DFB-Team: Spielen gegen den Schock - DER SPIEGEL
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DFB-Team Spielen gegen den Schock

Bloß kein Trauerspiel: Das DFB-Team trifft im letzten Länderspiel des Jahres auf die Elfenbeinküste. Nach dem Tod von Robert Enke will sich die Mannschaft wieder auf den Fußball konzentrieren. Für Stürmer Stefan Kießling wird die Partie zur großen Chance.
Nationalstürmer Kießling: "Ich gehe in das Spiel morgen wie in jedes andere auch"
Nationalstürmer Kießling: "Ich gehe in das Spiel morgen wie in jedes andere auch"

Nationalstürmer Kießling: "Ich gehe in das Spiel morgen wie in jedes andere auch"

Foto: ddp
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Die Normalität hat blonde Haare, trägt eine blaue Trainingsjacke und schaut ein bisschen unsicher. Die Normalität sitzt auf dem Podium bei Mercedes Benz in Düsseldorf und heißt Stefan Kießling. Kießling sagt: "Ich gehe in das Spiel morgen wie in jedes andere auch."

Das Spiel am Mittwoch ist die Partie der Nationalmannschaft gegen die Elfenbeinküste, bis vor einer Woche noch ein Freundschaftsspiel gegen eine starke afrikanische Mannschaft. Jetzt soll der Auftritt in Gelsenkirchen (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) ein Schritt zurück sein in die Normalität, acht Tage nach dem Tod von Robert Enke. Der Versuch, irgendwie abzuschließen mit der Trauer. Und sportliche Themen zurück in den Mittelpunkt zu rücken.

Joachim Löw

Stefan Kießling, 25, wird gegen die Elfenbeinküste von Beginn an auflaufen. Der Stürmer hat eine herausragende Hinrunde gespielt mit Bayer Leverkusen, acht Tore erzielt. Aber er war gleichzeitig nicht nominiert worden für den DFB-Kader, etwa bei den Qualifikationsspielen in Russland und gegen Finnland. Der lange aussichtslos scheinende Kampf um die Rückkehr in die Nationalmannschaft, dann die Nominierung durch Bundestrainer , die wieder intakte Chance auf die WM 2010 - das ist eine großartige Geschichte. Nur war sie seit Dienstag vergangener Woche in den Hintergrund getreten, als sich Robert Enke vor einen Zug warf.

Oliver Bierhoff

Die Trauer um Enke hatte den Deutschen Fußball-Bund (DFB) für eine Woche tief erschüttert. Öffentlich gesprochen hat seither nur die Führung, Präsident Theo Zwanziger, Teammanager und am Montag erstmals auch Bundestrainer Löw.

Dominiert vom Schock über den Tod Enkes

Schon Löw hatte viel über die Normalität geredet und darüber, dass man "durch Trainingseinheiten wieder den normalen Rhythmus aufbauen" müsse. Doch Löw tat dies noch zaghaft und ließ gleichzeitig in sein Gefühlsleben blicken. Es ging um persönliche Gespräche mit Enkes Vater, über mögliche Schuld und Schwächen als Tabu. Löws Pressekonferenz war am Ende doch dominiert vom Schock über den Tod Enkes.

Jetzt sitzt mit Kießling erstmals auch wieder ein Spieler auf dem Podium, auf dem vor wenigen Tagen noch Bierhoff mit den Tränen kämpfte und den Kampf verlor. Kießling ist der endgültige Beleg dafür, dass der DFB den Blick nach vorn richtet. Oder es zumindest versuchen will. "Wir werden Robert vor dem Spiel komprimiert gedenken", sagt Bierhoff. Es ist ein sehr technischer Ausdruck dafür, dass man es nicht übertreiben will, nicht "überfrachten", so der Teammanager.

Ansonsten wird an diesem Tag in Düsseldorf schon wieder ungezwungen über Taktik geredet, über Gegneranalyse und sogar über die Frage, welcher Torhüter denn am Mittwoch in der Schalker Arena spielen werde. Sowohl Tim Wiese als auch Manuel Neuer werden das Tor eine Halbzeit lang hüten, sagt Bierhoff. Wiese sollte eigentlich seine Chance in Köln bekommen bei der Partie gegen Chile. Diese war wegen Enkes Tod aber abgesagt worden. "Wiese hat sich das Spiel von Beginn an verdient", erklärt Bierhoff.

Kießling übt sich in Diplomatie

Kießling lobt er ausdrücklich und hebt dessen Professionalität in Interviews hervor, in denen dieser sich nach all den Bundesligaspielen und Toren nicht habe "locken lassen", also sich nicht über seine Situation beschwerte. Stattdessen habe der Angreifer "hart gearbeitet". Kießling selbst übt sich in Diplomatie, nennt die Konkurrenten Mario Gomez und Miroslav Klose "große Stürmer" und kündigt an, seine lange erhoffte Chance nutzen zu wollen. Für Kießling ist der Test gegen die Elfenbeinküste vor allem einer mit viel Druck. Maximal zwei Spiele wird die DFB-Elf vor dem Start der WM-Vorbereitung noch ausrichten.

Die Normalität ist beim DFB am Montag eingekehrt, so berichtet es Philipp Lahm, und so hatte es auch schon Löw angedeutet. "Wir mussten wieder einen Anfang finden", sagt der Münchner, der wegen des Ausfalls von Michael Ballack gegen die Elfenbeinküste Kapitän sein wird. Und dieser Anfang sei das erste gemeinsame Training gewesen, eröffnet von einer Rede des Bundestrainers. Über "positive Gedanken" sprach Löw und auch darüber, dass Lebensmut und Freude wieder an die erste Stelle treten müssten.

Seither wirken die Nationalspieler wieder freier. Löw jedenfalls sieht keinen, der am Mittwoch nicht spielen kann, auch wenn das natürlich eine Verallgemeinerung der Lage ist. Per Mertesacker, der in Hannover drei Jahre mit Enke zusammenspielte, dürfte die Rückkehr in die Normalität noch immer schwerfallen.

Stefan Kießling will gegen die Elfenbeinküste vor allem einen Fluch besiegen und hofft, "dass ich mein drittes Länderspiel endlich mit einem Sieg beenden kann." Gegen Norwegen (0:1) im Januar war er aufgelaufen, und auch sein erster Einsatz endete im März 2007 gegen Dänemark mit dem gleichen Ergebnis.

Es war auch das Debüt von Robert Enke.