Deutschland - Brasilien: Raus mit Applaus - DER SPIEGEL
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Deutschland - Brasilien Raus mit Applaus

Gut gespielt und doch verloren: Für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ist der Traum vom Gewinn des Konföderationen-Cups im Halbfinale geplatzt. Gegen Weltmeister Brasilien hielt die junge Mannschaft überraschend gut mit, glich zweimal einen Rückstand aus - und scheiterte am Ende denkbar knapp.
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Selbst in der Niederlage bewies Jürgen Klinsmann noch Humor. "Ich bin nicht so enttäuscht, dass ich gleich in die nächste Tonne trete", sagte der Bundestrainer in Anspielung auf seine legendäre Attacke gegen eine Werbetonne. Damals, im Trikot des FC Bayern München, machte Klinsmann seinem Frust über eine unbedeutende Auswechslung in einem unbedeutenden Bundesligaspiel Luft. Gestern Abend hatte das Scheitern eine größere Dimension, der 40-Jährige war mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft im Halbfinale des Konföderationen-Cups gegen Brasilien mit 2:3 (2:2) ausgeschieden. Warum sich Klinsmanns Enttäuschung aber in Grenzen hielt, war das Wie.

"Die Mannschaft hat sich wirklich zerrissen und war absolut ebenbürtig", sagte Klinsmann. "Wir haben gezeigt, dass wir spielerisch und läuferisch mithalten können", sagte auch sein Assistent Joachim Löw. "Wir haben gut gespielt und waren teilweise überlegen, aber in den entscheidenden Augenblicken war Brasilien da. Das zeigt ihre Klasse", erklärte Michael Ballack. "Man kann stolz auf die Mannschaft sein, sagte Oliver Kahn, "zu Beginn der zweiten Halbzeit hatten wir sogar die Chance, zu gewinnen." Und Torsten Frings teilte mit, dass es "bitter" sei, "nach so einem Spiel auszuscheiden".

Der einhellige Frust der Beteiligten über die Niederlage ist verständlich, wenn man bedenkt, dass die deutsche Mannschaft in den 90 Minuten zuvor das Spiel gegen den Weltmeister mitbestimmte und phasenweise dominierte. Ballack nutzte seine Freiheit, sich auf dem ganzen Platz herumtreiben zu dürfen und gab mal den Mittelstürmer und dann wieder den Linksaußen. Deisler band den offensivstarken Gilberto und schlug mehr Flanken als in allen Spielen des Konföderationen-Cups zusammen. Und weil Frings sich liebevoll um Weltfußballer Ronaldinho kümmerte und den Spielmacher bei jeder Gelegenheit störte, wirkte es umso seltsamer, dass der Gast in der ersten Halbzeit zweimal in Führung gegangen war.

Erst traf Adriano, der bullige Stürmer von Inter Mailand, per abgefälschten Freistoß aus 32 Metern zum 1:0 (21.), kurz vor der Pause verwandelte Ronaldinho einen Foulelfmeter, nachdem Robert Huth Adriano im Strafraum unnötigerweise einen Schubser verpasst hatte (42.). Aber die deutsche Mannschaft, gegen Argentinien beim 2:2 noch Experte im Verspielen zweier Führungen, zeigte gegen den Weltmeister eine ganz neue Qualität: Sie glich zwei Rückstände jeweils umgehend aus.

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"Wir können zufrieden sein", sagte Klinsmann, "unser Team macht sich auch bei einem Rückstand keinen Kopf." Im Gegenteil. Es spielt im Wissen um die eigene Stärke unbeirrt einfach weiter, zeigt dabei mitunter Spielzüge, die noch zu Zeiten Rudi Völlers (an dieser Stelle sei an ein 0:0 auf Island oder ein 0:1 in Frankreich erinnert) ausschließlich dem Gegner vorbehalten schienen - und trifft: Elf Tore hat die Klinsmann-Truppe bei diesem Konföderationen-Cup bisher geschossen, in nur vier Spielen. Das vorerst letzte machte Ballack per Foulelfmeter in der Nachspielzeit dieser turbulenten ersten Halbzeit. Gilberto hatte den DFB-Kapitän mit einer leichten Berührung zum Fallen animiert.

