Duschphobie: Büffelaroma aus der Büx - DER SPIEGEL
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Duschphobie Büffelaroma aus der Büx

Junge Menschen darf man nicht bevormunden, sonst werden sie noch merkwürdiger als ihre Eltern. Es gibt aber auch Ausnahmen, bei denen ein Eingreifen notwendig ist. Oder was würden Sie im Falle einer Unterhose machen, die gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz verstößt?
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Neulich haben wir Oliver Kahn im Fernsehen verfolgen dürfen, wie er mit einer Art Herrenhandtäschchen unterm Arm und nassgekämmten Haaren aus der Kabine kam. Der Mann, der sich von Berufs wegen täglich im Dreck suhlt, sah ausgesprochen frisch geduscht aus; wahrscheinlich umgab ihn eine Wolke exquisiten Parfums, die unvorbereiteten Zeitgenossen die Tränen in die Augen treiben würde. Fußballer haben offenbar durchgängig verstopfte Nasen. Oder einen massiven Riechschaden infolge jahrelangen Inhalierens von konzentrierten Duftstoffen in luftdicht verschlossenen Umkleidekabinen.

Karl riecht nie so, wenn er nach dem Spiel aus der Kabine kommt. Er sieht auch nie frisch geduscht aus, sondern genauso rotwangig wie drei Minuten zuvor, als er ziemlich verschwitzt und verdreckt in die Kabine gestiefelt war. Dabei hat er alles dabei in seiner Sporttasche: Badeschlappen, die coolen von Nike, die die Hertha-Spieler auch haben, ein DFB-Handtuch für die Füße und ein flauschiges Milan-Handtuch für die oberen Körperteile, dazu ein Duschgel, das farblich und vom Flaschendesign her aus dem gleichen Chemielabor stammen muss wie elektrolythaltige Sportgetränke.

"Warum duschst du nicht?", frage ich.
"Niemand duscht", antwortet mein Sohn.
"Warum nicht. Ist doch sehr praktisch da bei euch", sage ich.
"Weiß nicht", sagt Karl, "keiner hat Bock. Wir sind ja auch gar nicht dreckig."
"Dein Handtuch spricht eine andere Sprache", entgegne ich.
"Ist auf den Boden gefallen", sagt Karl.

Er flunkert, wenn auch noch nicht ganz so überzeugend wie seine Mutter. In Wirklichkeit reiben die Bengel sich mit ein wenig Wasser die Gras- und Dreckflecken von den Knien, um wenigstens die Illusion zu erzeugen, dass sie sauber seien, wenn sie in ihre Klamotten steigen. Manche behalten sogar ihre Sporthosen an unter der Jeans. Das Handtuch sieht natürlich aus, als sei eine Büffelherde darüber getrabt.

Wahrscheinlich ist es die kollektive Nacktheit, die eine Horde Elfjährige abschreckt. Die größeren haben schon Schamhaare, die kleineren noch nicht. Und beide schämen sich dafür. Vielleicht sollten sie erstmal in Badehose üben. Wo bleibt das Ratgeberbuch: "Jedes Kind kann in der Gruppe duschen" - über Generationen ein garantierter Bestseller.

"Guck mal, ein echter Fußballprofi duscht immer nach dem Spiel", sagte ich, als wir Kahn mit seinem Herrenhandtäschchen aus der Kabine kommen sahen.
"Die Großen, die schwitzen ja auch viel doller", sagte Karl, "Kinder schwitzen nicht so viel und riechen nicht. Hast du selbst mal gesagt."
"Dann riech mal an deinen Socken", sagte ich.
"Die wechsle ich ja auch", entgegnete er.
"Aber erst seit ein paar Wochen."
"Vorher haben sie ja auch noch nicht gerochen."
"Das bedeutet also, dass du anfängst zu stinken, oder?"
"Aber nur ganz langsam."
"Und ab wann ist es so schlimm, dass du nach dem Training duschen gehst?"
"Wenn ich groß bin."
"Du bist schon ganz schön groß. Wann bist du groß genug?"
"Vielleicht in der C-Jugend."
"Versprochen?"
"Mal sehen."

Na, immerhin. In eineinhalb Jahren duscht mein Sohn nach dem Training. Vielleicht.