DFB-Team: Neuanfang am "Ballermann" - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

DFB-Team Neuanfang am "Ballermann"

In einem Trainingslager auf Mallorca will sich die deutsche Nationalmannschaft auf die EM einstimmen. Nach den letzten Enttäuschungen hofft Teamchef Erich Ribbeck seinen Spielern einen "neuen Geist" einimpfen zu können.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

München - Unweit der berühmtesten Partymeile der Sonneninsel Mallorca will die deutsche Fußballnationalmannschaft in die "heiße" Phase der EM-Vorbereitung einläuten. "Ich hoffe, dass wir genug ballern, aber auf Tore. Es wird für uns keine Gelegenheit geben, zum 'Ballermann' zu kommen. Für uns ist es wichtig, in Ruhe zu arbeiten, um zu einer echten Einheit zusammenzuwachsen", sagte Kapitän Oliver Bierhoff vor dem Abflug am Samstag mit Lufthansa-Sonderflug 5180 von München nach Palma und hofft für das Unternehmen Titelverteidigung auf den "Geist von Mallorca".

Auf der beliebtesten Urlaubsinsel der Deutschen sollen die teils blamablen Leistungen der DFB-Auswahl in den letzten Monaten kein Thema mehr sein. Bierhoff: "Wir müssen die schlechten Spiele der letzten Monate beiseite schieben und nach vorne schauen". Auch Teamchef Erich Ribbeck will sich 14 Tage vor Beginn der Euro 2000 in Belgien und den Niederlanden (10. Juni bis 2. Juli) im mondänen Fünf-Sterne-Golfhotel Son Vida nicht länger mit der weniger schönen Vergangenheit aufhalten.

"Wir haben die Möglichkeit, unter idealen Bedingungen zu trainieren und sind endlich einmal länger zusammen. Ich möchte möglichst schnell zu einem System und einer Formation kommen. Wir werden alles tun, um die ganzen Schwarzseher zu überzeugen, dass Moral und Leistung stimmen, und um eine erfolgreiche EM zu spielen", sagte der 62-Jährige.

Dies erwartet auch DFB-Präsident Egidius Braun: "Ich wünsche mir, dass uns die Mannschaft bei der EM begeistert", gab Braun Ribbeck mit auf den Weg nach Mallorca, nachdem er die DFB-Auswahl zuletzt hart kritisiert hatte ("So etwas darf nie mehr passieren").

Wenigstens hatte das katholische Kirchenoberhaupt Johannes Paul II. aufmunternde Worte für den 75-jährigen DFB-Präsidenten parat. Braun: "Ich war auf einer Privataudienz beim Papst in Rom. Da hat er mir in deutscher Sprache erklärt: Der deutsche Fußball ist der Beste auf der Welt." Offenbar waren im Vatikan die letzten Spiele des Europameisters nicht übertragen worden, weshalb Braun erwiderte: "Heiliger Vater, dann beten Sie für uns."

Die Euro, die für den dreimaligen Welt- und Europameister am 12. Juni (18.00 Uhr) in Lüttich mit dem Spiel gegen Rumänien beginnt, gehen die deutschen Nationalspieler trotz der jüngsten Blamagen mit viel Zuversicht an. "Ich glaube, dass wir den Titel holen können. Jetzt haben alle den Kopf für die Nationalmannschaft frei", meint Bierhoff. Dem schließt sich Abwehrspieler Markus Babbel an: "Zuletzt hat man sich doch bei dem Stress in den Vereinen gar nicht richtig auf die Nationalmannschaft konzentrieren können. Das ist jetzt ganz anders. Ich glaube auch nicht, dass unser Selbstvertrauen unter den schlechten Spielen zuletzt gelitten hat." Auch Rückkehrer Thomas Häßler, einer von sieben Spielern, die schon 1996 in England beim EM-Triumph dabei waren, glaubt an die deutsche Mannschaft: "Wir brauchen uns vor niemandem zu verstecken."

Nach der Einstimmung in München mit einem Laktattest am Donnerstag und dem Abschiedsspiel für Lothar Matthäus am Freitag stehen auf Mallorca ab Samstag täglich zwei Trainingseinheiten plus ein Testspiel gegen den spanischen Erstligisten Real Mallorca am 31. Mai (20.30 Uhr) an. Einen Tag nach der Rückkehr vom Trainingslager kommt es am 3. Juni in Nürnberg zum EM-Härtetest gegen Tschechien. Für den 7. Juni ist die EM-Generalprobe in Freiburg gegen Liechtenstein geplant.

Mehr lesen über