Ausraster in Leverkusen Sportgericht spricht Braunschweig-Trainer Lieberknecht frei
Braunschweig-Trainer Lieberknecht: Erfolg vor Gericht
Foto: Matthias Kern/ Bongarts/Getty ImagesHamburg - Torsten Lieberknecht, Trainer des Fußball-Bundesligisten Eintracht Braunschweig, hat vor dem Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) einen Erfolg erzielt. Die Richter sprachen den 40-Jährigen vom Vorwurf des "ungebührlichen Verhaltens" gegenüber dem Schiedsrichter während des Bundesliga-Spiels bei Bayer Leverkusen (1:1) frei.
In der mündlichen Verhandlung in Frankfurt hatte der DFB-Kontrollausschuss eine Geldstrafe von 4000 Euro gefordert. Das Gericht entschied jedoch, dass der 40-Jährige während der Partie am 29. März zu Unrecht auf die Tribüne geschickt wurde. Eine Beleidigung oder Ähnliches sei ihm nicht nachzuweisen.
"Alles das, was er gemacht hat - verbal und in seiner Körpersprache - hat sich nicht gegen den Schiedsrichter, den Assistenten oder den vierten Offiziellen gerichtet, sondern gegen eine Entscheidung, die seiner Meinung nach falsch war", sagte der Sportgerichts-Vorsitzende Hans E. Lorenz, der auch von einer Grundsatzentscheidung sprach: "Das war eine Unmutsbekundung mit einer Meinungsäußerung. Das bewegt sich noch in einem Rahmen, den der Unparteiische und die Sportgerichtsbarkeit hinnehmen müssen." Die Verfahrenskosten trägt der DFB.
"Keinen Handlungsspielraum gelassen"
Lieberknecht war von Schiedsrichter Guido Winkmann in der 62. Minute auf die Tribüne geschickt worden. Laut Anklage protestierte Lieberknecht nach einer Freistoßentscheidung gegen Braunschweig "laut schimpfend und heftig gestikulierend" in Richtung des vierten Offiziellen Detlef Scheppe und schlug im Anschluss mit der Hand auf seinen Trainersitz.
Schiedsrichter Winkmann gab an, die Szene selbst nicht gesehen zu haben, sondern die Entscheidung nach kurzer Absprache mit Scheppe getroffen zu haben. Scheppe, der per Telefon in die Verhandlung zugeschaltet wurde, sagte, Lieberknechts Verhalten sei "nicht mehr akzeptabel" gewesen.
"Die Situation hat mir keinen Handlungsspielraum gelassen", sagte Scheppe. Lieberknecht sei "an der äußeren Kante der Coachingzone wild gestikulierend auf- und abgesprungen" und habe eine "abwinkende Bewegung" gemacht. "Ich habe das auf meine Person interpretiert", sagte Scheppe: "Die Geste allein hat ausgereicht, um einen Verweis auszusprechen."
Lieberknecht war in Leverkusen bereits zum dritten Mal in der laufenden Saison vom Unparteiischen der Trainerbank verwiesen worden. Im Dezember war er zu einer Geldstrafe in Höhe von 3000 verurteilt worden.