Deutschland gegen Norwegen in der WM-Qualifikation: Wie gemalt - DER SPIEGEL
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kicker.tv

DFB-Sieg gegen Norwegen Wie gemalt

Wenn sich der Deutsche Fußball-Bund nach dem bitteren Abend von Prag ein Fußballspiel hätte wünschen dürfen - es hätte ausgesehen wie dieser Sieg der Nationalmannschaft gegen Norwegen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Reaktion: Deutsche Neonazis mit entsprechenden Gesängen, wütende Proteste gegen den DFB, Pfiffe gegen Timo Werner und ein spätes Siegtor per Kopfball - das Länderspiel in Prag am vergangenen Freitag war aus DFB-Sicht eines der bittersten der jüngeren Vergangenheit. Die Reaktion drei Tage später in Stuttgart: ein 70 Meter langes Plakat des Fanklubs der Nationalmannschaft mit der Aufschrift "Gegen Gewalt, Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung - der Fan Club ist bunt und steht hinter der Mannschaft" und ein friedliches Publikum, zwei Treffer von Werner und ein Gala-Auftritt der ganzen Mannschaft. Ein Abend wie gemalt für den DFB.

Das Ergebnis: 6:0 (4:0) - hier geht's zum Spielbericht.

Der neue Liebling: Timo Werner, tatsächlich. Zuletzt bei Länderspielen immer wieder ausgepfiffen, wurde Werner nun in seiner ehemaligen Heimat Stuttgart fast schon auffällig herzlich gefeiert. Das Publikum entsprach dem Wunsch des DFB, hier ein Zeichen zu setzen, wie Länderspiele der deutschen Nationalmannschaft aussehen sollten. Spielerisch machte Werner es den Fans mit zwei Toren auch einfach, aber das war ja noch nie das Problem gewesen. "Das war heute etwas Besonderes in der Heimat. Klasse, wie mich die Fans unterstützt haben. Das bedeutet mir sehr viel", sagte der Leipziger Stürmer.

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Foto: Andreas Gebert/ dpa

Der perfekte Gast: Die Tabelle sieht bitter aus aus deutscher Sicht, Platz 16 nur, noch hinter Irland und den USA (!). Souverän an der Spitze: Norwegen. Wer beim "World Happiness Report" so gut abschneidet (und in der WM-Qualifikation ohnehin keine Chance mehr hat), kann natürlich mithelfen, das fußballerische Wohlbefinden des Gastgebers aufzupolieren. In Stuttgart tat Norwegen das durch sehr zurückhaltende Zweikampfführung und entspanntes Abwehrverhalten, auch der Torhunger schien bereits gänzlich gesättigt.

Die erste Hälfte: Von Anpfiff an wurde deutlich, dass die deutsche Mannschaft viel Lust auf schnellen Kombinationsfußball hatte - und wie überfordert die Norweger damit waren. Mesut Özil, Julian Draxler und Timo Werner wechselten immer wieder ihre Positionen und spielten sich zentimetergenaue Doppelpässe zu. Alle drei trafen, Werner sogar doppelt - zur Pause stand es 4:0.

Die zweite Hälfte: Die DFB-Elf spielte genau so druckvoll weiter, Norwegen fand weiterhin kein Mittel dagegen. Bundestrainer Joachim Löw wechselte mit Leon Goretzka und Mario Gomez die beiden weiteren Torschützen ein - es war ein Abend, an dem aus deutscher Sicht einfach alles klappte.

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Foto: Sebastian Widmann/ Bongarts/Getty Images

Die Spielverderber des Abends: Jonny Evans, ein 29 Jahre alter Innenverteidiger, und Chris Brunt, ein 32 Jahre alter Mittelfeldspieler, haben verhindert, dass Deutschland zur WM fährt. Zumindest vorerst. Beide spielen bei West Bromwich Albion in der englischen Premier League und in der nordirischen Nationalmannschaft, dem letzten verbliebenen Konkurrenten der deutschen Mannschaft in der Qualifikationsgruppe C. Weil die Nordiren (19 Punkte) parallel zum DFB-Team (24) gegen Tschechien gewannen, ist die Entscheidung bei noch zwei ausstehenden Partien vertagt.

Bewerbung des Spiels: In der vergangenen Saison musste sich Julian Draxler bei Paris Saint-Germain "nur" mit Spielern wie Ángel Di María oder Javier Pastore um einen Platz in der Mannschaft streiten. Doch dann kamen der Transfersommer und die neuen Kollegen Neymar und Kylian Mbappé. Draxler wird sich beweisen müssen, wenn er noch mitspielen will bei PSG. Eine viel bessere Bewerbung als die Partie gegen Norwegen kann Draxler eigentlich nicht abgeben: Er glänzte als Torschütze, Vorlagengeber und Ideengeber.

Zahl des Spiels: Es gibt Sportarten, in denen "das perfekte Spiel" ein messbares Ereignis ist. Im Baseball etwa oder beim Bowling. Aber wie könnte ein perfektes Spiel im Fußball aussehen? Ungefähr so wie das, was Toni Kroos im Aufbauspiel zeigte. Der 27-Jährige hatte wie die gesamte Mannschaft nicht mit der härtesten Gegenwehr zu kämpfen, beschränkte sich aber nicht nur auf Sicherheitspässe. Trotzdem brachte er traumwandlerisch sicher einen Ball nach dem anderen zu seinen Mitspielern. 106 Mal klappte das, dann landete doch noch ein Zuspiel beim Gegner - der verflixte 107. Pass.

Deutschland - Norwegen 6:0 (4:0)
1:0 Özil (10.)
2:0 Draxler (17.)
3:0 Werner (21.)
4:0 Werner (40.)
5:0 Goretzka (50.)
6:0 Gomez (79.)
Deutschland: ter Stegen - Kimmich, Rüdiger, Hummels, Hector - Rudy (61. Khedira), Kroos - Müller (46. Goretzka), Özil, Draxler - Werner (66. Gomez)
Norwegen: Jarstein - Elabdellaoui, Nordtveit, Skjelvik, Aleesami, - Elyounoussi (58. Svensson), Berge (46. Valsvik), Selnaes (75. Linnes), Möller Daehli - King, Berget Schiedsrichter: Mazeika (Litauen)
Zuschauer: 53.814
Gelbe Karten: - / Selnaes, Linnes