DFB-Rückkehr Klinsmann skeptisch wegen Scholl-Comeback
München - "Wir freuen uns über Mehmets gelungene Auftritte beim FC Bayern in den letzten Wochen. Aber unser Hauptaugenmerk gilt den Spielern, die im engeren Kreis von 28 bis 30 Leuten sind, und diese haben einfach Priorität", sagte Klinsmann dem "Kicker". Völlig ausschließen wollte der Bundestrainer eine WM-Nominierung des 36-maligen Nationalspielers jedoch nicht. Man wisse nie, was sich durch Verletzungen und Engpässe entwickeln könne. "Wir haben ein Auge auf alle möglichen Varianten", sagte Klinsmann.
Eine Aktion zweier Freiburger Studenten im Internet hatte zuvor für Aufsehen gesorgt. Binnen weniger Tage waren dort mehrere Zehntausend Stimmen für eine Rückkehr Scholls ins Nationalteam gesammelt worden. Kurz vor Ende der WM-Nominierungsfrist am 15. Mai wollen die beiden Initiatoren ihre Liste an Klinsmann weiterleiten.
Scholl selbst zeigte sich laut "Bild"-Zeitung von dem breiten Zuspruch "überwältigt und gerührt. Ich habe mir immer gewünscht, dass die Menschen nach meiner Karriere sagen: 'Der Scholl war ein geiler Kicker. Schade dass er aufgehört hat.'" Der dienstälteste Bayern-Akteur (seit 1992) kommt derzeit regelmäßig als Einwechselspieler zum Einsatz - eine Verlängerung seines im Sommer auslaufenden Vertrages ist jedoch unsicher.
Unter den Bundesliga-Trainern gibt es keine eindeutige Tendenz bezüglich eines Comebacks des 35-Jährigen im DFB-Team. Thomas Doll (Hamburger SV) und Thomas von Heesen (Bielefeld) sprachen sich für eine Nominierung des Mittelfeldspielers aus, Wolfgang Wolf vom 1. FC Kaiserslautern lehnte die Idee ab. Schalke-Coach Mirko Slomka hält Scholl zwar für einen "göttlichen" Fußballer, der Kader sei jedoch "ohnehin schon arg eng, da sollte man eher auf Kräfte setzen, die man 90 Minuten für die Nationalelf bringen kann."
goe/sid