DFB-Pokal Katzenjammer bei den Siegern
Hamburg - "Das kann man so nicht hinnehmen. Mit dem, was wir geboten haben, identifiziere ich mich nicht", knurrte Werder-Coach Thomas Schaaf gestern Abend nach dem 3:2 (1:0)-Erfolg seiner Mannschaft beim Zweitligisten SpVgg Greuther Fürth, "am liebsten würde ich gar nichts sagen, sondern mich zu Hause ins Bett legen. Heute hat es einer mit uns sehr gut gemeint. Normal kann man so ein Ding nicht mehr drehen, es ist unfassbar."
Der Bremer Spielmacher Johan Micoud und Stürmer Ivan Klasnic hatten den Bundesliga-Spitzenreiter mit ihrem Doppelschlag in der Nachspielzeit vor einer Blamage bewahrt. "Wenn ich einen meiner Spieler zu packen gekriegt hätte, wäre das nicht gut ausgegangen. Jeder weiß jetzt, dass das Double kein Selbstläufer ist", schimpfte auch Werder-Sportdirektor Klaus Allofs, der den finanziellen Verlust beim Aus im Viertelfinale auf 750.000 Euro taxiert hatte.
Nachlässig und überheblich hatte Bremen nach dem frühen Führungstor von Paul Stalteri (18.) agiert und den Gegner aufgebaut. Nach dem Eigentor von Valerien Ismael (74.) und Marcus Feinbiers Führungstreffer zwei Minuten später stand Werder vor dem Aus. Doch das Team schaffte vor 14.500 Zuschauern im ausverkauften Fürther Playmobil-Stadion noch die Wende, obwohl es nach der Gelb-Roten Karte für Ümit Davala (83.) in Unterzahl spielen musste.
DFB-Pokal: Muskelspiele und Reaktionsstärke
Großes Glück hatte auch Mönchengladbach im Heimspiel gegen den MSV Duisburg. "Eine Katastrophe", urteilte Sportdirektor Christian Hochstätter über die Leistung der Borussia. Trainer Holger Fach war erschrocken, wie "fünf, sechs Spieler so einbrechen können, wenn es mal nicht läuft". Erst im Elfmeterschießen hatten sich die Gastgeber vor 33.900 Zuschauern im vielleicht letzten Flutlichtspiel auf dem Bökelberg mit 4:3 (0:1/2:2/2:2) durchsetzen können.
Zum Spieler des Abends avancierte der Gladbacher Torwart Jörg Stiel. Der Schweizer Nationalkeeper, der mit seinem Team auch an der EM in Portugal teilnehmen wird, parierte zwei Elfmeter. "Wir haben unterirdisch gespielt", gab Stiel zu. Duisburg hatte über weite Strecken die Partie diktiert und war durch Nasir El Kasmi (38.) und ein Eigentor von Sladan Asanin (83.) zweimal in Führung gegangen.
"Meine Spieler sind manchmal zu lieb. Da fehlt mir im Team ein Drecksack", kritisierte Fach. In Tomislav Maric könnte er vielleicht aber einen neuen Führungsspieler gefunden haben. Sechs Monate hatte der ehemalige Wolfsburger wegen muskulärer Probleme nicht spielen können, gegen Duisburg traf er bereits fünf Minuten nach seiner Einwechslung zum 2:2 (89.). "Er hat die Leihgebühr gleich in seinem ersten Spiel wieder eingespielt", freute sich Fach. "Ich bin froh, dass sich die ganze Qual gelohnt hat", sagte Maric. Den zwischenzeitlichen Ausgleich für Gladbach hatte Joris van Hout (68.) erzielt.
Lübecks größter Erfolg in der Vereinsgeschichte
Große Freude herrschte hingegen beim VfB Lübeck. Der Zweitliga-Elfte siegte 1:0 (0:0) beim Regionalligisten TSG Hoffenheim und feierte damit seinen größten Erfolg in der 85-jährigen Vereinsgeschichte. Der einzige Treffer des Spiels gelang Silvio Adzic (48.). Gastgeber Hoffenheim verpasste hingegen eine weitere Sensation. Zuvor hatte das Team Bundesligist Leverkusen (3:2) sowie die Zweitligisten Karlsruhe (4:0) und Trier (4:3) ausgeschaltet.
"Wir haben uns mal als Mannschaft den Kinofilm 'Das Wunder von Bern' angeschaut und uns gedacht: Mensch, dass können wir auch - als kleiner schleswig-holsteinischer Club ausziehen und Deutschland unsicher machen", sagte Lübecks Trainer Dieter Hecking. Mit einem Sieg heute Abend gegen Titelverteidiger Bayern München kann Alemannia Aachen als zweiter Zweitligaclub das Halbfinale erreichen.