Elfenbeinküste: Drogbas starke Helfer - DER SPIEGEL
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Elfenbeinküste Drogbas starke Helfer

Die Mannschaft der Elfenbeinküste gehört zum Kreis der Geheimfavoriten. Das Auftaktspiel gegen Argentinien heute wird mit Spannung erwartet. Wie stark sind die Ivorer um ihre Stars wie Drogba, Eboué und Touré, wenn selbst Guy Demel vom HSV zu Beginn nur auf der Bank sitzt?
Von Matthias Greulich
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Zum ersten Mal tritt die Elfenbeinküste bei einer WM-Endrunde an. Die Erwartungen an die Ivorer sind hoch, auch wenn das Team mit Argentinien, Niederlande und Serbien und Montenegro die wohl stärkste WM-Gruppe erwischt hat. "Die Elfenbeinküste ist zweifelsohne die beste Mannschaft Afrikas", sagt José Pekerman, der Trainer des ersten Vorrundengegners Argentinien (heute, 21 Uhr Liveticker SPIEGEL ONLINE). Ein weiteres Urteil Pekermans scheint noch schwerer zu wiegen: "Die Spieler gehören zu den besten der europäischen Ligen."

Wen der Argentinier meint, ist nicht schwer zu erraten. Emmanuel Eboué und Habib Kolo Touré standen mit dem FC Arsenal vor einigen Wochen im Finale der Champions League gegen den FC Barcelona (1:2), Didier Drogba stürmt beim englischen Meister FC Chelsea, in der französischen Liga hat sich Didier Zokora von AS Saint Etienne als Spielgestalter hervorgetan. Auch für Jürgen Klinsmann gehört die Mannschaft neben der Ukraine zu den Geheimfavoriten.

Der Auftritt beim Afrika-Cup, als die Elfenbeinküste im Finale gegen Ägypten unterlag, hätte diesen Respekt nur bedingt gerechtfertigt. Zu Beginn ließ Trainer Henri Michel lupenreines Kick and Rush spielen, über das sich die Taktikexperten des französischen Fußballmagazins "So Foot" als "Bumm-Bumm-Becker-Stil" lustig machten. Immer wieder wurde Drogba mit langen Bällen gesucht, zeitweise schien es nur um Raumgewinn wie beim American Football zu gehen. Michel, der als Spieler und Trainer für Frankreich WM-Erfahrung sammelte, rechtfertigte die eher glanzlosen Auftritte seines Teams beim Kontinentalturnier in Ägypten damit, dass die Vorbereitung auf die WM absolute Priorität habe.

"Demel, der Holzkopf"

Als Kritiker tut sich auch ein ehemaliger Teamkollege Michels in der "Equipe tricolore", Jean-Marc Guillou, hervor. Zehn Spieler des aktuellen WM-Kaders hat Guillou in seiner Fußballschule im gepflegten Kurzpassspiel ausgebildet. Seine Zuneigung verteilt der sehr selbst bewusste Guillou gerne einseitig auf seine ehemaligen Schüler – Guy Demel vom Hamburger SV gehört nicht dazu. "Ich frage mich, was Demel, der Holzkopf, in Hamburg will", sagt Guillou. Starker Tobak, denn beim HSV gilt der defensive Mittelfeldspieler als "Juwel und Beweis für die gute Qualität der Scoutingabteilung", so die "Süddeutsche Zeitung". Dass es für den 24-Jährigen mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht zu einem Platz in der Startaufstellung gegen Argentinien in seiner Heimat-Arena von Hamburg langt, könnte man als Beleg für die Stärke des ivorischen Mittelfeldes deuten.

Im Sturmzentrum scheint sich Drogba inzwischen von der strapaziösen Saison mit Chelsea erholt zu haben. Im letzten Test gegen Slowenien schoss er zwei Tore, das Team gewann 3:0. Und in der Heimat sprachen sie wieder von der "Drogbamania".

Drogba hat die teilweise etwas kindischen Wortspiele ("Drogbadaboum") selbst befeuert, als er sich bei EA Guingamp, seinem ersten Proficlub in Frankreich, "Drogbiche" auf die Laschen seiner Fußballschuhe malte, wobei "biche" für Schätzchen steht. Noch vor drei Jahren spielte der mittlerweile 28-Jährige bei dem Provinzclub in der Bretagne, eine Art SC Freiburg Frankreichs, ehe er über die Zwischenstation Olympique Marseille nach England wechselte. Drogbas Leistungsexplosion dient als Vorbild für die jüngeren Spieler, die sich seit dem Afrika-Cup enorm weiterentwickelt haben.

WM-Teilnahme trotz Übergewicht

Im Testspiel gegen die Schweiz (1:1) spielte sich auf der linken Abwehrseite der 23-jährige Arthur Boka mit Tempodribblings und präzisen Flanken in den Vordergrund. Diese rasante Entwicklung selbst unbekanntere Spieler ist für andere Nationen schwer einzuschätzen. Doch wird das reichen, um in der Gruppe C bestehen zu können? Henri Michel erinnert an Senegal, das vor vier Jahren sensationell das Viertelfinale erreichte. "Frankreich verlor gegen Senegal, daraus entwickelte sich eine eigene Dynamik."

Streitigkeiten innerhalb des Teams scheint es nicht zu geben – im Gegenteil, wie die Geschichte des Angreifers Aruna Dindane vom RC Lens zeigt. Während des Afrika-Cups im Januar starb seine fünf Monate alte Tochter Raissa, Dindane flog auf der Stelle zu seiner Frau nach Frankreich. Nach der Trauerfeier kehrte er zu seiner Mannschaft nach Kairo zurück, wo ihm die Mitspieler Trost spendeten. Diese traurige Geschichte scheint das Team noch enger zusammengebracht zu haben, wie sich bei der Nominierung des WM-Kaders der Ivorer zeigte.

Der mit Übergewicht ins Trainingslager in Frankreich angereiste Dindane wäre nicht nach Deutschland gefahren, wenn sich nicht das gesamte Team für ihn stark gemacht hätte. Ohne ihn, sagten die Spieler zu Henri Michel, können wir nicht zur WM fahren, er gehört zur Mannschaft. Und diese Mannschaft kann während des Turniers weit kommen, wenn gegen Argentinien eine Überraschung gelingt.