DFB-Umstrukturierung: Wer hat Angst vor Klinsmann? - DER SPIEGEL
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DFB-Umstrukturierung Wer hat Angst vor Klinsmann?

Jürgen Klinsmann hat sich zum Bundesliga-Auftakt gleich in mehreren Stadien angekündigt. Auch in der DFB-Zentrale wartet man am kommenden Wochenende nervös auf die ersten Personalentscheidungen des neuen Bundestrainers. Dabei dürfte es einige lange Gesichter geben.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main - Bremen, Frankfurt, Leverkusen, Mainz und Stuttgart - Jürgen Klinsmann steht ein hektisches Wochenende bevor. Der neue Bundestrainer will den Bundesligaauftakt nutzen, um erste Kontakte mit den Bundesligavereinen zu knüpfen und seine Ideen für die Nationalelf auch dem deutschen Publikum via Fernsehen vorstellen. Am Samstagabend wird Klinsmann zusammen mit seinem Assistenten Joachim Löw Gast im ZDF-"Sportstudio" sein.

Doch nicht nur Öffentlichkeitsarbeit steht für Klinsmann in den nächsten Tagen an, bereits am Freitagvormittag will der 40-Jährige bei einem Treffen mit allen DFB-Trainern in Frankfurt am Main zusammen mit Teammanager Oliver Bierhoff und Löw die ersten personellen Akzente setzen. Laut Informationen des "Kicker" soll dabei Ex-Nationalspieler Dieter Eilts, 1996 zusammen mit Klinsmann Europameister, vor der Beförderung zum U21-Coach stehen.

Schlechte Karten für Skibbe und Stielike

Eilts, 39, würde damit die Nachfolge von Uli Stielike antreten, der mit dem deutschen Nachwuchsteam bei der EM im eigenen Lande bereits in der Vorrunde gescheitert war und so das Olympia-Ticket verpasst hatte. Bislang war Eilts für die U19 beim DFB zuständig. Hoffnungen, die U21-Junioren zu trainieren, hatte sich auch Michael Skibbe gemacht, der zuletzt als Assistent des zurückgetretenen Teamchefs Rudi Völler unter der offiziellen Bezeichnung "Bundestrainer" firmierte.

Klinsmann, der zusammen mit Bierhoff und Löw am Freitagabend auch das Bundesliga-Auftaktmatch zwischen Werder Bremen und Schalke 04 im Weserstadion besucht, will offenbar eine Kostprobe seiner Machtfülle als neuer starker Mann der Nationalmannschaft geben. DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder hatte schon angedeutet, dass der Völler-Nachfolger "ein Mitspracherecht" in allen Bereichen habe, die mit der A-Auswahl in Bezug stehen. Dies ist neben der U21 auch das Team 2006. "Meine erste Aufgabe ist es, einen Trainerstab zusammenzusetzen, der Hand und Fuß hat, und auch weitere Leute im Umfeld zu integrieren, von denen ich überzeugt bin, dass sie mit der WM 2006 umgehen können und fähig sind, sich dem Stress auszusetzen", hatte der 108-malige Nationalstürmer bei seiner Präsentation in der vergangenen Woche erklärt.

Spaghetti-Essen mit Völler

Nicht nur Stielike und Skibbe könnten zu den ersten Opfern Klinsmanns zählen. Auch ein DFB-Direktor steht nach Informationen des "Kicker" vor dem Abschied. Bernd Pfaff, 64, seit 46 Jahren in Diensten des DFB und bislang für die Logistik und Organisation der DFB-Auswahl zuständig, soll abgelöst werden und schon beim nächsten Länderspiel am 18. August in Wien gegen Österreich nicht mehr dabei sein. Als Nachfolger wird Flavio Battisti, 63, der seit 1974 als DFB-Dolmetscher fungiert, gehandelt. Der Vorteil des vielsprachigen Battisti: Er besitzt im Vergleich zu Pfaff eine größere Akzeptanz bei den Nationalspielern.

Auch mit seinem Vorgänger Rudi Völler will sich Klinsmann am Wochenende treffen. Vor dem Bundesligaspiel zwischen Bayer Leverkusen und Hannover 96 haben sich die beiden Weltmeister von 1990 zu Spaghetti und Cappuccino verabredet. Klinsmann ("Rudi hat mir schon zugesagt, dass er mir rund um die Uhr zur Verfügung steht") kommt damit auf das Angebot des vier Jahre amtierenden Völler zurück. In Personalfragen will sich der Coach der Vize-Weltmeistermannschaft von 2002 aber nicht einmischen: "Das ist allein Jürgens Sache."