotspur vor den Abschlussqualitäten Bents.
Zweimal knipste der Sunderland-Torjäger und sorgte dafür, dass sein Ex-Verein Tottenham als Verlierer nach London zurückkehren durfte. Bent hätte der weiße Ritter des Spieltages mit einem veritablen Viererpack werden können: Aber er schaffte es, in dem Spiel zusätzlich zwei Elfmeter zu verschießen.
So ähnlich wie in dem Tottenham-Spiel ist es Bent in seiner ganzen bisherigen fußballerischen Karriere gegangen. Immer auf dem Sprung zu den Großen, aber irgendwie hat es nie ganz geklappt. Schon 2006 schloss er die Liga als drittbester Torschütze ab, damals noch in Diensten von Charlton Athletic, im März machte er sein erstes Länderspiel. Für eine Berufung in den englischen Kader zur Fußball-WM in Deutschland reichte es dennoch nicht.
Bei Tottenham gescheitert
2007 dann der nächste Anlauf: Tottenham gab die Rekordsumme von 24,5 Millionen Euro für Bent aus. So viel hatte der Club bis dahin noch für keinen Spieler ausgegeben. Bent steckten die Millionen so schwer in den Knochen, dass er seine Qualitäten nie so recht zeigen konnte. Sein damaliger Trainer Harry Redknapp spottete, selbst seine Frau Sandra habe einen besseren Torabschluss als Bent. 18 Tore machte er in 60 Spielen trotzdem.
Bei Sunderland spielt Bent seine bisher beste Saison und trifft, wie er will. Auch gegen die Spitzenclubs Chelsea, Manchester United, Liverpool und Arsenal war er erfolgreich. Gegen Liverpool und Arsenal sorgte er für das Siegtor, bei ManUnited war sein Treffer Gewähr für einen Punktgewinn in Old Trafford.
Seiner Nationalmannschaftskarriere hat das alles bisher nicht groß weitergeholfen. Er ist so etwas wie der Kevin Kuranyi der Premier League.
Capello hat seine Vorbehalte
Bent trifft in der Liga, wie er will. Englands Nationaltrainer Fabio Capello setzt trotzdem lieber auf Jermain Defoe aus Tottenham als Sturmpartner des gesetzten Wayne Rooney. Selbst der storchbeinige Peter Crouch dürfte derzeit bessere Chancen haben, zur WM nach Südafrika zu fahren, als Bent. Lediglich fünfmal hat der Stürmer bisher das Trikot der "Three Lions" überstreifen dürfen. Überzeugt hat er dabei nicht.
Als er 2006 vom damaligen Coach Sven-Göran Eriksson nicht in den WM-Kader berufen wurde, war das für Bent nach dessen eigenen Worten "der bitterste Moment in meiner Karriere". So etwas hätte wortgleich auch Kuranyi sagen können, der 2006 von DFB-Trainer Jürgen Klinsmann aus dem WM-Team ausgebootet wurde. 2010 könnte beiden, Bent und Kuranyi, das noch einmal passieren.
Bents Spitzname, den er sich selbst verliehen hat, ist "The Truth" - Die Wahrheit. Unter diesem Namen versorgte er bis vor kurzem seine Fangemeinde via Twitter mit Nachrichten der Güteklasse: "War beim Zahnarzt. Hatte gerade eine schmerzhafte Routinebehandlung." Schmerzhafter dürfte für ihn der Tag sein, an dem Capello den Kader für Südafrika offiziell bekanntgibt. Das ist die Wahrheit.