DFB-Auswahl: Nur Bierhoff grummelt ein bisschen - DER SPIEGEL
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DFB-Auswahl Nur Bierhoff grummelt ein bisschen

Der befürchtete Lagerkoller ist im abgeschiedenen DFB-Quartier bisher ausgeblieben. Stattdessen demonstrieren alle Beteiligten zu jeder Gelegenheit Harmonie. Geschlossenheit war schon einmal die Basis für den unerwarteten WM-Erfolg einer deutschen Mannschaft.
Von Till Schwertfeger
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Miyazaki - Elf Freunde sollt ihr sein, impfte Trainer-Legende Sepp Herberger seinen Schützlingen immer wieder ein. Die größte Wirkung erzielte der "Chef" bei der Weltmeisterschaft 1954, als sich im Trainingsquartier der deutschen Mannschaft der "Geist von Spiez" entwickelte. Am Ende gewann der krasse Außenseiter im Finale mit 3:2 gegen Ungarn und holte den ersten von bislang drei deutschen WM-Titeln.

48 Jahre später hat die DFB-Auswahl in Südjapan den Teamgeist als Basis sportlicher Großleistungen offenbar wiederentdeckt. "Wir können nur Erfolg haben, wenn alle 23 Spieler an einem Strang ziehen", sagte Jens Jeremies. Das klingt sogar glaubwürdig.

Seine persönlichen Ambitionen stellt der ehrgeizige Münchner, der beim 8:0 gegen Saudi-Arabien nur Ergänzungsspieler war und nach der Halbzeit eingewechselt wurde, vor dem vorentscheidenden zweiten Gruppenspiel gegen Irland am Mittwoch hintan. "Ich gehe davon aus, dass ich wieder auf der Bank sitze. Es gibt ja keinen Grund, eine erfolgreiche Mannschaft zu ändern", so Jeremies.

Selbst DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder, erst seit zwei Tagen in Japan, stellt fest: "Das ist eine sehr homogene Truppe, in der nicht irgendwelche Stars das Sagen haben oder Extravaganzen zum Ausdruck kommen." Der Star der Deutschen ist die Mannschaft - das war zuletzt beim EM-Triumph in England so.

"Von der Stimmung her ist die aktuelle Mannschaft mit der von 1996 zu vergleichen. Wir sind eine ähnlich harmonische Truppe", sagt Routinier Christian Ziege, der auch die Enttäuschungen der WM 1998 und EM 2000 vor Ort miterlebt hat. Da verhinderte die Egozentrik eines in die Jahre gekommenen Lothar Matthäus die Entwicklung eines Teamgeistes. "1998 waren wir von unseren Einzelspielern her einer der Topfavoriten. Diesmal haben wir keine Superstars, nur welche, die es werden können", unterstreicht Jeremies den Unterschied zu den Titelkämpfen in Frankreich, "diesmal wissen wir, dass wir zusammenhalten müssen."

Der Erfolg ist allerdings auch die Voraussetzung dafür, mannschaftsinternen Krach zu vermeiden. "Unzufriedenheit bei den Ersatzspielern entsteht nur, wenn die Anfangself nicht gut spielt", sagt Michael Skibbe. Für die Partie gegen Irland schließt der Bundestrainer personelle Änderungen allerdings nicht aus. Alle 23 Akteure konnten das nicht öffentliche Training am Montag komplett absolvieren, also auch Marko Rehmer, einer von Rudi Völlers Lieblingsspielern. "Rehmer ist eine echte Alternative. Er wäre in der Lage, ein Spiel von Anfang an zu bestreiten", so Skibbe. Für Rehmer müsste wahrscheinlich der noch unerfahrene Christoph Metzelder weichen. Ein Konflikt dürfte über diese Personalie aber wohl nicht entstehen.

Nachdem Ersatztorwart Jens Lehmann den Nummer-eins-Status von Kapitän Oliver Kahn mittlerweile stillschweigend akzeptiert hat, knirscht es nur an einer Stelle im deutschen Mannschaftsgefüge: im Angriff. Da neidet Ex-Spielführer Oliver Bierhoff dem Münchner Carsten Jancker den Platz in der Anfangsformation. "Bei den vielen Flanken leide ich auf der Bank schon ein bisschen", sagte Einwechselspieler Bierhoff nach dem Spiel gegen Saudi-Arabien.

Völler, der Jancker auf Grund seiner technischen Qualitäten bevorzugt, macht Bierhoff Mut. "Oliver wird immer wieder seine Chance bekommen", sagte der 42-Jährige und propagiert den "Geist von Miyazaki". Alle Spieler würden mitziehen und als Einheit auftreten. "Das ist wichtig für den Gesamterfolg", so Völler. Einzelschicksale zählen nicht. Bierhoff könnte das als Aufforderung verstehen.

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