Dynamo Dresden: Talente in 3. Liga - DER SPIEGEL
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Dynamo Dresden: Mut zur Jugend!

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Dynamo Dresden vor Spitzenspiel Auferstanden mit Talenten

Nach dem Zweitliga-Abstieg wirkte Dynamo Dresden gelähmt, doch 36 Transfers und ein Pokalspiel haben dem Verein neues Leben eingehaucht. Vor dem Sachsenderby gegen Chemnitz hofft der Klub auf eine bessere Zukunft.
Von Ronny Zimmermann
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Für Dynamo Dresden ist es ein ganz neues Gefühl: mal kein Druck, kein Existenzkampf - stattdessen pure Vorfreude. Als Zweiter der 3. Liga fordert Dynamo den Tabellenführer aus Chemnitz zum Spitzenduell heraus. Dresden im Aufstiegsrennen? Kaum einer hätte das vor Saisonbeginn geglaubt.

Vier Monate ist es her, da lag die SG Dynamo Dresden auf der Intensivstation. Die Diagnose: Abgestiegen aus der 2. Liga, viele Spieler ohne Vertrag und Fans, die die eigene Mannschaft bedrohten. Dazu finanzielle Sorgen. Wie sollte es bloß weitergehen?

Sportdirektor Ralf Minge ließ sich von der Situation nicht verunsichern. Stattdessen räumte der 53-Jährige auf. Im Sommer verließen 19 Spieler den Verein, 17 neue Kicker wurden verpflichtet. Ein enormer Umbruch: Mehr Transfers tätigten im deutschen Profifußball zur gleichen Zeit nur Energie Cottbus (44) und der 1. FC Nürnberg (43).

"Keine vier oder fünf Verhandlungsrunden"

"Jeder Spieler, der hier unterschrieben hat, war zu einem persönlichen Gespräch in Dresden", sagt Minge zu SPIEGEL ONLINE. Darin ging es nicht nur um sportliche Ziele und Perspektiven - auch ein Stadtrundgang und ein Blick ins Stadion gehörten zum Programm. Der Verein wollte seine Neuzugänge genau kennenlernen. "Wir haben uns auf keine vier oder fünf Verhandlungsrunden eingelassen", sagt Minge, der von 1980 bis 1991 selbst für Dynamo auf dem Platz stand: "Wenn wir das Gefühl hatten, dass einem Spieler die Überzeugung für unser Projekt fehlte, dann haben wir es eben gelassen."

Junge, hungrige Spieler statt Routiniers: Das war das Motto für die Transfers. In Dresden haben sie - auch aus finanziellen Zwängen - ausschließlich Talente verpflichtet. Spieler, die gut ausgebildet sind, aber den ganz großen Sprung bislang verpasst haben. Neun Spieler liefen einst für deutsche Junioren-Nationalmannschaften auf. Zusammen kommen sie auf 116 Länderspiele.

Stürmer Justin Eilers war in Bochum und beim VfL Wolfsburg ganz nah dran, gereicht hat es nicht. Jetzt ist er mit acht Treffern Dynamos bester Torschütze. Luca Dürholtz hatte in der Jugend sogar ein Angebot von Real Madrid, blieb aber bei Bayer Leverkusen. Dort kam er nicht über deren Reserveteam hinaus. Die Verteidiger Dennis Erdmann (Schalke 04) und David Vrzogic (Bayern München) teilen das gleiche Schicksal. Dynamo ist für sie eine neue Chance.

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Dass im Kader viel Potenzial steckt, bekam sogar Schalke 04 zu spüren. In der ersten Pokalrunde besiegte Dynamo den Bundesligisten (2:1). Eine Sensation. "Das hat enorm geholfen und jeden einzelnen Spieler noch mal einen Schritt vorangebracht", sagt Minge, der auch auf den Trainer verweist: "Stefan Böger ist die wichtigste Personalie in unserem Prozess."

Böger ist seit Beginn dieser Saison Dresdens Coach. Zuvor war er sechs Jahre im Nachwuchsbereich des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) tätig. Das war bei Dynamos Werben um Talente von Vorteil. Anschließend musste er sie zu einer Einheit formen.

Fans halten dem Verein die Treue

Die Fans erkennen den neuen Kurs an. Im Schnitt besuchen 22.000 Zuschauer die Heimspiele - Bestwert in der 3. Liga. Zum Spitzenduell gegen Chemnitz wird das Stadion ausverkauft sein. Bei den stets brisanten Ostderbys in Cottbus (3:1), gegen Rot-Weiß Erfurt (0:2) und beim Halleschen FC (1:1) blieb es friedlich. Einige Dynamo-Fans besuchten sogar Vizekapitän Marco Hartmann in seiner Reha, um ihm eine selbst gebastelte Fotocollage zu schenken.

In Dresden träumen nicht wenige von einer schnellen Rückkehr in die 2. Liga. Sportdirektor Minge bleibt gelassen: "Unsere Zielsetzung hängt nicht vom Tabellenplatz ab." Mit Trainer Böger hat er eine Zweijahresstrategie besprochen: Dieses Jahr obere Tabellenhälfte, nächste Saison dann ganz vorne dabei. Bislang liegt das Duo mit Dynamo im Plan.