Deutscher Nachwuchs: "Ein geiles Spiel" - DER SPIEGEL
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Deutscher Nachwuchs "Ein geiles Spiel"

Auf die deutschen Nachwuchskicker lohnt es sich wieder zu setzen. Nach dem verdienten 1:1 gegen England hat sich das Team von Hannes Löhr eine gute Ausgangsposition in der EM-Qualifikation geschaffen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Derby - Als die deutsche U-21-Fußball-Nationalmannschaft am Samstag mit einem Punkt im Gepäck von der Insel abflog, sah sich DFB-Trainer Hannes Löhr in seiner positiven Meinung einmal mehr bestätigt. "Das hat echt Spaß gemacht, wie die Jungs gefightet haben. Die Mannschaft hat Mumm, Charakter, Spielkultur und auch das technische Potenzial. Da hat man wieder gesehen, dass wir einige Spieler haben, auf die man in Zukunft bauen kann", erklärte Löhr nach dem vedienten 1:1 (0:1) im zweiten EM-Qualifikationsspiel der Gruppe neun in Derby gegen England.

In der Tat schrieben die DFB-Junioren nach dem erfolgreichen Auftakt gegen Griechenland (2:1) die positiven Schlagzeilen der letzten Wochen fort und verdienten sich den wichtigen Punkt vor allem durch eine überzeugende kämpferische Leistung. Auch von der Rekordkulisse von 30.155 Zuschauern im "Pride Park Stadium" hatten sich die jungen Profis nicht verrückt machen lassen. "Ich bin mit dem Engagement und dem Auftreten der Mannschaft sehr zufrieden. Die Mannschaft hat sich den Punkt toll erkämpft", zollte auch Beobachter Michael Skibbe entsprechend Respekt.

Der Assistent von Teamchef Rudi Völler traut dem DFB-Nachwuchs, der erst am 23. März 2001 gegen Albanien wieder um EM-Punkte spielt und davor Freundschaftsspiele gegen Dänemark (14. November) und Frankreich (27. Februar) bestreitet, aber durchaus noch mehr zu: "Man sieht, dass das eine Mannschaft ist, die sich über Jahre entwickelt hat. Nicht ohne Grund sind viele dieser Akteure mittlerweile Stammspieler bei ihren Klubs. In dieser Saison kommt zwar keiner von diesen Leuten für die A-Mannschaft in Frage. Auf Dauer wird aber sicher der ein oder andere nach oben kommen."

Spiele wie gegen die starken Engländer, deren Führung durch Titus Bramble (45.) Kapitän Fabian Ernst in der 86. Minute in Überzahl ausgeglichen hatte, können auf diesem Weg nur von Vorteil sein. Auch im Hinblick auf die notwenigen Einsätze bei den Klubs. Löhr dazu: "In solchen Spielen sehen die Vereine, dass sie auf die jungen Spieler bauen können."

Bei denen macht sich nicht umsonst mehr und mehr Selbstvertrauen breit. "Wir haben eine gute Mannschaft. Wir verstehen uns untereinander gut. Da kommt dann eins zum anderen. Das sieht man dann auch auf dem Platz. Wir haben nun eine gute Ausgangsposition. Wenn wir weiter so spielen, werden wir in dieser Gruppe auch weiterkommen", erklärte Tobias Willi, gab aber trotzdem offen zu: "Es gibt noch einiges zu verbessern, daran arbeiten wir noch." Man habe zu viel reagiert, übte sich auch der Dortmunder Christoph Metzelder, der sich ansonsten über ein `geiles Spiel" freute, in Selbstkritik.

Vor allem den Aktionen nach vorne hatte oft die Präzision und die Geradlinigkeit gefehlt. Lediglich in der Schlussphase waren die Angriffsversuche durchdachter - da war die DFB-Auswahl allerdings in Überzahl: Schiedsrichter Bruno Coue hatte Steven Wright wegen eines angeblich groben Fouls an Bernd Korzynietz (65.) die Rote Karte gezeigt. Die brutale Attacke kam jedoch eindeutig von Jonathan Greeting. Es war nicht die einzige Fehlentscheidung des Franzosen. Erst ließ er bei einer klaren Attacke gegen Willi im Strafraum weiterspielen. Dann verweigerte Coue zum Leidwesen der Engländer einem klaren Tor von Allen Smith die Anerkennung.

Glück hatte die DFB-Auswahl auch in der Schlussminute, als der Bochumer Sebastian Schindzielorz nach einem Stellungsfehler des ansonsten starken Keepers Stefan Wessels Kopf und Kragen riskieren musste, um den Ball von der Linie zu kratzen. "Als ich den Riesen Wes Brown auf mich zukommen sah, dachte ich, hier kommst du nicht lebend raus. Da habe ich einfach die Augen zugemacht. Deshalb weiß ich nicht, ob der Ball hinter der Linie war", kommentierte Schindzielorz schmunzelnd die Szene.

Von Thomas Niklaus und Jürgen Zelustek, sid