Randale in Berlin: Hertha-Fans machen Krawall
DFB-Strafen gegen Vereine Deutscher Umfall-Bund
Die DFB-Richter haben gesprochen. Am Montag wurde der 1. FC Nürnberg dazu verdonnert, allen seinen Fans den Zutritt zu zwei Auswärtsspielen einzuschränken. Grund: Einige Anhänger des Clubs hatten bei der Partie in Bochum gezündelt und sich selbst dabei schwer verletzt. Am Dienstag traf der DFB-Strafhammer den 1. FC Köln. Auch einige Kölner Fans hatten mehrfach im Stadion gezündelt. Weil es sich um Wiederholungstäter handelte, darf nun zur Strafe kein Kölner Anhänger zum Auswärtsspiel nach Hoffenheim. Die Masse der Fans muss also für das Fehlverhalten einer Minderheit büßen. Zudem muss der Club dem Gastverein den "Verdienstausfall" ersetzen.
Noch nie zuvor hat es eine solche Sanktion für einen Bundesliga-Club gegeben. Kölns Manager Michael Meier akzeptierte den Urteilsspruch der Sportgerichtsinstanz zähneknirschend: "Wir haben diesem Urteil zugestimmt und damit das Worst-Case-Szenario eines Teil- oder Vollausschlusses unserer Fans bei Heimspielen vermieden", sagte er. "Aufgrund der früheren gegen uns ausgesprochenen Sportgerichtsurteile und des im Raum stehenden Geisterspiels."
Mit einem solchen Geisterspiel hätte eigentlich auch Hertha BSC rechnen müssen. Nach Paragraf 44 der DFB-Satzung drohte Hertha eine Geldstrafe bis zu 250.000 Euro, eine Platzsperre oder eine Spielaustragung unter Ausschluss der Öffentlichkeit - und rein theoretisch sogar eine Versetzung in eine tiefere Spielklasse.
Rund 150 Anhänger waren nach der Heimniederlage gegen den 1. FC Nürnberg durch den Sicherheitsgraben auf das Spielfeld geklettert und hatten Teile des Innenraums zerlegt. Die Spieler beider Mannschaften flüchteten verängstigt in die Kabinen. Wegen des im Vergleich zu den Fällen in Nürnberg und Köln drastischeren Vorfalls waren viele Beobachter von einem Geisterspiel als Strafe ausgegangen.
Montag und Dienstag hart, Mittwoch milde
Doch nach zwei harten Strafen an zwei Tagen zeigte sich der DFB am Mittwoch von seiner milden Seite: 50.000 Euro muss der Tabellenletzte zahlen, zudem darf er gegen den VfB Stuttgart lediglich 25.000 Heim-Zuschauer ins Olympia-Stadion lassen. Während in Berlin leise gefeiert wurde, herrschte in Köln Kopfschütteln ob dieser milden Strafe.
Denn der DFB hat hier offenbar mit zweierlei Maß gemessen. Am Montag und Dienstag sprach er harte Strafen bei vergleichsweise geringen Vergehen aus. Am Mittwoch waren die Funktionäre dann bei einem brisanteren Vorfall erstaunlich gnädig. Vielleicht aus Mitleid mit dem Traditionsverein, dessen Gang in die zweite Liga besiegelt scheint?
Auch die Urteilsbegründung wirft Fragen auf. "Zum einen war es keine geplante und vorhersehbare Fanaktion, sondern eine spontane", so Hans E. Lorenz, der Vorsitzende des DFB-Sportgerichts. Damit unterscheidet sich der Sachverhalt allerdings von den wenigsten Ausschreitungen in Fußballstadien, in denen stets der Heimverein für die Sicherheit aller Zuschauer verantwortlich ist. Das Verhalten eben dieser für die Sicherheit zuständigen Ordner habe zur Deeskalation beigetragen, so Lorenz weiter. Auf den Fernsehbildern sieht man dagegen deutlich, wie sich die Ordner aus Angst vor den (eigenen!) Fans ängstlich zurückziehen. Laut DFB-Sportgericht kam keine Person zu schaden. Doch im offiziellen Polizeibericht ist von vier leicht verletzten Beamten die Rede.
Beim DFB ist man überzeugt, dass der eingeschlagene Kurs zum Erfolg führen wird. Strafen statt Dialog lautet das neue Rezept. Man kann und sollte darüber streiten, ob es überhaupt sinnvoll ist, für das Fehlverhalten weniger Fans den friedlichen und deutlich größeren Teil der Anhängerschaft zu bestrafen. Fanbetreuer befürchten, dass die Gewaltbereitschaft in den Kurven durch solche Repressionen eher noch angeheizt wird. Eine Verschärfung der Strafen ist nun aber kaum noch möglich.
Eine Rückkehr zum Dialog wäre deshalb der sinnvollste Weg.