DFB-Team: Nachhilfe aus der Pampa - DER SPIEGEL
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DFB-Team Nachhilfe aus der Pampa

Auch nach dem Kantersieg gegen Saudi-Arabien will Rudi Völler nichts von einer Favoritenrolle für die deutsche Elf wissen. Der DFB-Teamchef hält andere Mannschaften für deutlich stärker und empfiehlt seinen Spielern, sich vor allem an Argentinien zu orientieren.
Von Till Schwertfeger
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Miyazaki - Rudi Völler ist kein Mensch, der schlecht über andere redet oder seinen Gegnern Böses wünscht. Im Fall von Saudi-Arabien legte sich der DFB-Teamchef für die WM-Vorrundengruppe E allerdings fest. "Diese Mannschaft wird keinen Punkt holen", sagte Völler am Tag nach dem 8:0-Auftaktsieg gegen die zuvor als "Brasilianer des Orients" gepriesenen Saudis.

Deren Superstar Sami Al-Jaber war im Sapporo Dome bereits nach der ersten Grätsche von Thomas Linke wehleidig liegen geblieben und hatte damit die körperliche Unterlegenheit der Saudi-Arabier wie vorbildlich zur Schau gestellt. Besonders die Lufthoheit der deutschen Mannschaft war eklatant. Fünf der acht Treffer erzielte sie per Kopf.

Drei Tore steuerte alleine Miroslav Klose bei. Der gebürtige Pole, der das Fußballspielen bei der SG Blaubach-Diedelkopf lernte und erst vor zwei Jahren seinen ersten Profivertrag unterschrieb, war nach seinem WM-Debüt "everybody's darling", wie Völler die Euphorie um den Goalgetter beschrieb. Der schüchterne Shootingstar - elf Tore in 13 Länderspielen - selbst war am Sonntag für die Journalisten nicht zu sprechen.

"Miro war nach dem Spiel müde und ausgelaugt. Er muss sich erholen und medienmäßig ein kleines Päuschen machen", sagte der Teamchef über seinen Lieblingsschüler, der im Mannschaftstraining beim Fußballtennis vom Erfolgsstress abschalten durfte. Auch Oliver Bierhoff, der trotz seines schönen Tores zum 7:0 bei Völler nicht mehr über die Rolle des Jokers hinauskommen dürfte, empfahl seinem Nachfolger als Torschütze der Nation, "das Spiel so schnell wie möglich abzuhaken" und sich auf die kommenden Aufgaben gegen die körperlich ebenbürtigen Teams aus Irland und Kamerun zu konzentrieren.

Kommandeur Hamann


Wie die deutsche Mannschaft am Mittwoch den für die vorzeitige Achtelfinal-Qualifikation nötigen Sieg gegen Irland erringen kann, referierte Dietmar Hamann im Kommandoton. Als Einheit auftreten, kompakt stehen, engagiert zu Werke gehen, Torchancen nutzen. Der 28-jährige Mittelfeldmann ("Je zentraler man spielt, desto mehr muss man sprechen") ist beim FC Liverpool zu einem Führungsspieler gereift und bestätigt das bei der WM bislang auf und neben dem Platz. Nüchtern kommentierte der ehemalige Bayern-Profi die deutschen Chancen beim Turnier in Fernost: "Wir haben erst einen Schritt getan. Es gibt deshalb keinen Anlass, verrückt zu spielen."

Titelfavoriten sind nach wie vor andere Nationen. Das sieht auch Völler so, der am Sonntag beim 1:0-Sieg der Argentinier gegen Nigeria vor dem Fernsehgerät mit der Zunge schnalzte: "Die haben ein absolutes Weltklasseteam." Im April erst hatte die DFB-Elf beim 0:1 in Stuttgart die Überlegenheit der Südamerikaner am eigenen Leib erfahren müssen. Völler hat seine Lehren daraus gezogen: "Es muss auch unser Ziel sein, hohes Tempo zu gehen, den Gegner zu Fehlern zu zwingen und diese gnadenlos auszunutzen." Am Mittwoch dürfte Irland ein ernsthafterer Proband sein als Saudi-Arabien.

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