Eintracht Frankfurt: Zwischen Rettung und Untergang - DER SPIEGEL
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Eintracht Frankfurt Zwischen Rettung und Untergang

Der mit rund 14 Millionen Mark verschuldeten und sportlich um den Bundesliga-Klassenerhalt bangenden Frankfurter Eintracht steht offenbar eine rosige Zukunft bevor. Das behauptet zumindest Schatzmeister Rainer Leben.
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Frankfurt - "Die wirtschaftliche Sanierung ist erfolgreich abgeschlossen, die drohende Insolvenz abgewendet. Wir zählen zu den Vereinen, die zu den reichsten der Liga gehören", erklärte Schatzmeister und Präsidiumssprecher Rainer Leben am Donnerstag in Frankfurt: "Wir wollen zu einer europäischen Topmarke werden."

Die Liquidität der seit Monaten um die Existenz ringenden Eintracht macht die Überarbeitung eines Vertrages mit dem Sportrechtevermarkter ISPR möglich, der ein Darlehen in Höhe von rund 15 Millionen Mark in einen "einmaligen Zuschuss" (Leben) umwandelte.

"Wir mussten diese Umwandlung zähneknirschend anerkennen", meinte Günter Ritter, Mitglied im DFB-Lizenzierungsausschuss, in der Tageszeitung "Die Welt". Der Verband hatte die Eintracht wegen Verstoßes gegen die Lizenzauflagen mit einem Zwei-Punkte-Abzug und 500.000 Mark bestraft. Zudem wurden weitere Kontrakte mit Geldgebern zu Gunsten des Bundesligisten überarbeitet. Ein Gewinn von 210.000 Mark im Geschäftsjahr 1999/2000 ist die Folge.

Durch den forcierten Modernisierungsprozess droht dem Traditionsklub 2000/2001 allerdings ein Verlust von rund 16 Millionen Mark, der durch den noch nicht gefundenen strategischen Partner aufgefangen werden soll. "Wir wollen durch gezielte Investitionen die Infrastruktur verbessern, ein professionelles Management engagieren und die Leistungsfähigkeit des Kaders steigern. In zwei Jahren rechnen wir mit einem Eigenkapital von über acht Millionen Mark", so der 43-jährige Leben, der im Oktober vergangenen Jahres sein Amt bei der Eintracht angetreten hatte und den vorzeitigen Rücktritt von Präsident Rolf Heller nur knapp drei Monate später forciert haben soll.

Bis spätestens 31. Mai muss der selbsternannte "Sanierer" Leben den Investor präsentiert haben, denn der DFB hat die Vergabe der Lizenz an die Hessen für die kommende Saison an diese Bedingung geknüpft. Der Geldgeber soll 30 Millionen Mark in die Eintracht-Kassen fließen lassen und erhält im Gegenzug 25,1 Prozent der Vereinsrechte.

"Derzeit verhandeln wir mit drei möglichen Partnern. Mir liegen verbindliche und unwiderrufliche Angebote vor. Es müssen noch steuerrechtliche Aspekte geprüft werden, aber wir werden die Forderung des DFB erfüllen", erläuterte der smarte Unternehmensberater Leben, der sich mit seiner undurchschaubaren "Hinhaltetaktik" in den Mittelpunkt der Kritik von Fans und Medien manövrierte. Bereits vor Wochen sollte der neue Investor vorgestellt werden.

Die Eintracht steht nach Informationen aus gut unterrichteten Kreisen in Verhandlungen mit der weltweit tätigen Großagentur Octagon - die in Frankfurt ansässige Vermarktungsfirma Birkholz und Jedlicki gehört zur Octagon-Kette - und der Kinowelt Medien AG. Bei ihrer Bilanzpressekonferenz bestätigte die Kinowelt unlängst konkrete Verhandlungen mit der Eintracht.

Weitere Weichen hat "Kopfmensch" Leben als neuer starker Mann der Eintracht gestellt. Die Gründung einer Holding AG und einer Lizenzsport AG bis spätestens 1. Juli sind geplant. Der Vorstandsvorsitzende der Holding soll künftig als hauptamtlicher Vizepräsident fungieren. Er selbst komme für diesen Posten aber nicht in Frage, so Leben.

Für die Ausgliederung der Lizenzspielermannschaft benötigt der Schatzmeister jedoch die Zustimmung der Mitglieder auf einer außerordentlichen Versammlung am 28. Mai. Leben: "Wenn ich die nicht bekomme, trete ich zurück."