Drogba zum Anfassen: Der Tag der Elefanten - DER SPIEGEL
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Drogba zum Anfassen Der Tag der Elefanten

Auch die Kicker der Elfenbeinküste sind in Deutschland angekommen. Die Afrikaner um Superstar Didier Drogba trainieren derzeit im Rheinland und geben sich dabei so volksnah wie kaum ein anderer WM-Teilnehmer.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Nein, hier ist alles kostenlos. Bettina Plugge, Pressesprecherin der Stadt Troisdorf, schaut ein wenig irritiert. Was soll auch so eine Frage? Ob man sich im nordrhein-westfälischen Troisdorf nicht auch überlegt habe, ein wenig Profit daraus zu schlagen, dass die Stadt der Elfenbeinküste während der WM Quartier gewährt? Diese Frage, sagt sie, habe sich nie gestellt.

Troisdorf feiert lieber ohne Eintritt. Bei den öffentlichen Trainingseinheiten der Elfenbeinküste im heimischen Aggerstadion, beim Freundschaftsspiel am kommenden Sonntag gegen die Sportfreunde Troisdorf, bei den Public Viewings in der Innenstadt. Gerne legt man da noch einen drauf: Vor dem Anpfiff des Testspiels musiziert die kölsche Band Brings, und dabei sein dürfen alle, die noch Platz finden. Nicht zu vergessen das Afrikafest. Kultur satt in Troisdorf.

Medienvertreter gibt es im Aggerstadion wahrlich zahlreicher, als Zuschauer bei einigen Spielen der heimischen A-Jugend. Eine kleine Heerschar von Fotografen und Kameraleuten stürzt sich auf die rund 3000 Zuschauer, betreibt ethnologische Studien und sucht die Weisheit der Experten im Publikum. Wer sich nicht rechtzeitig wegduckt, wird interviewt.

Ansonsten kleben gerade die Kollegen vom Fernsehen an jeder Bewegung von Drogba und Co, als verspräche dies Erkenntnisgewinn über den aktuellen Leistungstand der afrikanischen Profis. Das Publikum weiß es besser: "Natürlisch zeigen die hier nix von dem, was 'se draufhaben", erklärt da einer auf der Tribüne. "Würde doch gleisch weitergemeldet." Von den Medienleuten. Der Troisdorfer versteht das. Denn irgendwie sind die da unten auf dem Platz jetzt ja auch so was wie Troisdorfer. Die Elefanten, die Kicker von der Elfenbeinküste, denen die Stadt am Montag einen rauschenden Empfang bot. Für die hier Grün, Weiß und Orange geflaggt wird, fast häufiger als Schwarz-Rot-Gold.

Das Team der Elfenbeinküste, das am 10. Juni im ersten Gruppenspiel auf Argentinien trifft, dankt es mit zahlreichen öffentlichen Auftritten. Zum Beispiel dem Mannschaftstraining, Anlass zur städtischen Völkerwanderung. Familien bummeln die gesperrte Straße zum Stadion am Rand der Wahner Heide hinab. Das kleine Areal, eine blitzsaubere Anlage mit prächtigem Rasen, füllt sich mit 3000 Zuschauern. Das Trainingsprogramm kann sich sehen lassen: 1. Einlaufen. 2. Warmlaufen. 3. Rumlaufen. 4. lockeres Trainingsspielchen. 5. Hinsetzen, entspannen. 6. Autogramm-Marathon.

Dauer der sportlichen Betätigung:  Nicht ganz eine Stunde. Das Publikum findet es trotzdem gut. Richtig Stimmung kommt aber auf, als Drogba Kurs Richtung Fans einschlägt. "Drogba Hier! Hier! Ich auch!" Der Chelsea-Star lässt sich nicht lange bitten und legt eine Handgelenk-Trainingseinheit der Extraklasse ein. Hendrik, zwölf Jahre, hat gleich zwei Autogramme, sein Kumpel dagegen eines auf dem T-Shirt. Von wem? "Keine Ahnung, wie die heißen".

WM-Chancen haben sie trotzdem, die Elefanten, das glauben in Troisdorf viele. Aber Geld auf den Titel zu setzten? "Gewagt" sei das, sagt Stadionsprecher Uwe Beister "echt risikofreudig". Aber so ein kleiner Geheimtipp seien die Jungs ja schon. Am Sonntag gegen die Sportfreunde sind sie wohl mehr als das, obwohl, wie Vereinspräsident Heinz-Werner Uerdingen einwirft, seine Mannschaft ja auch schon in vergangenen Spielen gegen Nationalteams gezeigt habe, was sie draufhat. Die Sportfreunde kicken in der Verbandsliga, und während des Confed-Cups ging es bereits zweimal gegen die ganz Großen des Weltfußballs. "In dem einen Spiel gegen Argentinien haben wir sogar vorne gelegen", unterstreicht Vereinssprecher Rainer Säbel.

Befürchtungen, dass es in der Stadt zu Ausschreitungen kommen könnte, haben die zuständigen Polizeibeamten keine. "Nein", sagt Burckhard Rick, Sprecher der Kreispolizeibehörde, "Probleme erwarten wir in einer Gemeinde wie Troisdorf nicht." Erkenntnisse über gewaltbereite Fans gäbe es gar keine.

Jetzt warten sie in Troisdorf gebannt auf das Testspiel gegen die Elefanten. "Für ein Tor", glaubt Präsident Uerdingen, "sind wir immer gut." An Publikum sollte es nicht mangeln bei Troisdorfs kleiner WM. Im Gegensatz zur Großen ist diese hier eine zum Anfassen. Fühlt sich gut an.

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