Dzeko-Wechsel: Hauptsache weg aus Wolfsburg - DER SPIEGEL
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Dzeko-Wechsel Hauptsache weg aus Wolfsburg

Goldener Abschied des Torgaranten: Edin Dzeko wechselt für mehr als 30 Millionen Euro vom VfL in die Premier League. Dort soll er Manchester City zum Titel schießen. Für seinen Ex-Club bedeutet der Transfer zwar eine Menge Geld, aber auch ein massives Stürmerproblem.
Stürmer Dzeko, Manager Hoeneß (im Mai 2010): "ManCity immer erste Wahl"
Stürmer Dzeko, Manager Hoeneß (im Mai 2010): "ManCity immer erste Wahl"

Stürmer Dzeko, Manager Hoeneß (im Mai 2010): "ManCity immer erste Wahl"

Foto: Jochen Lübke/ dpa
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Am Ende ging alles ganz schnell. Noch am Freitagnachmittag hatte der VfL Wolfsburg gemeldet, die Verhandlungen um einen Wechsel von Edin Dzeko zögen sich hin. Wenige Stunden später verkündete Manchester City auf der Club-Homepage die Verpflichtung des Angreifers.

Damit enden die monatelangen Verhandlungen um den Torjäger. Zwischen 31 und 35 Millionen Euro lässt sich Manchester den Transfer kosten. Teurer war noch kein Spieler in der Bundesliga-Geschichte. Leisten können sich die Engländer den Einkauf allemal. Seit der Übernahme durch Scheich Mansur-Bin-Sajid al-Nahajan, Mitglied der Herrscherfamilie des Emirats Abu Dhabi, im Jahr 2008 gilt City als einer der finanzstärksten Erstligisten.

"Ich freue mich, bei einem so großen Club mit solch großen Ambitionen zu sein", wird Dzeko auf der Internetseite des Premier-League-Clubs zitiert. Sein Debüt soll der 24-Jährige am 15. Januar im Ligaspiel gegen die Wolverhampton Wanderers feiern.

Für seinen neuen Verein hatte der Bosnier dann auch gleich ein etwas überraschendes Bekenntnis parat. Manchester City sei seine "erste und einzige Wahl" gewesen, betonte Dzeko. In seiner Wolfsburger Zeit hatte er noch mehrfach erklärt, dass der AC Mailand sein Wunschverein sei.

Dazu hatte die englische Tageszeitung "Daily Mirror" zuletzt einen angeblichen Dzeko-Berater zitiert, der erklärte, Manchester City sei für seinen Schützling nur die zweite Wahl gewesen. Am liebsten wäre der Profi zu Juventus Turin gegangen. Da Dzeko aber nicht bis zum Sommer warten wollte, habe er sich für die Engländer entschieden.

Sieben bis zehn Millionen Euro Jahresgehalt

"Jetzt sind die Spekulationen vorbei und ich will einfach nur mein Bestes geben", so Dzeko. Bereits am Mittwochmorgen war er vom Trainingslager des VfL mit einem Privatjet von Marbella zum Medizincheck nach London geflogen. Zuvor hatte er sich von seinen Mitspielern verabschiedet. Wegen Problemen mit seinem Visum konnte er aber nicht auf der Insel bleiben, sondern musste noch einmal nach Deutschland reisen, um die Angelegenheiten für die Arbeitserlaubnis zu regeln.

In England soll der Stürmer ein Bruttogehalt zwischen sieben und zehn Millionen Euro brutto pro Jahr beziehen. Diese Summe habe bei der Entscheidung zum Wechsel aber nicht die größte Rolle gespielt. "Alle reden davon, wie viel Geld City hat. Aber es geht um ganz andere Ansprüche. Trainer Roberto Mancini hat mir immer wieder gesagt, dass dies der beste Club für mich ist", so Dzeko.

66 mal hatte Dzeko in 111 Bundesliga-Partien für die Wolfsburger getroffen. Mit seinen 26 Toren in der Saison 2008/2009 hatte er entscheidenden Anteil an der ersten Meisterschaft der Niedersachsen gehabt.

Sein neuer Verein kann die Treffer des Bundesliga-Torschützenkönigs von 2009 gut brauchen. Seit 1968 warten die "Citizens" auf den dritten Meistertitel der Clubgeschichte. Stadtrivale United stand in dieser Zeit insgesamt elfmal ganz oben. Aktuell belegt ManCity den zweiten Tabellenplatz, zwei Punkte - hinter United.

Boateng voller Vorfreude, Wolfsburg vor Umbau

Auch ein alter Bekannter aus der Bundesliga freut sich auf die Zusammenarbeit mit dem Angreifer. City-Verteidiger Jérôme Boateng kennt Dzeko aus seiner Zeit beim Hamburger SV. "Dzeko hat alles. Er kann beidfüßig und mit dem Kopf treffen. Es war immer eine gewaltige Herausforderung, gegen ihn zu spielen", so der 22-jährige DFB-Nationalspieler.

Beim VfL ist der Abgang des einstigen Torgaranten ein weiterer Schritt in Richtung Neuaufbau. Wolfsburgs Manager Dieter Hoeneß hatte den Transfer wegen einer schweren Bronchitis in den vergangenen Tagen vom Bett aus in Kitzbühel abgewickelt.

Eine Einkaufstour im großen Stil ist aber nicht geplant. "Wir müssen die hohe Summe nicht unter die Leute bringen, sagte Hoeneß. "Wir haben aber im Sommer einen Umbau vor und werden gezielt einige Dinge versuchen, Stück für Stück."

Finanziell hat sich Dzekos Abgang für den VfL gelohnt, sportlich könnte der Transfer jedoch zum Problem werden. Von den bisher 24 Toren der Wolfsburger in der Bundesliga gingen immerhin zehn auf das Konto des Bosniers. Ohne prominente Zugänge dürfte dieser Verlust nur schwer zu kompensieren sein. Nach einer enttäuschenden Hinrunde liegt das Team von Trainer Steve McClaren nur auf dem 13. Tabellenplatz.

VfL-Verteidiger Marcel Schäfer sieht den Transfer mit einem lachenden und einem weinenden Auge: "Es ist natürlich einerseits schade, einen so guten Spieler zu verlieren. Aber andererseits ist dies nicht nur eine Chance für Edin, sondern auch für uns als Mannschaft."

mit Material von dpa