DFB-Kader: Das Löw-Puzzle mit 40 Teilen - DER SPIEGEL
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Löws DFB-Kader: Wer darf zur WM?

Foto: Julian Stratenschulte/ dpa

DFB-Kader Löw-Puzzle mit 40 Teilen

Die Fußballnationalmannschaft startet gegen Tschechien in die WM-Saison. Bundestrainer Joachim Löw muss aus vielen Begabten einen Kader formen - und schon jetzt zeichnen sich erste Verlierer ab.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wahrscheinlich war die Nationalmannschaft noch nie eine solche Wohlfühloase wie am heutigen Donnerstag. Während rings herum Medien und Vereine hektisch den Abschlusstag dieser denkwürdigen Transferperiode begehen, strahlt das DFB-Team geradezu majestätische Ruhe aus.

Die beiden Weltmeister Shkodran Mustafi und Benedikt Höwedes hat Bundestrainer Joachim Löw wohlweislich gar nicht erst für das WM-Qualifikationsspiel gegen die Tschechen in Prag (Freitag 20.45 Uhr RTL, High-Liveticker SPIEGEL ONLINE) nominiert, wohl auch deshalb, weil bei ihnen Wechsel im Raum oder sogar kurz bevor standen. So musste Löw nur ein bisschen kollateralen Transfer-Gossip um PSG-Profi Julian Draxler kommentieren, ansonsten war die DFB-Elf so etwas wie die Insel der Vernunft im aufgewühlten Meer der Fußballaufgeregten.

Wobei Löw dieser Tage durchaus einiges versucht hat, Wellen zu schlagen. Wenn er vom "härtesten Konkurrenzkampf, seit ich beim DFB bin" spricht, wenn er sagt, es gebe mindestens 40 Namen für 23 Kaderplätze für die WM in einem Jahr in Russland. Und dass "Potenzial, Talent und bislang gezeigte Leistungen kein Freifahrtschein sind" für die Nominierung zur Weltmeisterschaft.

Schon vor 2014 machte Löw auf Alarm

Löw liebt solche Alarmrufe, vor der WM 2014 hat er beste Erfahrungen damit gemacht, als er drei Monate vorm Turnier verkündete, die Uhr ticke für die verdienten Spieler. Am Ende waren alle Arrivierten dann doch dabei und durften den Weltmeistertitel aus Brasilien mitnehmen.

Der erfolgreiche Confed Cup hat die Situation für bewährte Nationalspieler wie André Schürrle oder den in die Jahre kommenden Juve-Mittelfeldmann Sami Khedira durchaus verschärft, insofern ist die Lage vor 2018 für manchen Profi schon ernster als vor vier Jahren. Dass Löw den Kader mit Spielern der Kategorie Roman Weidenfeller, Kevin Großkreutz, Erik Durm oder Christoph Kramer auffüllt, so wie das 2014 der Fall war, wird diesmal kaum mehr vorkommen.

Vor allem in der Defensive und im Mittelfeld gibt es ein Überangebot begabter Profis, hier wird Löw nicht alle berufen können. Man muss nur die Mittelfeldakteure aufzählen: Toni Kroos, Khedira, Ilkay Gündogan, Leon Goretzka, Emre Can, Mesut Özil, Julian Weigl, Sebastian Rudy, Draxler, man kann auch Joshua Kimmich, der so gerne im Mittelfeld spielen würde, dazu zählen. Wen nur soll man davon zu Hause lassen?

Dass zahlreiche deutsche Nationalspieler mittlerweile in den ausländischen Top-Ligen ihr Geld verdienen, hat deren Ansprüche zudem angehoben. Wer in der Champions League mit Juventus, Liverpool, Chelsea oder Real Madrid aufläuft, steht automatisch mehr im Fokus der internationalen Aufmerksamkeit, kann mehr Bonuspunkte sammeln als in der Liga gegen Hannover und Mainz. Abwehrspieler Antonio Rüdiger, neu bei Chelsea, oder Stürmer Leroy Sané von Manchester City könnte genau das zur Nominierung verhelfen.

Sandro Wagner hatte einen kurzen DFB-Sommer

Es ist Löws Aufgabe, das alles zusammenzupuzzeln, der Bundestrainer ist bekannt dafür, einem Mannschaftsgerüst zu vertrauen, das er weitgehend unangetastet lässt, um dann um dieses Skelett herum andere Spieler wechselnd auszuprobieren. Özil, Kroos, Mats Hummels, Jérôme Boateng, Manuel Neuer, Thomas Müller, das sind die Löw-Boys, die werden in Russland spielen, die halbe Mannschaft steht damit, aber eben nur die halbe. Es gab schon Löw-Turniere, da konnte man 80 Prozent der Aufstellung mit Gewissheit vorhersagen.

Gegen die Tschechen, derzeit nur auf Rang drei der Qualifikationsgruppe und dennoch der wohl stärkste Gruppengegner, hat der Bundestrainer die erste Gelegenheit, seinen Mix aus Weltmeistern und Confed-Cup-Siegern zusammenzustellen. Schon jetzt lässt sich allerdings absehen, dass einige dabei schlechte Aussichten haben. Der Hoffenheimer Sandro Wagner gehört zu den Verlierern, und das ist keine große Überraschung. Für den Confed Cup berief ihn Löw, er bekam auch seine Chance im ersten Spiel, wurde danach im Turnier nicht mehr eingesetzt und tauchte auch jetzt nicht mehr bei den Nominierten auf.

Alle hatten sich im Frühsommer gewundert, dass Löw mal über seinen Schatten springt, und einen der von ihm seit eh und je ungeliebten Brecher-Stürmer beruft. Es war ein sehr kurzer Sprung.

In Russland entdeckte Löw den Leipziger Timo Werner als Wagners Antithese. Der junge, schnelle Angreifer entspricht in allem viel mehr dem, was Löw in der Offensive goutiert. Werner ist denn auch selbstverständlich gegen die Tschechen im Kader. Von der Verbindung Sandro Wagner und dem DFB wird man mutmaßlich nicht mehr viel hören.

DFB-Kader für die WM-Qualifikation
Foto: Andreas Gebert/ dpa

Tor: Bernd Leno (Bayer 04 Leverkusen), Marc-André ter Stegen (FC Barcelona), Kevin Trapp (Paris Saint-Germain)

Abwehr: Jérôme Boateng (FC Bayern), Matthias Ginter (Borussia Mönchengladbach), Mats Hummels (FC Bayern München), Joshua Kimmich (FC Bayern München), Shkodran Mustafi (Arsenal), Marvin Plattenhardt (Hertha BSC), Antonio Rüdiger (FC Chelsea), Niklas Süle (FC Bayern München)

Mittelfeld/Angriff: Julian Brandt (Bayer 04 Leverkusen), Emre Can (FC Liverpool), Julian Draxler (Paris Saint-Germain), Leon Goretzka (Schalke 04), Toni Kroos (Real Madrid), Thomas Müller (FC Bayern München), Sebastian Rudy (FC Bayern), Leroy Sané (Manchester City), Lars Stindl (Borussia Mönchengladbach), Sandro Wagner (TSG Hoffenheim), Timo Werner (RB Leipzig), Amin Younes (Ajax Amsterdam)