DFB-Gegner: Georgier beim SC Freiburg - DER SPIEGEL
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Georgier im Breisgau: Freiburg, Deine Willis

Foto: Johannes Simon/ Bongarts/Getty Images

DFB-Gegner Georgien Die Willis aus Freiburg

Es war die georgische Phase in Freiburg: Gleich fünf Georgier standen Anfang des Jahrtausends im Kader des SC. Einige von ihnen planen nun die Reform des heimischen Fußballs.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Natürlich ist auch Joachim Löw bei der Pressekonferenz am Samstag auf die vielen Georgier angesprochen worden, die einst wie er selbst beim SC Freiburg gekickt haben. Und natürlich hat auch der Bundestrainer dabei erwähnt, dass es unter all den Spielern, deren Nachnamen in den Neunzigern auf "-wili" endeten, einen gab, bei dem die beiden Endsilben schon den ganzen Nachnamen ausmachten. Tobias Willi, den Rechtsverteidiger aus Pfaffenweiler nämlich. "Aber der war Deutscher."

Auch dem heutigen ersten Vorsitzenden der Freiburger, Fritz Keller, fiel natürlich Tobias Willi ein, als er am Wochenende auf die anstehende Partie in Tiflis angesprochen wurde. Der damalige Vizepräsident erinnert sich noch gut an die Zeiten, in denen die Nordkurve Spieler wie "Golz-wili" und Trainer wie "Finke-wili" feierte. Und er ist sich sicher, dass das nicht nur ein Kalauer, sondern auch ein Zeichen der Wertschätzung war für die insgesamt sieben Georgier, die binnen weniger Jahre beim SC angeheuert hatten.

Zwar hinterließen David Targamadze, Zaza Zamtaradze und Giorgi Kiknadze nicht ganz so tiefe Spuren wie Otar Khizaneishwili, der früh ergraute Lewan Zkitischwili oder gar die beiden Publikumslieblinge Alexander Iashwili und Lewan Kobiashwili - doch Keller meint ausdrücklich alle, wenn er von "tollen Jungs" spricht: "Einen außergewöhnlichen Intellekt" hätten die meisten von ihnen gehabt. Neugierig seien sie gewesen, hätten schnell die deutsche Sprache gelernt und überhaupt: "Die hatten allesamt einen tollen Charakter und eine beeindruckende Allgemeinbildung. Darauf scheint man in Georgien Wert zu legen."

Georgier mit Kultstatus

Auch so sei es zu erklären, dass zumindest "Kobi" und "Iashi" noch heute Kultstatus in Freiburg genießen. Wobei Kobiashwili wegen seines überragenden Talents geschätzt wurde. Und der 67-fache Nationalspieler Iashwili, weil er sinnbildlich für den SC Freiburg stand, wie ihn viele Fans selbst sehen: Körperlich unterlegen, aber mit unbändigem Willen, sich durchzubeißen. Obwohl das gewonnene Sprintduell bei Iashwili zuweilen an der Eckfahne statt am gegnerischen Strafraum endete, traf er in 300 Spielen für die Südbadener satte 63 Mal - für einen Freiburger Stürmer ist das eine Trefferquote in Gerd-Müller-Dimension.

Iashwili brachte es auch danach in seinen fünf Jahre in Karlsruhe ("meine zweite Heimat") zum Publikumsliebling. Dort besitzt er noch ein Haus. Heute lässt er seine Karriere nach einem kurzen Intermezzo beim VfL Bochum und bei Inter Baku in Aserbaidschan beim georgischen Aufsteiger FC Samtredia ausklingen.

Zu Inter Baku holte ihn der jetzige georgische Nationaltrainer Kachaber Zchadadse, der vor dem heutigen Spiel gegen Deutschland betont bescheiden auftritt: "Gegen den Weltmeister zu spielen, ist eine große Herausforderung und Verantwortung." Der einstige Profi von Eintracht Frankfurt war als Spieler mit dabei, als Georgien vor exakt 20 Jahren vor 110.000 Zuschauern 0:2 gegen Deutschland verlor.

Freiburger an der Spitze des georgischen Verbands

Es war ein Highlight in der Geschichte des 4,5-Millionen-Einwohner-Landes von der Größe Bayerns, das Weltranglisten-Platz 126 belegt und das nach Ansicht des einstigen Freiburger Linksverteidigers Kobiashwili damit unter seinen Möglichkeiten bleibt.

"Der georgische Fußball braucht Ordnung und Konzept", zitiert die dpa den Mann, der wenige Monate nach seinem Karriereende als Hertha-Kicker Präsident des georgischen Fußballverbandes werden will. "Der Verband hat kein Konzept, keine Strategie und kein System. Ich denke, es ist Zeit für Veränderungen - und zwar genau dort, wo der georgische Fußball geführt wird, im Verband."

In der Verbandsführung sieht offenbar auch Iashwili seine Zukunft. In den vergangenen Wochen erwähnte er häufig, zusammen mit seinem Freund Kobiashwili könne er sich gut vorstellen, "den Fußball unseres Landes in die Zukunft zu führen." Das Sportmanagement-Studium, das er vor kurzem angefangen hat, wird da nicht schaden.

Rein sportlich scheint sich der georgische Fußball allerdings derzeit auch ohne die beiden ehemaligen Bundesligaprofis gar nicht so schlecht zu entwickeln - was weniger für die schwache nationale Liga als fürs Nationalteam gilt: Gegen Spanien verlor man zu Hause nur 0:1, gegen Frankreich gelang 2013 vor heimischem Publikum ein Remis.

Coach Zchadadse gilt zudem als Freund mutigen und offensiven Fußballs, der großen Wert auf eigenen Ballbesitz legt - dass sich die Heimmannschaft vor ausverkauftem Haus einigelt, ist also nicht zu erwarten.