Elfmeterkrimi England scheitert an Portugal
Gelsenkirchen - Nach einer Nullnummer über 120 Minuten hielt der 30-jährige Ricardo von Sporting Lissabon im Elfmeterschießen als erster Schlussmann überhaupt drei Versuche. Den entscheidenden Treffer zum 3:1 erzielte schließlich Cristiano Ronaldo. Die Portugiesen treffen nun am kommenden Mittwoch (21 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) auf Frankreich.
Zuvor hatten die Iberer im Viertelfinale in Gelsenkirchen eine einstündige Überzahl nicht nutzen können: Stürmerstar Wayne Rooney war in der 62. Minute nach einer Tätlichkeit an Ricardo Carvalho mit Rot vom Platz geflogen. Damit ist die Amtszeit von Sven-Göran Eriksson ab sofort beendet und England einmal mehr an seinem Angstgegner gescheitert. Bereits bei der EM 2004 hatten die Engländer im Viertelfinale gegen Gastgeber Portugal verloren.
Der portugiesische Trainer Luiz Felipe Scolari schaffte sogar seinen dritten großen Sieg gegen die Engländer und deren Teammanager Eriksson. Bei der WM 2002 hatte er das Fußball-Mutterland mit Brasilien im Viertelfinale mit 2:1 ausgeschaltet, zwei Jahre später folgte der Sieg im Elfmeterschießen in Lissabon. England hat nun auch sein fünftes Elfmeterschießen bei einer WM oder EM verloren.
Portugals größte Siegchance in der regulären Spielzeit vereitelte Englands Torhüter Paul Robinson, der einen Schuss des kurz danach ausgewechselten Luis Figo mit einer Glanzparade abwehrte (79.). Auch in der Verlängerung, als sie das Tor der Engländer geradezu belagerte, spielte sich Scolaris Mannschaft keine zwingenden Torchancen heraus. Ein Kopfballtreffer von Helder Postiga wurde zu recht wegen Abseits nicht anerkannt (108.). In der ausverkauften WM-Arena zu Gelsenkirchen entwickelte sich von Beginn an ein von viel Taktik und gegenseitigem Respekt geprägtes Spiel, das den 52.000 Zuschauern kaum Höhepunkte bot. Bei Temperaturen von über 30 Grad unter dem geschlossenen Arena-Dach taten sich die Spieler bei jedem Antritt sichtlich schwer. Tempo-Fußball war kaum zu sehen.
Nach einer noch ansehnlichen Anfangsphase waren die Engländer das aktivere Team, doch Portugal vergab in der 13. Minute die größte Chance. Nach einem Freistoß von Kapitän Luis Figo legte Gary Neville unfreiwillig auf Tiago ab, doch der Spielmacher des französischen Meisters Olympique Lyon verstolperte freistehend vor Torwart Paul Robinson. Danach verflachte die ohnehin schwache Begegnung noch weiter, von zahlreichen kleinen Konzentrationsfehlern in beiden Deckungsreihen konnte niemand profitieren.
England - Portugal 1:3 nach Elfmeterschießen
Elfmeterschießen:
0:1 Simao
Ricardo hält gegen Lampard
Viana schießt an den Pfosten
1:1 Hargreaves
Petit schießt vorbei
Ricardo hält gegen Gerrard
1:2 Postiga
Ricardo hält gegen Garragher
1:3 Ronaldo
England: 1 Robinson - 2 Neville, 5 Ferdinand, 6 Terry, 3 Ashley Cole - 7 Beckham (52. Lennon, 118. Garragher), 8 Lampard, 16 Hargreaves, 4 Gerrard, 11 Joe Cole (65. Crouch) - 9 Rooney
Portugal: 1 Ricardo - 13 Miguel, 16 Ricardo Carvalho, 5 Fernando Meira, 14 Nuno Valente - 8 Petit, 18 Maniche - 7 Figo (86. Postiga), 19 Tiago (75. Viana), 17 Cristiano Ronaldo - 9 Pauleta (64. Simao)
Schiedsrichter: Elizondo (Argentinien)
Gelbe Karten: Terry, Hargreaves / Petit, Carvalho
Rote Karte: Rooney wegen einer Tätlichkeit (62.)
pav/sid