Dortmund - Stuttgart Die Moral der Borussia
Dortmund - Mit schweren Beinen feierten die Millionen-Stars den ersten Bundesliga-Heimsieg seit drei Monaten. "Ich bin stolz, dass die Mannschaft nach dem Ausscheiden in der Champions League Reaktion gezeigt hat. Einige gehen auf dem Zahnfleisch. Ich habe jedenfalls zuvor noch nie einen Brasilianer mit einem Krampf gesehen", erklärte Trainer Matthias Sammer nach dem glücklichen 1:0 (1:0) von Borussia Dortmund über den VfB Stuttgart, mit dem der angestrebte Sprung auf Platz drei der Tabelle gelang.
"Schwierige Phase"
"Nur das ist im Moment wichtig. Wir haben drei englische Wochen hinter uns und stecken in einer schwierigen Phase", meinte Kapitän Lars Ricken, der die Borussia in dem bislang wohl schlechtesten Saisonspiel im Westfalenstadion mit seinem vierten Saisontreffer (51.) vor Schlagzeilen trächtigen Wochen und einer
turbulenten Jahreshauptversammlung am Sonntag bewahrte. Noch immer hat der BVB die Saison 1999/2000 nicht vergessen, als dem Aus in der "Königsklasse" der Sturz in den Kreis der Abstiegsaspiranten
folgte.
Christian Wörns, der wie Ricken mit einer starken Vorstellung
vor 66.000 Zuschauern die Nominierung für die Playoff-Spiele der
Nationalmannschaft gegen die Ukraine (10. und 14. November)
rechtfertigte, meinte: "Die letzten Wochen haben viel Kraft
gekostet, weil uns durch Sperren und Verletzungen die Alternativen
gefehlt haben. Man musste heute mehrere Schweinehunde überwinden.
Ich bin froh, dass ich nun zweieinhalb Tage relaxen kann, bevor es
zur Nationalmannschaft geht."
Schwache erste Halbzeit
Moral und Kampf hätten gestimmt, doch spielerische Elemente
seien auf der Strecke geblieben, gab Wörns zu. Die erste Halbzeit
beschrieb der Manndecker treffend als "total schwach". Denn
Nationaltorhüter Jens Lehmann verhinderte ein frühzeitiges Debakel.
Allein der Rumäne Ioan Viorel Ganea und Jens Todt hätten den Sack
zugunsten der Schwaben schon vor der Pause zumachen müssen. Vier
Tage nach dem 0:2 in der Champions League beim FC Liverpool
schienen die Borussen selbst die elementarsten Dinge ihres Sports
vergessen zu haben.
"Der Druck und die Enttäuschung waren groß. Die Niederlage in
Liverpool hatte Spuren hinterlassen", resümierte BVB-Manager
Michael Meier. Die Länderspiel-Pause wolle man intensiv nutzen, um
sich auf die zweite Phase der Bundesliga vorzubereiten. Doch schon
im kommenden Auswärtsspiel bei 1860 München ist erneut
Improvisation angesagt, denn Evanilson und Ricken sind wegen ihrer
jeweils fünften Gelben Karte gesperrt.
Stuttgart überzeugte
Allerdings mussten die Borussen auch die überzeugende
Vorstellung des Gegners anerkennen. Wörns: "Stuttgart hat kompakt
und diszipliniert gestanden und bewiesen, dass es nicht von
zufällig so gut in der Tabelle steht." VfB-Trainer Felix Magath
stimmte zu: "An der Leistung meiner Mannschaft gibt es nichts
auszusetzen. Sie hat sich gut verkauft und ist auch nach dem
Rückstand nicht eingebrochen. Unsere Punkte werden wir woanders
holen. Die Niederlage in Dortmund wird uns nicht zurückwerfen."
Borussia Dortmund - VfB Stuttgart 1:0 (0:0)
1:0 Ricken (51.)
Borussia Dortmund: Lehmann - Evanilson, Wörns, Metzelder, Dede
(80. Madouni) - Stevic, Ricken - Rosicky - Ewerthon (68. Sörensen),
Koller, Amoroso (90. Oliseh)
VfB Stuttgart: Hildebrand - Hinkel, Marques, Bordon, Wenzel -
Tiffert (46. Carnell), Soldo, Todt (75. Meißner) - Hleb, Balakow -
Ganea (61. Adhemar)
Schiedsrichter: Stark (Ergolding)
Zuschauer: 66.000
Gelbe Karten: Ewerthon, Ricken (5.), Evanilson (5.) / Todt