meinung •DFB und Infront Klebrige Nähe
Ein alter Freund des Hauses im DFB: Günter Netzer
Foto: Andreas Gebert/ dpaBestechung? Schwer zu sagen, wo die Grenze verläuft, über die man nicht gehen darf. Die rote Linie zwischen schmierig und korrupt, unerhört und unerlaubt. Solche Linien zu ziehen, überlässt man besser Staatsanwälten. Deshalb erst mal nur die Fakten. In Sachen DFB und seinem langjährigen Werbe-Vermarkter Infront.
Erstens: Im selben Monat, in dem Generalsekretär Helmut Sandrock einen Vertrag für den DFB unterzeichnete und damit einen Millionenauftrag an Infront vergab, bekam sein Sohn eine Stelle bei Infront. Zweitens: Während der DFB mit Infront über einen weiteren Millionenvertrag verhandelte, ließ sich Präsident Wolfgang Niersbach zu einer Luxussause von Günter Netzer auf eine Jacht im Mittelmeer einladen. Netzer war Executive Director bei Infront.
Wie zu erwarten, gibt es zu den Fakten und dem Eindruck, den sie vermitteln, den üblichen Schwanz an Dementis: Vater Sandrock will nichts mit der Stelle für seinen Sohn zu tun gehabt haben, Niersbach nur als Freund eine ganz private Einladung von Netzer angenommen haben; beides habe nicht das geringste mit den Aufträgen an Infront zu tun gehabt.
Die alte Führung hat nichts begriffen
Aber egal, ob diese Erklärungen den Vorwurf der Korruption mehr oder weniger entkräften können, sie zeigen vor allem eines: Wie wenig die alte DFB-Führung bis heute begriffen hat. Von sauberem Geschäftsgebaren. Von Dingen, die man einfach nicht tut, wenn man die Ehre eines Verbandes schützt, nicht seinen eigenen Vorteil.
Niersbach, Sandrock, Netzer, sie wollen mal wieder nichts falsch gemacht haben, gar nichts. So wie schon in der Sommermärchen-Affäre um die mutmaßlich gekaufte deutsche WM 2006, die Niersbach den Job als Präsident kostete und in der auch Netzer eine umstrittene Rolle spielte.
Dafür macht nun die neue DFB-Führung um Präsident Fritz Keller und Generalsekretär Friedrich Curtius endlich etwas richtig. Als klar wurde, dass bei Infront heimlich die Werbung auf der Bande gekürzt und die gewonnene Zeit doppelt gekauft wurde, mauschelte sich die Spitze nicht in bekannter DFB-Manier mit den Schweizern zusammen, um das Problem still zu begraben. Sie beauftragte eine Beratungsfirma, um alle Verträge mit Infront klinisch sauber auseinanderzunehmen.
Warum bekam Infront ständig Aufträge vom DFB? Warum scheiterte ein Konkurrent, obwohl er bis zu 18 Millionen Euro mehr geboten haben soll? Wieso waren im DFB die Marketing-Leute geradezu hörig, wenn es um Wünsche des Partners ging? Die Berater fanden mögliche Gründe. Sie stießen auf teure Geschenke für DFB-Leute aus dem zweiten Glied, sie stolperten über die Stelle für den Sandrock-Sohn, sie störten sich an exklusiven Geburtstagspartys von Netzer an der Côte d'Azur, bei denen Freund Niersbach eingeladen war und auch mal Arm in Arm mit Netzer posierte.
So billig es ist zu glauben, dass mit einer geschenkten Luxusuhr die DFB-Seite schon nach der Pfeife der Infront tanzte, so weltfremd ist aber auch die Vermutung, Korruption fange erst dort an, wo etwas genommen und im Gegenzug gegeben wird. Schmierige Verhältnisse beginnen mit Nähe, mit Zugängen, mit Gesprächen, die Konkurrenten nicht bekommen.
Einen DFB-Präsidenten, den man als Bewerber um einen Auftrag jederzeit anrufen kann, weil man gerade noch mit ihm durchs Mittelmeer gekreuzt ist, oder ein Generalsekretär, der den Hörer nicht auflegt, weil man eben erst seinen Sohn frisch von der Uni weg angestellt hat - damit beginnt, was am Ende Korruption sein könnte. Wer das nicht sieht, will das nicht sehen, weil er sich wichtiger ist als das Amt, das er bekleidet.
Die neue DFB-Führung will nun aber offenbar hinsehen – und durchgreifen. Das ist konsequent: Für den Nachweis von Korruption mag die Hürde hoch sein, darum sollten sich deshalb Staatsanwälte kümmern. Um den Ruf des DFB zu ruinieren, reicht aber allein schon klebrige Nähe aus. Das klarzustellen, darum hat sich nun der DFB selbst gekümmert.