DFB-Rückschau: 8 +, 2 =, 2 - - DER SPIEGEL
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DFB-Rückschau 8 +, 2 =, 2 -

Was für eine Saison! Acht Mal hat die Nationalmannschaft gewonnen, je zwei Mal verloren und Unentschieden gespielt. Löws Elf hat sich frühzeitig für die EM qualifiziert. SPIEGEL ONLINE analysiert, woher der Erfolg kommt und was ihn gefährdet.
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Es war kein Zufall, dass ausgerechnet Thomas Hitzlsperger der letzte Gast der letzten DFB-Pressekonferenz vor dem letzten Länderspiel des Jahres war. Der Auftritt des Stuttgarters ist Zeichen des gesteigerten Medieninteresses an seiner Person - und diese wiederum Folge einer besonderen Erfolgsgeschichte innerhalb eines erfolgreichen Ensembles.

Hitzlsperger, der vor mehr als einem Jahr noch als variabel einsetzbarer Lückenfüller im WM-Kader galt, ist 2007 zu einem variabel einsetzbaren gleichwertigen Nationalspieler geworden. Eine "enorme Steigerung" attestiert Bundestrainer Joachim Löw dem 27-Jährigen, die allein mit einem statistischen Wert belegt werden kann: Vier Treffer hat er in der EM-Qualifikation erzielt und ist damit drittbester Torschütze des DFB hinter Lukas Podolski und Miroslav Klose.

Das Länderspieljahr 2007 hat im deutschen Mittelfeld viele Geschichten wie die von Hitzlsperger produziert. Das war zwar vor allem bedingt durch die Ausfälle der WM-Stars Michael Ballack, Torsten Frings, Bernd Schneider und Bastian Schweinsteiger - und begünstigt durch klare Systemvorgaben. Aber befördert auch durch das Vertrauen der sportlichen Leitung, dass jeder jeden ersetzen kann. Deutlich wurde das nicht nur in Spielen gegen vermeintlich leichte Gegner.

Zwölf Spiele hat das DFB-Team 2007 absolviert, davon acht gewonnen, zwei verloren und zweimal Unentschieden gespielt. Das liest sich mehr als überzeugend - aber selbst die torgefährlichste Mannschaft der EM-Qualifikation, die sich als erste für das Turnier in Österreich und der Schweiz qualifizierte, hatte ihre Probleme. Die Torwartdiskussion um Jens Lehmann (und vielleicht auch Timo Hildebrand) wird sich 2008 fortsetzen, es gab Differenzen um die Verletzung von Michael Ballack, Dispute der sportlichen Leitung mit den Vertretern der Bundesliga, und Defizite auf dem Platz. Auch wenn die meisten der für die EM qualifizierten Teams diese marginalen Probleme gern hätten.

Das Personal - flexibel und tief besetzt

Die Wichtigkeit von Fußballspielern wird manchmal erst deutlich, wenn sie gar nicht dabei sind. So gesehen ist Thomas Hitzlsperger ein sehr wichtiger Spieler im DFB-Team geworden. Er fehlte beim 0:0 in Irland und stand wegen einer Verletzung auch vier Tage später nicht auf dem Platz: beim 0:3 gegen Tschechien, das vor allem in Bezug auf die Einstellung der deutschen Spieler ein Desaster war.

Dass am Ende auch noch Hitzlsperger ersetzt werden musste, der doch eigentlich Schweinsteiger oder Schneider oder Frings oder Ballack ersetzte, war dann doch zuviel für die Mannschaft. Es reichte nicht gegen die cleveren Tschechen, die dank früher Führung und deutscher Unkonzentriertheiten souverän gewannen. Allerdings: Hitzlsperger-Ersatz Piotr Trochowski mühte sich eine Halbzeit als einziger, und wer wollte, konnte auch hier einen Spieler aus der zweiten oder dritten Reihe ausmachen, der sich irgendwie empfohlen hat.

Hitzlsperger, Trochowski, dazu Simon Rolfes, Clemens Fritz, Roberto Hilbert, zuletzt Lukas Podolski - Joachim Löw hat viele Alternativen im Mittelfeld. Im Länderspieljahr 2007 habe sich die "Qualität und Quantität auf nahezu allen Positionen" erhöht, stellt der Bundestrainer zufrieden fest.

Rolfes entspreche "unserer Philosophie", die von Mittelfeldspielern das schnelle Verarbeiten von Bällen eine hohe Passgenauigkeit erfordert. Fritz, Torschütze gegen Zypern, sei spielerisch ebenfalls "sehr gut". Und Lukas Podolski gilt schon nach einem Spiel als Idealbesetzung auf links. Flexibel sind sie alle, was auch dadurch verdeutlicht wurde, dass Roberto Hilbert nach seiner Einwechselung gegen Wales als Außenverteidiger fungierte.

Dass Ballack, Schneider und Frings sich jetzt Sorgen machen müssten um ihren Stammplatz, gilt als ausgeschlossen, anders sieht das im Fall von Bastian Schweinsteiger aus. Am Dienstag eröffnete Joachim Löw den Konkurrenzkampf des derzeit verletzten Münchners mit Lukas Podolski um den Platz im linken Mittelfeld offiziell.

Taktik - flexibel und vertikal

Als Lukas Podolski vor dem Spiel gegen Zypern (4:0) neben Mario Gomez und Miroslav Klose auf dem Spielberichtsbogen auftauchte, musste man kurz mit einer Revolution rechnen. Hatte der Bundestrainer aus seinem 4-4-2-System etwa plötzlich ein 4-3-3 oder 4-3-1-2 gemacht? Wenig später Erleichterung: Podolski hielt defensiv seine Position auf der linken Seite, Gomez und Klose teilten sich die Spitze.

