DFB-Pokal: Stevens kaum noch zu retten - DER SPIEGEL
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DFB-Pokal Stevens kaum noch zu retten

Für Hertha-Coach Huub Stevens wird die Lage immer ernster. Der Niederländer steht nach einer peinlichen Pokal-Vorstellung seiner Mannschaft bei Werder Bremen kurz vor der Entlassung. Blamabel agierten auch Köln und Freiburg. Die Bayern ließen hingegen nichts anbrennen.
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Huub Stevens (l.) fasst sich an die eigene Nase und sagt: "Kann den Druck, der jetzt noch zunehmen wird, aushalten." Manager Dieter Hoeneß schließt eine Entlassung des Trainers aber nicht mehr aus

Huub Stevens (l.) fasst sich an die eigene Nase und sagt: "Kann den Druck, der jetzt noch zunehmen wird, aushalten." Manager Dieter Hoeneß schließt eine Entlassung des Trainers aber nicht mehr aus

Foto: DDP

Hamburg - Am überraschendsten kam die Niederlage des 1. FC Köln im Achtelfinale des DFB-Pokals gegen die SpVgg Greuther Fürth. Der Zweitligist schaltete am Mittwochabend die Gastgeber vor 19.000 Zuschauern im Rhein-Energie-Stadion mit 3:1 nach Elfmeterschießen aus. Bundesliga-Rückkehrer Freiburg scheiterte mit 0:1 (0:0) beim klassentieferen VfB Lübeck. Der FC Bayern München bezwang den Hamburger SV mit 3:0 (1:0).

Die höchste Niederlage des Abends kassierte Hertha BSC. Der SV Werder Bremen schickte die Berliner mit 6:1 (3:0) heim. Für Stevens dürfte die Demontage an der Weser das letzte Spiel als Hertha-Coach gewesen sein. Es ist anzunehmen, dass sich der Bundesliga-Vorletzte vom Niederländer trennen wird. Hertha-Manager Dieter Hoeneß kündigte für Donnerstag um 13 Uhr eine Pressekonferenz an: "Die Lage ist bei uns sehr ernst."

"Zu meiner Person kann ich sagen, dass ich den Druck, der jetzt noch zunehmen wird, aushalten kann. Ich werde keine Konsequenzen ziehen", lehnte Stevens einen Rücktritt ab, "aber nach einer 1:6-Niederlage hat man keine Argumente mehr." Hertha-Manager Dieter Hoeneß sprach von einem "Debakel". Man habe in den vergangenen Wochen alles versucht, "aber wir kommen keinen Schritt weiter".

Eine Entlassung von Stevens, zu dem er bislang stets gestanden hatte, wollte Hoeneß erstmals nicht ausschließen: "Ich muss eine Nacht drüber schlafen und mich dann mit dem Trainer zusammensetzen. Wir müssen über alles nachdenken." Ende Oktober hatte der Club Stevens ein Ultimatum gestellt und zwei Siege gefordert. Hertha gewann beide Partien gegen Rostock, Stevens war gerettet. Eine erneute Galgenfrist dürfte es nach der Pleite in Bremen für Stevens nicht geben.

Bremer führten Hertha BSC vor

Der Kroate Ivan Klasnic sorgte mit zwei Toren (19./38. Minute) schon vor der Pause für die Vorentscheidung zu Gunsten der Bremer, das 2:0 hatte Spielmacher Johan Micoud (25.) erzielt. Valerien Ismael (48.) legte mit seinem ersten Pflichtspieltor für den SV Werder nach, Torjäger Ailton (78.) besorgte das 5:0. Angelos Charisteas (86.) erhöhte auf 6:0, bevor Marcelinho (89.) noch der Ehrentreffer für die Gäste gelang.

Den glänzend aufgelegten Bremern hatten die Berliner vor 22.100 Zuschauern im Weserstadion zu keinem Zeitpunkt des Spiels etwas entgegen zu setzen. Die Hertha-Profis spielten ohne Biss. Nur Marcelinho sorgte für etwas Gefahr. Für die Gäste war es die zweite Enttäuschung innerhalb von vier Tagen. Am Sonntag war Hertha durch die 1:3-Niederlage im Bundesligaspiel gegen Schalke 04 auf den vorletzten Tabellenplatz zurückgefallen.

Bayern routiniert, aber ohne Glanz

Der FC Bayern kam zu einem deutlichen Sieg gegen harmlose Hamburger. Allerdings stehen die Bayern vor den richtungsweisenden Spielen in der Bundesliga und in der Champions League weiter unter Druck. Am Samstag bei Werder Bremen und eine Woche später gegen den VfB Stuttgart sowie dazwischen gegen den RSC Anderlecht (10. Dezember) sind die Münchner zum Siegen verdammt.

Vor nur 8000 Zuschauern im vernebelten Münchner Olympiastadion erzielten Claudio Pizarro (28.), Roy Makaay (47.) und der ehemalige Hamburger Hasan Salihamidzic (73.) die Tor. Für den HSV gab es auch im 22. Anlauf in München nichts zu holen. Die Bayern spielten ohne die verletzten Michael Ballack, Jens Jeremies und Samuel Kuffour sowie den erkrankten Martin Demichelis. "Das war ein Pflichtsieg für uns", sagte Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld, "wir haben nicht berauschend gespielt, aber doch sehr sicher und diszipliniert."

Kölner Nervenschwäche im Elfmeterschießen

Der Fürther Thomas Kleine (76.) hatte Kölns Führung durch Florian Kringe (23.) ausgeglichen und damit die Verlängerung erzwungen, die allerdings torlos blieb. Im Elfmeterschießen verschossen die Kölner Kringe, Alexander Voigt und Mustafa Dogan und sorgten damit für das Aus des Bundesliga-Letzten im Achtelfinale. Fürth erreichte erstmals die Runde der letzten acht.

"Ich bin total enttäuscht", sagte Kölns Trainer Marcel Koller, der nach dem 2:2 am Samstag bei den Bayern auf die Wende zum Besseren gehofft hatte. Doch stattdessen bot der 1. FC erneut eine schwache Leistung. "Wir haben zu wenig Druck gemacht, wir haben zu wenig Kraft. Wir können nicht zwei Spiele in einer Woche absolvieren, die Fehlerquote ist zu hoch, wir treffen das Tor nicht", klagte Koller. "Ich bin sehr stolz auf meine Buben", freute sich der Fürther Interimscoach Werner Dreßel, der die Mannschaft vorerst bis zur Winterpause betreuen soll.

Freiburg pomadig, Lübeck engagiert

Wie Fürth konnte sich auch der VfB Lübeck zum ersten Mal für das Viertelfinale des DFB-Pokals qualifizieren. Den Siegtreffer gegen einen enttäuschenden Bundesligisten aus Freiburg erzielte Daniel Bärwolf in der 76. Minute. Die Gäste bestätigten vor 11.500 Zuschauer im Stadion an der Lohmühle ihre Auswärtsschwäche: Diese Saison konnte Freiburg noch kein Spiel auf des Gegners Platz gewinnen.

"Lübeck hat verdient gewonnen", gestand Freiburgs Trainer Volker Finke, "das kann man nicht so bierernst nehmen, das war ein Pokalspiel und keine Tragödie." VfB-Coach Dieter Hecking lobte die große kämpferische Einstellung seiner Mannschaft: "Wir haben einen richtig guten Pokalfight abgeliefert. Wir haben immer daran geglaubt, dass wir es schaffen können. Die Spieler sind heute an ihre Grenzen gegangen."

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