Ecuador Dabei sein ist alles
In Ecuador grassiert schon vor der WM in Japan und Südkorea der Fußball-Wahnsinn. Voller Erwartungen fiebern die Fans in dem kleinen südamerikanischen Land dem Debüt ihrer Nationalelf im Konzert der Großen entgegen. Dabei kann der WM-Neuling ohne Druck auflaufen: "Die Truppe hat eine ganze Nation im Rücken, und niemand erwartet etwas", verdeutlicht der aus Kolumbien stammende Nationaltrainer Hernan Dario Gomez die Ausgangsposition seines Teams.
Dabei setzte sich Ecuador in der kontinentalen Ausscheidung überraschend souverän und in beeindruckender Manier durch. Schließlich wies nur der zweimalige WM-Titelträger Argentinien ein besseres Punktekonto auf. Rekordweltmeister Brasilien, Paraguay und den zweimaligen WM-Champion Uruguay dagegen ließen die Anden-Kicker hinter sich.
Zweifellos profitierte Ecuador dabei auch von seiner Höhenlage. Bei Ecuadors neun Heimspielen in der WM-Qualifikation im über 3000 Meter hoch gelegenen Quito ging so manchem Favoriten buchstäblich die Luft aus. Auch Brasilien, das beim 0:1 in Ecuadors Hauptstadt nach zuvor 17 Duellen und fast 100 Jahren ohne Niederlage erstmals gegen den vermeintlichen "Fußballzwerg" verlor. Lediglich Argentinien gewann in Quito.
Ecuadors Heimvorteil kann in Japan und Südkorea als Trumpf nicht stechen. In den Spielen der Vorrunden-Gruppe G gegen den dreimaligen Weltmeister Italien, den WM-Dritten Kroatien und Mexiko muss sich die defensivstarke Elf auf ihre spielerischen Qualitäten verlassen. "Wir haben eine schwierige Gruppe erwischt. Aber bei uns sagt man, wir tanzen immer mit der Schönsten", kommentiert Trainer Gomez die Auslosung. Doch der Coach will nicht klagen, denn alles, was auf die Ecuadors Fußballer in Japan und Südkorea zukommen wird, bezeichnet er als Zugabe: "Was jetzt kommt, sind wertvolle Erfahrungen für uns."
Doch hat der WM-Außenseiter auch fußballerisch einiges zu bieten. Das Herz der Mannschaft ist Mittelfeldspieler Alex Aguinaga, der seit einem Jahrzehnt beim mexikanischen Spitzenklub Necaxa spielt. Zwar war der 33-Jährige lange der einziger Spieler des Landes von internationaler Klasse. Inzwischen jedoch besitzt die Mannschaft mehrere Stars, allen voran der allerdings bis zum Frühjahr verletzte Stürmer Agustin Delgado, der beim FC Southampton in der englischen Premier League sein Geld verdient und seit seinem Siegtor gegen Brasilien geradezu als Volksheld verehrt wird.