So blieb der Prestige-Erfolg im Freundschaftsspiel in England (2:1) die einzige Partie des Jahres, in der Löw vom taktischen Grundsystem abgewichen war. Zwar hat es 2007 auch Spiele gegeben, in denen die defensive Absicherung im Mittelfeld aus zwei und dann wieder aus einer Person bestand. Aber nur in Wembley war in Kevin Kuranyi eine einzige Spitze aufgelaufen. Funktioniert hat es trotzdem, Kuranyi traf, Deutschland gewann.

Für Löw ist es aber eine der wichtigsten Erkenntnisse des Jahres, dass er eine seine Lieblingsvokabeln ("flexibel") mit noch mehr Recht auf das deutsche Spiel anwenden darf als noch 2006. Der Bundestrainer hat nun noch mehr Spieler, die innerhalb des taktischen Systems funktionieren, die durch unzählige Wiederholungen immer zuerst an den vertikalen Pass denken, ihre Laufwege in der Offensive automatisiert haben und ihre Aufgaben in der Defensive.

Das führt dazu, dass es zunehmend egal ist, welcher Spieler innerhalb dieses Systems zum Einsatz kommt, wie es Hitzlsperger sagt. Was Hitzlsperger oder Rolfes noch von Ballack und Frings unterscheidet ist, dass sie ihre Leistungen noch nicht bei einem großen Turnier bestätigen konnten. Hitzlsperger ist deshalb die Freude über sein aktuelles Standing deutlich anzumerken. Über seine Aussage, er wolle sich mit Ballack und Frings "messen", schüttelt niemand mehr den Kopf.

Probleme - Ballack, Lehmann, Umgangsformen

Der 21. April liegt schon sehr lange zurück, aber die Auswirkungen dieses Tages reichen bis heute. Michael Ballack verletzte sich im Premier-League-Spiel seines FC Chelsea gegen Newcastle nach einem Foul am Knöchel; was folgte, waren Operationen, offene Dispute zwischen Chelseas Ex-Trainer José Mourinho und der DFB-Führung um die Behandlung des deutschen Kapitäns in München und als Höhepunkte die Nichtnominierung für die Champions League und die Weigerung Chelseas, Ballack an einem Werbedreh für Adidas teilnehmen zu lassen.

Mittlerweile ist der 30-Jährige wieder im Training, was Joachim Löw freut - aber noch immer gibt sich der Bundestrainer nur vorsichtig optimistisch. Zu oft war von einer baldigen Genesung die Rede, die dann ebenso oft verschoben wurde. Wann Ballack wieder ein Länderspiel bestreitet, ist offen, sein letztes war das 2:1 in Tschechien im März.

Die Auswirkungen von Ballacks Fehlen hielten sich in Grenzen, die Folgen für sein Standing auch: Ballack würde wohl auch bei der EM spielen, wenn er erst im Frühjahr endgültig fit wäre. Ärgern wird den Chelsea-Profi allein die Tatsache, dass ihn Miroslav Klose mittlerweile in der ewigen Torschützenliste des DFB überholt hat. Klose hat 36 Länderspieltore, Ballack 35.

Als sich Michael Ballack verletzte, war Jens Lehmann noch Stammspieler beim FC Arsenal. Doch auch das ist schon lange her. Seit Saisonbeginn hat die deutsche Nummer eins erst zwei Premier-League-Spiele absolviert. Erst patzte der Keeper, dann verletzte er sich, seither beschäftigt Deutschland die Frage, ob Lehmann auch ohne Spielpraxis bei der EM im Tor stehen soll.

Doch so aufgeregt wie beim Duell Kahn gegen Lehmann vor der WM wird die aktuelle "T-Frage" nicht geführt. Auch, weil Löw sich regelmäßig zu seinem Keeper bekannte und dieser in Irland oder gegen Zypern trotz seiner Situation überragend hielt. Wenn Lehmann auch im Januar bei Arsenal weiter auf der Bank sitzen und sich aus familiären Gründen für einen Verbleib in London entscheiden sollte, droht seinem Stammplatz jedoch ernsthafte Gefahr. Ob durch Timo Hildebrand, der sich beim FC Valencia immer noch nicht endgültig durchgesetzt hat, oder Robert Enke (Hannover).

Und dann war da noch ein Disput, der seit Jürgen Klinsmanns Amtsantritt 2004 immer wieder in scharfer Form geführt wurde: zwischen DFB und Liga. Löw und Bierhoff wollen die Sommerpause wegen des engen Terminkalenders abschaffen, beide sähen auch gern die Philosophie der Nationalmannschaft auf die Liga übertragen. Zuletzt sprach sich der Bundestrainer wegen der schwachen Vorstellungen der Bundesligaclubs im Europacup für eine Reform der Trainerausbildung aus. Reflexartig reagierten die Clubtrainer mit Kritik an der Einmischung, die im persönlichen Angriff Rudi Völlers auf Bierhoff gipfelte.

Löw beteuert, die Clubs nicht kritisiert zu haben, Präsident Zwanziger will vermitteln, weil sich nun auch Uli Hoeneß Völler anschließt und Oliver Bierhoff "Schlaumeierei" vorwirft. So lange sich die Nationalmannschaftsdiskussionen jedoch um Fragen der Umgangs- statt Spielformen drehen, muss Fußball-Deutschland vor der EM nicht bange werden.

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