Zum guten Spiel der Deutschen hatten auch die taktischen Umstellungen des Bundestrainers beigetragen. Klinsmann beorderte Bernd Schneider in die Anfangsformation - der Mittelfeldspieler rückte wie schon in der zweiten Hälfte des Tunesien-Spiels (3:0) für Thomas Hitzlsperger auf die linke Abwehrseite. Der gegen Argentinien beim 2:2 gesperrte Arne Friedrich gab Schneiders rechtes Pendant, und als zusätzliche Absicherung hatte Klinsmann mit Fabian Ernst auch noch einen zweiten defensiven Mittelfeldmann installiert, auf Kosten des stürmenden Linksaußen. Und doch gab es die Position, die zuvor regelmäßig der Gelb-gesperrte Bastian Schweinsteiger bekleidet hätte - sie wurde von Schneider in Personalunion gleich mit erledigt.

"Die Position links hinten war für mich etwas ungewöhnlich, aber durch meine Freiheiten in der Offensive hat sich das relativiert", sagte Schneider. Immer wieder nutzte der Leverkusener den Platz auf seiner Seite, leitete mit langen Pässen Konter ein oder begab sich selbst mit dem Ball am Fuß in die Hälfte des Gegners. Sogar im Strafraum der Brasilianer hielt sich der Mittelfeldmann bisweilen auf - in der 17. Minute strich sein Drehschuss von der Strafraumgrenze allerdings knapp übers Tor von Dida.

Schneider zugute kam in der ersten Halbzeit, dass Brasiliens Trainer Carlos Alberto Parreira nicht ganz Wort hielt. Der Coach der Selecao, der versprochen hatte, seine beste Mannschaft aufzustellen, nominierte überraschend Maicon als rechten Außenverteidiger für Cicinho, der alle drei Gruppenspiele seines Teams von Anfang bis Ende bestritten hatte.

Dank Maicon herrschte zwar auf dem Spielberichtsbogen eine ungewohnte Ordnung (die Startformation war von 1 bis 11 nummeriert), doch auf der Position des Mannes vom AS Monaco dafür umso mehr Konfusion. Maicon wirkte fahrig, ließ Schneider ungestört walten - und ermöglichte Lukas Podolski in der 23. Minute auch noch den 1:1-Ausgleich. Der Verteidiger wachte erst auf, als der deutsche Stürmer eine Deisler-Ecke schon per Kopf ins Tor befördert hatte. Mit Beginn der zweiten Hälfte korrigierte sich Parreira und brachte Cicinho.

Vier Tore zur Pause, zwei auf beiden Seiten, alle durch Standardsituationen zu Stande gekommen - eine ausgeglichene Bilanz eines ausgeglichenen Spiels. Doch nach den zweiten 45 Minuten stand keine Verlängerung, stattdessen hatte die junge deutsche Mannschaft das Finale verpasst. "Heute hat ein Stück Cleverness gefehlt, und das Umschalten auf die Defensive war etwas zu langsam. Das haben die Brasilianer eiskalt ausgenutzt", erklärte Klinsmann. Man habe eben gegen den amtierenden Weltmeister gespielt, "das ist eine Top-Mannschaft, die man nie aus den Augen lassen darf. Vor allem wenn man den Ball verliert, muss man noch mehr auf der Hut sein", sagte er.

Letztlich war es nur dieser eine Ballverlust, ein einziges Mal nicht auf der Hut sein, und ein bisschen fehlende Cleverness, die den Unterschied machten. Mertesacker kam im Mittelfeld zu spät gegen Robinho, der konnte einen langen Pass auf Adriano spielen, der sich gegen Huth durchsetzte und Lehmann aus 14 Metern mit einem Flachschuss überwand (75.).

Raus bei der WM-Generalprobe, aber mit Applaus. Zeit für Jürgen Klinsmann, ein erstes Fazit seiner Amtszeit vorzunehmen. "Man darf nicht vergessen, wo wir vor zehn Monaten standen. Ich denke, wir werden jetzt wahrgenommen. Die Großen wissen, dass wir kommen." Die "Großen", Nationalmannschaften der Kategorie A, gegen die man seit fünf Jahren nicht mehr gewonnen hat, wie die Statistik sagt. Im Halbfinale warten mit Argentinien oder Mexiko zwei, die zu dieser Gewichtsklasse gehören. Aber Moment, Mexiko? Ist das nicht doch Kategorie B? Nun ja, für die, die es bereits vergessen haben: Mexiko ist das Team, das in der Vorrunde Brasilien besiegt hat.