DFB-Team "Ickes" Aktien steigen stündlich
Frankfurt am Main - Mit dem verletzungsbedingten Ausfall von Christian Wörns ist die Hoffnung von DFB-Teamchef Erich Ribbeck auf eine EM-Wunschbesetzung geplatzt. "Die Absage ist bitter, denn er gehörte zum festen Kreis der 22 EM-Kandidaten", sagte Ribbeck. Am kommenden Montag (13.00 Uhr) will er in der Frankfurter DFB-Zentrale sein Aufgebot für die Europameisterschaft (10. Juni bis 2. Juli) in Belgien und den Niederlanden benennen. Wie eine Kernspintomographie ergab, erlitt der 28 Jahre alte Wörns im Revierderby von Borussia Dortmund gegen den FC Schalke 04 einen Innenbandabriss im rechten Knie und muss deshalb mindestens vier Wochen pausieren.
Dagegen mehren sich bei den Sorgenkindern Jens Jeremies (Schlüsselbeinbruch) und Christian Ziege (Leistenbeschwerden) die Zeichen für eine rechtzeitige Genesung. "Ich gehe davon aus, dass beide mit zum Trainingslager nach Mallorca gehen werden", sagte Ribbeck, der sein EM-Personal am 26. Mai versammelt. Vor allem bei Ziege, der sich die Verletzung an der bereits einmal operierten Leiste beim Testspiel gegen die Schweiz (1:1) zugezogen hatte, sind noch nicht alle Fragezeichen ausgeräumt. Derzeit wird der Mittelfeldspieler des FC Middlesbrough bei DFB-Masseur Klaus Eder in Donaustauf mit konservativen Methoden behandelt. Jeremies soll nach der komplikationslos verlaufenen Operation bald mit Lauftraining beginnen.
Des einen Freud, des anderen Leid. Nach dem EM-Aus für Wörns sind die Chancen des Bremers Frank Baumann auf eine Nominierung sprunghaft gestiegen. Eine weitere Alternative für den Defensivbereich ist Mustafa Dogan von Fenerbahce Istanbul.
Darüber hinaus ist in Ribbecks EM-Aufgebot wohl nur noch die Besetzung im zentralen offensiven Mittelfeld vakant, wo lediglich Mehmet Scholl gesetzt ist. Thomas Häßler, Darisuz Wosz und Stefan Beinlich sind die Kandidaten für nur noch zwei freie Plätze. Ribbeck erklärte am Montag, dass er derzeit das Pro und Contra eines Comebacks von Häßler prüfe, der nach sportlichen Gesichtspunkten klar vor Wosz liegt.
Zugleich bekräftigte der Teamchef, dass der 33 Jahre alte Häßler im Falle einer Rückholaktion als feste EM-Größe mitreisen würde. "Ich habe nie gesagt, dass Thomas Häßler nicht zur EM mitfährt. Ich habe nur gesagt, dass ich ihn nicht als Nummer 18 oder 19 mitnehme", so Ribbeck über "Icke", der seine Ferienpläne wohl ad acta legen kann. "Wenn er einen Urlaub gebucht hat, und ich nominiere ihn, dann bezahle ich die Stornogebühren", versicherte Ribbeck am Montag.
Damit könnte Wosz die undankbare Rolle als EM-"Härtefall" drohen. Mitkonkurrent Beinlich präsentierte sich zuletzt in deutlich besserer Verfassung, ihn wird Ribbeck aber am Samstag beim Saisonfinale zwischen der SpVgg Unterhaching und Spitzenreiter Bayer 04 Leverkusen noch einmal persönlich unter die Lupe nehmen. Außer Frage indes steht die EM-Berufung von Hertha-Jungstar Sebastian Deisler, der nach auskurierten Leistenproblemen die Formüberprüfung durch Ribbeck mit Bravour bestand: "Er stand für mich immer als einer von 22 EM-Teilnehmern fest."