Dopingvorwürfe Uefa verschont Marseille
Nyon - Uefa-Generalsekretär Lars-Christer Olsson sagte, dass sich der Verband vor dieser Entscheidung mit Juristen beraten habe. Zudem würde es sich um einen Fall handeln, der über zehn Jahre zurück liegt - daher gelte die Angelegenheit als verjährt. "Daher wäre es uns nicht möglich, disziplinarische Maßnahmen zu ergreifen", erklärte Olsson. "Auch unsere medizinischen Experten sind der Ansicht, dass es unmöglich ist, nachzuweisen, wenn 1993 Drogen verwendet wurden", sagte Olsson weiter.
Allerdings wolle die Uefa die Vorgänge weiter beobachten. "Eine Akte wie diese ist nie ganz geschlossen. Man weiß nie, was noch aufgedeckt wird. Im Augenblick ergreifen wir keine Maßnahme, aber wir sind weiterhin sehr aufmerksam", fügte Olsson hinzu.
Der frühere Olympique-Profi Jean-Jacques Eydelie hatte vorige Woche behauptet, dass die Mannschaft vor dem Finale im Europapokal der Landesmeister gegen den AC Mailand 1993 Injektionen erhalten haben. Am Tag des Endspiels soll der damalige Vereinspräsident Bernard Tapie angeordnet haben, dass alle Spieler mit einem verbotenen Produkt gespritzt werden sollten. Nur Rudi Völler, der heutige Sportdirektor von Bundesligist Bayer Leverkusen, habe sich dieser Anweisung widersetzt. Marseille gewann das Spiel 1:0.
Für die Uefa könnte die Entscheidung, diese Angelegenheit nicht weiter zu verfolgen, unangenehme Konsequenzen haben. Denn der AC Mailand hatte bereits angekündigt, dass er juristische Schritte unternehmen wolle, falls der europäische Verband diese Dopingvorwürfe nicht untersucht. Für AC-Vizepräsident Adriano Galliani könnten die Mailänder nachträglich den Titel zugesprochen bekommen.