DFB-Elf: Löw setzt aufs Bauklötzchen-Prinzip - DER SPIEGEL
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DFB-Elf Löw setzt aufs Bauklötzchen-Prinzip

Bundestrainer Löw will im Freundschaftsspiel gegen Schweden viele neue Spieler testen. Ein Dortmunder Trio hat gute Chancen, künftig eine wichtige Rolle im DFB-Team zu spielen. Die Mainzer Newcomer werden sich noch länger gedulden müssen.
Von Jan Reschke
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wenn es um seine Mannschaft geht, hat Nationalcoach Joachim Löw ein klares Konzept. Ein kurzfristiges vor einem einzelnen Länderspiel. Ein mittelfristiges vor einer Qualifikation wie zur Europameisterschaft in der Ukraine und Polen 2012. Ein langfristiges für das nach der Qualifikation folgende Turnier.

Das sollte man wissen, wenn man seine angekündigten Nominierungen für das Testspiel gegen Schweden am kommenden Mittwoch (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) verstehen will.

Löw hatte der "Bild"-Zeitung am Mittwoch verraten, dass er die Mainzer Lewis Holtby und André Schürrle sowie die Dortmunder Mario Götze, Mats Hummels und Kevin Großkreutz testen will. Anschließend plauderte Götze auch noch aus, dass sein Teamkollege Marcel Schmelzer ebenfalls dabei sein wird.

Vier Neulinge also und zwei Spieler, die erst ein Mal in der Nationalmannschaft zum Einsatz gekommen sind. In den Partien der EM-Qualifikation setzte Löw noch größtenteils auf bewährtes Personal, holte vier Siege aus vier Spielen, doch mit dem Länderspiel gegen Schweden beginnt eine Zeit des Experimentierens und sanften Erneuerns. Die Nominierung der sechs Talente ist nur ein Bauklötzchen in Löws Plänen.

Einsatzmöglichkeiten ausloten, Potential einschätzen, Charakter kennenlernen

Kurzfristig will der Bundestrainer sich vor allem persönlich von den Fähigkeiten der Talente, die er bereits aus der Bundesliga kennt, überzeugen. Er will Einsatzmöglichkeiten ausloten, das Potential der Spieler einschätzen, ihren Charakter kennenlernen, um diese Erkenntnisse anschließend in seine mittelfristigen Planungen einfließen zu lassen.

Darin spielen vor allem die Dortmunder Hummels, Großkreutz und Schmelzer wichtige Rollen. Großkreutz hat Löw bereits im Länderspiel beim 3:0 gegen Malta überzeugt. Dort kam er für Bayern-Spieler Toni Kroos im zentralen Mittelfeld zum Einsatz und zeigte eine ansprechende Leistung. Beim BVB spielt er meist auf der linken Seite, in der DFB-Elf könnte er sich daher auch als Alternative für Lukas Podolski empfehlen. Auf der rechten Seite hat er ebenfalls schon häufig gespielt. Löw hatte Großkreutz bereits für die EM-Qualifikationsspiele gegen die Türkei und gegen Kasachstan vorgesehen, doch damals musste der 22-Jährige krankheitsbedingt absagen.

Auch Innenverteidiger Hummels feierte gegen Malta sein DFB-Debüt. Wegen des Bandscheibenvorfalls von Arne Friedrichund der allenfalls durchschnittlichen Leistungen der anderen Innenverteidigerkandidaten Serdar Tasci und Heiko Westermann könnte er sich schon bald zum ersten Ersatzmann von Holger Badstuber aufschwingen. Hummels steht schon länger im Fokus des Bundestrainers und hat in der Bundesliga über einen langen Zeitraum überzeugt.

Belohnung für tolle Leistungen

Auf der in der Nationalmannschaft chronisch schlecht besetzten linken Abwehrseite hat Dortmunds Außenverteidiger Schmelzer über das Testspiel gegen Schweden hinaus gute Chancen, in der laufenden Qualifikation weitere Einsätze zu bekommen. Denn in der Vergangenheit konnte keine der Notlösungen Badstuber, Jérôme Boateng oder Heiko Westermann auf dieser Position nachhaltig überzeugen.

Die Zeit von Götze, Schürrle und Holtby im Nationalteam wird wohl erst nach der EM 2012 beginnen. Die Nominierungen von Holtby und Schürrle sind als reine Belohnung für ihre aktuell starken Leistungen in dieser Saison zu sehen. Auf den Hoffenheimer Höhenflug in der Hinrunde der Saison 2008/2009 hatte Löw ähnlich reagiert und Abwehrspieler Marvin Compper (Freundschaftsspiel gegen England) sowie Mittelfeldmann Tobias Weis (Freundschaftsspiel gegen Vereinigte Arabische Emirate) eingeladen. Eindruck haben beide nicht hinterlassen. Es blieben bislang ihre einzigen Einsätze.

Ausgeschlossen, dass es für Götze, Schürrle und Holtby schon früher für weitere Einsätze reicht, ist es aber nicht. Bundestrainer Löw hat nach der erfolgreichen WM in Südafrika, wo das deutsche Team Dritter wurde, umgehend klar gemacht, dass ihn die dort gezeigten Leistungen ab sofort nicht mehr interessieren. Nach dem Testspiel gegen Dänemark im August sagte er auf die Frage, ob einer der "WM-Helden" einen Freibrief habe: "Wir müssen uns von der WM mental entfernen."

Alles auf null. Nur nicht für Löw.