Diego: Vom Superstar zum Skandal-Profi
Diva Diego Egotrip ins Abseits
Am Sonntag tauchte er plötzlich wieder auf. Diego nahm an der lockeren Trainingseinheit des VfL Wolfsburg teil. Als sei nichts gewesen. Dabei ist viel passiert, seitdem der Brasilianer am Samstag vor dem Spiel bei 1899 Hoffenheim das Mannschaftsquartier wortlos verließ, nachdem er erfahren hatte, dass er nicht zur Startelf gehören würde. Sein Team kämpfte auf dem Platz um den Klassenerhalt, sein Trainer Felix Magath vor den Journalisten damit, den Ausflug Diegos nicht allzu drastisch zu kommentieren. Die Fans mit ihrer Fassung, weil ihr Club zwischenzeitlich abzusteigen schien.
Doch am Ende löste sich die Anspannung größtenteils in Wohlgefallen auf. Wolfsburg siegte 3:1. Die Fans feierten den Klassenerhalt. Und Magath fühlte sich "erleichtert". Nur der Fall Diego erregte weiterhin die Gemüter.
Normalerweise bringt Magath so leicht nichts aus der Ruhe. Er hat schon viel erlebt in seiner Karriere. Aber dass ein Spieler einfach die Mannschaftssitzung verlässt, "so etwas noch nicht". Entsprechend scharf klang denn auch seine Ankündigung im Anschluss an das Spiel: "Das wird nun die Juristen beschäftigen. Und wir werden das auch mit der Fifa und Uefa klären." Erste Konsequenz von Seiten des Vereins: Diego wurde zu einer Geldstrafe im fünfstelligen Bereich verdonnert und erhält eine Abmahnung.
Zu Einsicht hat das bei Diego freilich nicht geführt. Vielmehr deutete der 26-Jährige umgehend an, den Verein verlassen zu wollen - trotz eines noch bis 2014 gültigen Vertrags. "Es ist mein Problem, unser Problem. Wir müssen uns zusammensetzen und eine Lösung finden", sagte Diego nach dem Training.
"Das ist nicht zu entschuldigen"
Magath deutete an, Diego auch weiterhin eine Chance geben zu wollen. "Wenn jemand einen Fehler macht, dann interessiert mich das nicht. Ich bin bereit, mit jedem zusammenzuarbeiten, aber es muss erkennbar sein, dass derjenige meinen Weg mitgeht", sagte Magath.
Doch ist solch ein Profi noch tragbar? Einer, der sein Team im wichtigsten Spiel des Jahres im Stich lässt? Der nicht zurückstecken kann, wenn Belange der Mannschaft seine eigenen Befindlichkeiten beeinträchtigen?
Seine Mitspieler hatten wenig Verständnis für den Egotrip. "Das ist nicht zu entschuldigen", sagte Kapitän Marcel Schäfer. Nur Verteidiger Arne Friedrich nahm den Brasilianer ein wenig in Schutz: "Einerseits ist das untragbar. Andererseits will er halt immer spielen", so der Nationalspieler nach dem Abpfiff.
"Er hat keine Erklärung abgegeben"
Bei Friedrich zeigte sich Diego offenbar einsichtig. "Wir hatten gestern Abend noch SMS-Kontakt, er hat sich bei mir für sein Verhalten entschuldigt." Vor dem Team sprach der Mittelfeldspieler nicht. "Er hat keine Erklärung abgegeben", sagte Magath am Sonntag auf dem Trainingsgelände in Wolfsburg.
Magath hat seit seiner Rückkehr eine erstaunliche Geduld mit dem vor der Saison für 15,5 Millionen Euro Ablöse von Juventus Turin gekommenen Diego bewiesen. Obwohl der sich immer wieder durch unsportliche Aktionen auf dem Platz in Verruf gebracht und seine Auswechslungen gegen den FC St. Pauli und Werder Bremen als persönliche Beleidigung aufgefasst hat. Was bei einem Coach der Marke Magath eigentlich gar nicht gut ankommt.
"Ordnung, Disziplin und körperliche Fitness sind Grundvoraussetzungen, die von mir eingefordert werden. Wer andere Vorstellungen hat, wird es schwer haben", lautet Magaths Credo. Trotz allem: "Ich wollte in der neuen Saison eigentlich eine Mannschaft um Diego aufbauen." Doch eine Zukunft mit dem 26-Jährigen in Wolfsburg ist nun kaum vorstellbar.
Sportlich würde er dem Club fehlen. Sechs Tore und acht Vorlagen sind ein guter Wert. Auch wenn er sich manchmal zu viele Auszeiten in der Defensivarbeit nimmt, hat Diego an guten Tagen eine Klasse, wie sie nur ganz wenige Spieler in der Bundesliga haben. Nachweinen dürfte ihm, falls er tatsächlich den Club verlassen sollte, wohl dennoch kaum jemand.
Damit wird sich Magath in den kommenden Tagen befassen müssen, auch wenn er sagt: "Ich freue mich jetzt erst einmal, dass wir auch in der nächsten Saison weiter in der ersten Bundesliga spielen - egal, ob mit oder ohne Diego."