DFB-Stürmer Helmes Der fünfte Mann
Sicher hätte auch Patrick Helmes seinen Namen gern mit diesem Sieg verbunden. Mehr als eine halbe Stunde lang lief er sich warm, dehnte sich, sprintete - den Blick immer wieder zur Trainerbank gerichtet, von wo das Zeichen kommen sollte. Dann stand er in der Nachspielzeit endlich an der Außenlinie des Wembleystadions, bereit, eingewechselt zu werden. Und der Schiedsrichter pfiff ab. Helmes klatschte - sein Beitrag zum 2:1-Sieg des DFB in England war Applaus.
Am Mittwoch gegen Rumänien (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) wird Helmes nicht bis zum Abpfiff auf seinen Einsatz warten müssen. Er wird eine Chance bekommen, vielleicht sogar von Beginn an - und soll als dritte lokale Hauptattraktion neben den Schlagerbarden der "Höhner", die im Vorprogramm auftreten, und dem Ex-Kölner Lukas Podolski für Beifall auf den Rängen sorgen. Podolski ("Ich freue mich, mit Patrick zusammenzuspielen") erweckte jedenfalls den Eindruck, die beiden würden zusammen auflaufen - nein, "ein klares Signal" des Trainers gebe es noch nicht, korrigierte sich der Bayern-Stürmer. "Aber ich gehe davon aus."
Nun wird auch der Test gegen Rumänien wieder unter Sinnlosigkeitsverdacht gestellt, "test the rest" scheint das Motto - wie im März gegen Dänemark, einem Kick, der wegen des Fehlens vieler Stammspieler öffentliche Empörung auslöste. Patrick Helmes freute sich. Zwar verloren die Namenlosen 0:1 (es war die bisher einzige Niederlage für Bundestrainer Joachim Löw), aber der Kölner Zweitligastürmer gab sein Debüt in der Nationalelf - ein bemerkenswertes. In zwölf Minuten kam der 23-Jährige zu drei Torchancen, mehr als die Stürmer Jan Schlaudraff und Kevin Kuranyi zusammen.
Seine Torgefährlichkeit hat Helmes seither zu zwei weiteren Kurzeinsätzen verholfen. Für Löw gehört er mittlerweile zum erweiterten Kader für die EM 2008, die anfänglichen Selbstzweifel des Angreifers, er sei ja nur ein Zweitligastürmer, zerstreute der Bundestrainer auch. "Der Trainer spricht viel mit mir und sagt, dass ich trotzdem meinen Weg in der Nationalmannschaft machen werde", berichtet Helmes. Auch von der Mannschaft fühlt sich Helmes "sensationell aufgenommen". Immerhin habe er befürchtet, die Kollegen ("die kannte ich nur aus dem Fernsehen") könnten ihn wegen seines unterklassigen Arbeitgebers nicht akzeptieren.
Er gibt sich immer noch ein bisschen zurückhaltend, wenn er zu Pressekonferenzen auf das Podium gesetzt wird. Helmes ist im hierarchischen Stürmersystem des DFB nur der fünfte Mann, der noch torlose Azubi unter den Meistern Klose und Kuranyi und den Ausgelernten Gomez und Podolski - und er akzeptiert diese Rolle. Lautsprecher, noch dazu junge, sind in dieser Mannschaft nicht wohlgelitten. Und so spricht Helmes von der leisen Hoffnung, im kommenden Jahr "auf den EM-Zug aufzuspringen".
Dabei kann er auch anders. In Köln attackierte er seinen Trainer Christoph Daum öffentlich dafür, dass dieser ihn nicht ein Jahr vor dem Vertragsende 2007 nach Leverkusen ziehen ließ. Er habe nie das Gefühl gehabt, "dass ich für ihn ein wichtiger Mann bin". Mittlerweile ist der Konflikt beigelegt und Helmes sogar Kapitän. Doch auch wenn Köln aufsteigen sollte, wird der Stürmer den Verein am Saisonende Richtung Leverkusen verlassen. Er will unbedingt in die Bundesliga.
Der FC verliert damit nach Lukas Podolski schon den zweiten talentierten Angreifer innerhalb von zwei Jahren. "Schade, dass ich in Köln nie mit ihm zusammengespielt habe", sagt Helmes. Wenn Joachim Löw will, bekommen die Fans am Mittwoch immerhin einen Eindruck, wie das gewesen wäre.