Spektakuläres Pokal-Aus in Kiel Die Bayern haben einen Lauf
Bayerns Torwart Manuel Neuer konnte das Aus im Elfmeterschießen nicht verhindern
Foto:Christian Charisius / dpa
Bayern-Trainer Hansi Flick war entgeistert. Von »einem Schock« hatte Flick schon kurz nach dem Spiel gesprochen, bei der Pressekonferenz versuchte er dann, das unbegreifliche Zweitrunden-Aus gegen Holstein Kiel im DFB-Pokal zu erklären. Es seien »viele Kleinigkeiten zusammengekommen«, resümierte er und sagte dann: »Das ist ein Lauf, den wir gerade haben.«
Ein Lauf, der kein guter ist. Denn die vielen Kleinigkeiten im Spiel des FC Bayern summieren sich als Mosaiksteine gerade zu einem etwas bedenklichen Gesamtbild:
Das Hauptproblem der Bayern liegt in der Defensive. Vor dem Kieler Ausgleichstor zum 1:1 hatte sich die Viererkette entlang der Mittellinie aufgereiht, als ein weiter Ball über die Abwehrreihe den auf gleicher Höhe lauernden Fin Bartels auf die Reise schickte, der den Ball nach einem weitgehend unbedrängten Solo an Manuel Neuer vorbei ins Tor schob.
Ein Gegentor, wie es die Bayern in dieser Art schon oft bekamen in den vergangenen Wochen, etwa beim 5:2 gegen Mainz oder beim 2:3 in Gladbach: hohe weite Bälle über die aufgerückte Abwehr auf einen schnellen Stürmer. Immer das gleiche Muster, das Spiel der Bayern ist berechenbar geworden.
»Das müssen wir abstellen«
Doch Flick will die Abwehrreihe auch in Zukunft nicht defensiver stehen lassen: »Das ist unsere Spielidee, den Gegner damit unter Druck zu setzen. Wir hatten die Dinge angesprochen, die wir trainiert haben, da muss man die Tiefe einfach mehr absichern. Dass es nicht geklappt hat, ist enttäuschend. Das müssen wir abstellen.«
Schwierigkeiten hatten die Bayern aber auch im Spiel mit dem Ball: zu fehleranfällig der Aufbau, kaum ein konstruktiver Spielzug. Gerade das in der Triplesaison so effektive Offensivspiel der Außenverteidiger Alphonso Davies und Benjamin Pavard, der am Mittwoch spät in die Partie kam, hapert gewaltig. Aus der zentralen Abwehr kommen derzeit ebenfalls wenig Impulse, weder von Niklas Süle noch von David Alaba.
Und vorne, bemängelte Flick, kämen die Flanken in die Mitte nicht an. »Wenn der letzte Pass nach innen wie ein Schuss kommt, halb hoch, da haben wir noch Luft nach oben.« Deutliche Worte in Richtung Douglas Costa, dem mit seinen viel zu unpräzisen Vorlagen als Flügelstürmer am Mittwoch gar nichts gelang.
Und damit wäre man bei der nächsten Bayern-Baustelle: den Zugängen. Costa, der zu Saisonbeginn nach München zurückkehrte, findet bislang genauso wenig ins Spiel wie die meisten anderen Verpflichtungen. Auch der bislang eher enttäuschende Rechtsverteidiger Bouna Sarr, Marc Roca, der in der Verlängerung glücklos im Mittelfeld spielte, der Stürmer-Back-up Eric-Maxim Choupo-Motingoder der verletzte Innenverteidiger Tanguy Nianzou konnten den Bayern noch nicht helfen.
Einzig Stareinkauf Leroy Sané zeigt mitunter seine Klasse, schön anzusehen war sein Freistoßtor am Mittwoch zum 2:1. Aber auch bei ihm hakt es weiterhin. Das, was sich die Bayern von ihm erhofft hatten, konnte er bislang nicht umsetzen.
Und jetzt kommt das Bundesliga-Team der Stunde
Die Folge all dieser Probleme: Die Bayern sind verwundbar geworden und die Gegner daher aufmüpfig. Das war am Mittwoch gut zu sehen. Nach einem frühen Gegentor wie – dem eigentlich wegen Abseits irregulären Treffer – nun durch Serge Gnabry hatte sich eine unterklassige Mannschaft früher sonst oft ihrem Schicksal ergeben. Doch heute denken die Teams sich: Mindestens ein Tor fangen sich die Bayern doch immer, warum also schon aufgeben?
Das einzig Positive bei der sensationellen Pleite: Sie bringt ein wenig Luft im Bayern-Spielkalender, der gerade im Februar mit Bundesliga, Klub-WM und Champions League sehr voll ist. Auch wenn Hansi Flick Müdigkeit, Erschöpfung und Überlastung nie als Ausrede gelten lassen will: Man sieht den Bayern an, dass sie müde sind, erschöpft und überlastet. Auch deshalb werden die defensiven Probleme von den Gegnern derzeit so regelmäßig bestraft.
So hätte der Spielplan bei einem Bayern-Sieg ausgesehen: Das anstehende Achtelfinalspiel gegen Darmstadt hätten die Bayern am 2. Februar bestritten, drei Tage nach dem Heimspiel gegen Hoffenheim. Am 5.2. geht es nach Berlin, dann die Reise nach Katar zur Klub-WM, mit Halbfinale am 8.2. und möglichem Endspiel am 11.2. Und am 14.2. kommt Bielefeld.
Vielleicht schadet es nicht, zwischendrin doch etwas Pause zu haben.
Am Sonntag kommt nun erst mal der SC Freiburg nach München, mit fünf Siegen aus fünf Spielen zuletzt die erfolgreichste Mannschaft der Liga. Hansi Flick muss mit seinen Bayern die Fehler schleunigst abstellen, sonst wird es ein miserabler Start in das neue Jahr.