DFB-Präsidentenamt Beckenbauer steht nicht zur Verfügung
München - Franz Beckenbauer hat von der öffentlichen Kampagne "Franz for President" endgültig genug und dem heftig kritisierten Präsidentschaftskandidaten Gerhard Mayer-Vorfelder demonstrativ den Rücken gestärkt. In einem Interview mit dem "Kicker" erteilte der "Kaiser" am Donnerstag all seinen Befürwortern, die ihn in den letzten Tagen zum Amt des DFB-Präsidenten überreden wollten, eine klare Absage.
Die Kampagne "ist absolut nicht in meinem Interesse, weil ich nicht DFB-Präsident werden will. Deswegen lasse ich die Finger davon und lasse mich auch nicht zwingen", sagte Beckenbauer. Zuletzt hatte sein langjähriger Manager Robert Schwan in der "Bild"-Zeitung gefordert, dass man den Chef der deutschen WM-Bewerbung notfalls zwingen müsse, im April 2001 auch das Amt des DFB-Präsidenten als Nachfolger von Egidius Braun zu übernehmen.
Dennoch setzte die Boulevardzeitung, für die Beckenbauer als Kolumnist tätig ist, ihren Wahlkampf für Beckenbauer unverdrossen fort. "Franz wäre als DFB-Präsident die beste Lösung", wurde Tennisstar Boris Becker zitiert. Auch Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld äußerte sich: "Der Franz ist für jeden Posten der Beste." Zuvor hatten sich bereits Ehrenspielführer Uwe Seeler, Bayern-Spieler Stefan Effenberg, zahlreiche Bundesligatrainer sowie weitere Prominenz aus Politik, Sport, Kultur und Showgeschäft für Beckenbauer als neuen DFB-Chef stark gemacht.
"Um es ganz klar zu sagen - ich stehe nicht zur Verfügung. Vor allem aus zwei Gründen. Erstens trage ich die Kandidatur von Gerhard Mayer-Vorfelder als Nachfolger von Egidius Braun mit und finde es gut, dass er sich zur Verfügung stellt", sagte Beckenbauer. "Zweitens habe ich andere Aufgaben. Ich muss zum Beispiel die WM 2006 mit organisieren. Ich kann nicht alles doppelt und dreifach machen."
Mayer-Vorfelder ist der Wunschkandidat von Braun, der im April kommenden Jahres sein Amt zur Verfügung stellt. "Ich stehe unvermindert zu meiner Bereitschaft, das Amt der DFB-Präsidenten zu übernehmen", erklärte der 67-jährige Schwabe, der sich äußerlich von der leidigen Personaldiskussion unbeeindruckt zeigte.
Dagegen reagierte Bayern Münchens Manager Uli Hoeneß schwer verärgert, dass sein Vereinspräsident seit Tagen als künftiger DFB-Präsident forciert werde. "Mich stört ungemein, was da passiert. Da wird von außen Politik gemacht - und die meisten fallen auf dieses Spielchen rein", empörte sich Hoeneß in der "Abendzeitung" und versprach: "Ich werde mich nicht an täglichen Wasserstandsmeldungen beteiligen und auch nicht an der Hetzjagd auf Mayer-Vorfelder." Es werde noch ein Gespräch geben zwischen "Franz, Kalle und mir, und dann werde ich meine Meinung äußern."
Beckenbauer wiederholte derweil im "Kicker", dass er Mayer-Vorfelder für den geeigneten Braun-Nachfolger halte: "Er ist der Richtige für dieses Amt, weil er seit 25 Jahren praxisnahe Erfahrung in Führungsämtern unseres Fußballs gesammelt hat. Er wird kein Neuland betreten und ein guter DFB-Präsident werden."
Beckenbauer machte einmal mehr deutlich, dass er sich in der näheren Zukunft nur auf die Aufgabe als Organisations-Chef der WM 2006 konzentrieren werde. Über die Verteilung der Aufgaben machte er sich schon mal Gedanken: "Da der DFB als Nationalverband die Ausrichtung der WM übertragen bekam, muss es eine gewisse Zusammenarbeit mit unserem Organisationskomitee geben. Andererseits muss dieses OK soweit wie möglich unabhängig sein. Ich denke, das ist machbar. Wo vernünftige Leute sind, gibt es vernünftige Lösungen."
Für die fernere Zukunft konnte sich Beckenbauer alles vorstellen - auch ein Führungsamt auf internationaler Ebene. "Ich schließe solche Perspektiven nicht aus", erklärte der 54-Jährige. In Italien wird der "Kaiser" bereits als Nachfolger für Uefa-Präsident Lennart Johansson (Schweden) gehandelt, der 2002 nicht mehr für das Amt kandidieren will.