DFB-Bundestag: Willkommen auf der Baustelle - DER SPIEGEL
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DFB-Bundestag Willkommen auf der Baustelle

Schiedsrichter? Streiten. Videobeweis? Schwierig. Regionalliga-Reform? Stockt. Der DFB hat mehr Probleme, als ihm lieb ist. Auf dem Bundestag des Verbands gibt es nur ein unstrittiges Thema: Philipp Lahm.
DFB-Präsident Reinhard Grindel
DFB-Präsident Reinhard Grindel

DFB-Präsident Reinhard Grindel

Foto: Arne Dedert/ dpa
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Was wird auf dem Bundestag Thema sein?

Der DFB-Bundestag, der am Freitagvormittag eröffnet wird, hat sich mit mehreren heiklen Themen zu befassen. So soll das Projekt DFB-Akademie trotz erheblich gesteigerter Kosten abgesegnet werden. Der zur Abstimmung stehende Grundlagenvertrag hat mehrere Amateurvereine gegen den Verband aufgebracht. Die umstrittene Regionalliga-Reform sollte zwischenzeitlich sogar ganz von der Tagesordnung genommen, weil die Widerstände zu groß sind. Nicht zur Wahl stehen Präsident und Generalsekretär, deren Amtszeiten noch über diesen Bundestag hinausreichen.

Gibt es Anlass zum Jubeln?

Derzeit wenig. Die DFB-Akademie ist zwar endlich auf den Weg gebracht, der war aber holprig. Zudem plagt sich der Verband mit dem leidigen Thema Videobeweis herum. Einmal zumindest dürfte wohl großer Applaus aufbranden: Wenn Philipp Lahm als sechster Fußballer zum Ehrenspielführer der Nationalmannschaft ernannt wird. Endlich ein Thema ohne Konfliktpotenzial.

Wie ist der Stand bei der DFB-Akademie?

Die Akademie sollte längst im Bau sein. Aber der Widerstand des Frankfurter Rennclubs, auf dessen Gelände der Vorzeigebau des Verbandes entstehen soll, war erheblich zäher, langwieriger und kostenintensiver, als sich das DFB und die Stadt Frankfurt gedacht hatten. Die juristischen Auseinandersetzungen mit dem Rennclub und die damit verbundenen Verzögerungen sind vor allem dafür verantwortlich, dass aus den zunächst veranschlagten Kosten von 80 Millionen Euro jetzt schon 150 Millionen geworden sind - so behauptet der DFB jedenfalls. Nun soll im ersten Halbjahr 2018 der erste Spatenstich erfolgen, wenn der Bundestag zustimmt. Was als sicher gilt.

Warum ist das Thema so wichtig?

Die Akademie ist das Renommierprojekt des DFB, angestoßen vom Ex-Präsidenten Wolfgang Niersbach, forciert vor allem von DFB-Manager Oliver Bierhoff. Der Verband erhofft sich von der Akademie Effekte, wie sie die ähnlich strukturierten Nachwuchszentren in Frankreich und England gezeitigt haben. Die Talentsuche soll noch professioneller, die verschiedenen sportlichen Ebenen eng verzahnt werden. Verbandsboss Reinhard Grindel spricht davon, dass es "in der Historie des Verbandes kein vergleichbares Vorhaben" gebe.

Was sind die Baustellen des Verbandes?

Wenn in Sachen Akademie demnächst die Bagger rollen, wird es viele hübsche Anlässe für symbolische DFB-Bilder geben. Der Verband hat sich derzeit mit Baustellen unterschiedlichster Art zu beschäftigen. Die Einführung des Videobeweises wurde amateurhaft betrieben, ohnehin sorgt die Abteilung Schiedsrichterwesen immer wieder für negative Schlagzeilen. Von Mobbing, Maulkörben und Machtmissbrauch ist die Rede, die Stimmung unter den Unparteiischen ist schlecht. Die Kooperation der Regionalliga Südwest mit dem chinesischen Verband musste nach kurzer Zeit abgebrochen werden, weil man nicht mit den erwartbaren politischen Protesten gerechnet hatte. Die Regionalligareform hat für Ärger gesorgt, viele Amateurvereine sind nicht gut auf den Verband zu sprechen und vermissen eine angemessene Unterstützung. Und im Hintergrund lauern die Strafzahlungen in Millionenhöhe im Nachklang der WM-Affäre.

Woran hakt es bei der Regionalliga-Reform?

Der DFB hatte zwischenzeitlich sieben unterschiedliche Modelle zur Diskussion gestellt, keines davon hatte die ungeteilte Zustimmung der Vereine gefunden. Der DFB will die Auf- und Abstiegsregel zwischen 3. Liga, Regionalliga und Oberligen vereinfachen - aber alle auf dem Tisch liegenden Vorschläge haben den Nachteil, dass sich irgendjemand vor den Kopf gestoßen fühlt. Ob es um eine Reduzierung der Regionalligen geht oder darum, beim Aufstieg eine Rotation der Regionalliga-Meister durchzuziehen - jedes Mal gab es massiven Gegenwind aus unterschiedlichen Ecken. Nur in einem sind sich alle einig: Die bisherige Regelung mit fünf Liga-Staffeln, aus denen am Ende nur drei Meister in die Dritte Liga aufsteigen, ist auch schlecht.

Am Donnerstag Abend präsentierte der DFB seinen nächsten Kompromissentwurf: Dass darin vorgesehen ist, einen Drittliga-Aufsteiger per Los zu ermitteln, dürfte allerdings auch wieder für Debatten sorgen.

Welche Rolle spielt der DFB-Präsident?

Seine Fähigkeiten als Krisenmanager hat Reinhard Grindel jedenfalls noch nicht überzeugend unter Beweis gestellt. In Sachen Videobeweis wirkte er selbst überfordert, als er im Fernsehen als Gast des Sport-1-Doppelpass zeitnahe Änderungen versprach, die der Verband am selben Tag noch per Pressemitteilung einfangen musste. Das auch von ihm groß avisierte China-Projekt hat er kleinlaut abbrechen müssen - ob es die von der DFB-Spitze angekündigte Fortsetzung gibt, ist völlig offen. Die brodelnde Unruhe bei den Schiedsrichtern haben auch Krisengespräche noch nicht ausräumen können. Die von Grindel als Aufklärungsprojekt gefeierte Untersuchung der WM-Affäre durch das Haus Freshfields hat sich letztlich als Rohrkrepierer erwiesen. Grindel steht durchaus unter Druck. Dass er am Freitag nicht selbst zur Abstimmung steht, darüber kann er im Moment froh sein.