Daum an Babbel "Nicht schmollen"
Hamburg - Daum sagte im Interview mit der "Welt", Babbels Rücktritt sei die falsche Reaktion auf die harsche Kritik nach dem EM-Debakel. "Ich kann ihn sehr gut verstehen. Er hat mit zwei, drei anderen Spielern so eine Sündenbockrolle bekommen, und das wird der Sache nicht gerecht. Doch wenn du ein Großer werden willst, musst du da durch, die Prügel einstecken. Ich verstehe überhaupt nicht, wenn jetzt einer schmollt und sich zurückzieht", meinte Daum. Er forderte den Neu-Liverpooler auf, seinen Entschluss zu überdenken: "Da muss er jetzt Flagge zeigen."
Daum bestätigte, dass die deutsche Mannschaft ab sofort ohne Libero spielen werde. "Wir werden nicht mehr mit Libero oder Mann hinter der Abwehrkette spielen. Das tragen Michael Skibbe und Rudi Völler mit. Da sind wir deckungsgleich", sagte Daum, der am 30. Juni 2001 die Nachfolge von Interims-Teamchef Völler antritt.
Trotz dieser Grundsatzentscheidung will sich Daum nicht in die Arbeit mit der Nationalmannschaft einmischen: "Völler und Skibbe haben völlige Handlungsfreiheit. Ich werde mich nicht bei Länderspielen zeigen. Ich bin nicht dafür zuständig, Spieler oder das Spielsystem auszuwählen." Er wolle sich die Spiele der Nationalmannschaft auf Video anschauen und sich von Völler und dessen Assistenten Skibbe informieren lassen. "Worum es jetzt eigentlich viel mehr geht, ist die Rückmeldung über den Charakter. Wir werden nicht innerhalb von zwei, drei Monaten durch Crashkurs die Copacabana-Zauberer auflaufen lassen können. Aber wir brauchen wieder Typen", sagte Daum.
Als Bundestrainer will Daum erreichen, dass Spieler und Fans sich wieder absolut mit der Nationalmannschaft identifizieren. "Ich weiß noch 1966, da hab ich geheult, als wir das WM-Finale verloren haben. Meine Mutter musste mich zwingen, dass ich wieder Nahrung zu mir nahm. Die Leute müssen wieder gerne zu Länderspielen kommen. Und wenn wir doch mal verlieren, müssen wir sagen: Scheiße, aber wir haben es wenigstens versucht!"