EM 2000 300.000 Mark für den Titel
Kaiserslautern - Leistung soll belohnt werden: Je weiter die deutsche Nationalmannschaft bei der EM in Belgien und den Niederlanden (10. Juni bis 2. Juli) kommt, umso mehr Geld fließt auf das Konto des DFB. Sollte die Mannschaft von Teamchef Erich Ribbeck sogar den Titel erfolgreich verteidigen, würde der DFB zehn Millionen Mark verdienen. "Ausgaben von dann 7,5 Millionen Mark stünden in diesem Fall festgeschriebene Einnahmen durch die Uefa in Höhe von 14 Millionen Schweizer Franken gegenüber", erklärt der zuständige DFB-Direktor Bernd Pfaff.
Sollte die deutsche Elf schon in der Vorrunde scheitern - "woran ich gar nicht denken will" (Pfaff) - blieben als Tabellenletzter gerade mal 1,3 Millionen, als Dritter 1,5 Millionen Schweizer Franken auf der Einnahmeseite. Die Kosten würden sich in diesem Fall auf 3,5 Millionen Mark belaufen.
Erst wenn die deutschen Vorzeigeprofis die Vorrunde überstehen, werden auch Prämien fällig, bei einem frühzeitigen K.o. gingen Bierhoff und Co. leer aus. "Die Spieler haben nicht groß gefeilscht. Es ist im Prinzip dieselbe Regelung getroffen worden wie zuletzt bei der WM 1998 und der EM 1996", berichtet Pfaff von den Verhandlungen zwischen DFB-Präsident Egidius Braun, Kapitän Oliver Bierhoff und Rekordnationalspieler Lothar Matthäus.
Bei einem erneuten EM-Triumph bekämen die Akteure pro Mann 150.000 Mark. Hinzu soll noch einmal die gleiche Summe pro Kopf durch die Einnahmen der DFB-Wirtschaftsdienste aus dem Sponsorenpool kommen. Der Einzug ins Viertelfinale würde mit 65.000, der ins Halbfinale mit 100.000 und der ins Endspiel mit 120.000 Mark honoriert.
Zum Vergleich: Die Bayern-Profis haben für das Erreichen des Viertelfinales in der Champions League jeweils schon 400.000 Mark sicher, bei einem Sieg in der Königsklasse wäre jeder Bayern-Profi sogar um 750.000 Mark reicher. Allerdings haben die Bayern auch schon 60 Millionen Mark im diesjährigen Europacup eingenommen. Bei einem CL-Triumph kämen weitere zwölf Millionen Prämie von der Europäischen Fußball-Union (Uefa) hinzu. Trotz dieser Kluft rückt Pfaff die Dinge zurecht: "Auch wenn sich die EM-Prämie im Vergleich zu anderen in diesem Geschäft gering anhört. Es ist und bleibt eine Menge Geld, die manch normaler Arbeiter oder Angestellte gerne mal in einem Jahr hätte." Die Spieler würden das zum Glück genauso sehen.
Die Kosten, die der DFB für das EM-Turnier zu tragen hat, setzen sich aus Hotelrechnungen, Honoraren und Fixkosten für die medizinische Abteilung, Versicherungsprämie, Abstellungsgebühr für die Bundesliga-Klubs (6000 Mark pro Spieler pro Match) sowie eventuellen Prämien zusammen. Die Kosten für das Trainingslager auf Mallorca (27. Mai bis 2. Juni) sind jeweils in die von Pfaff erstellten Eckdaten, die am Freitag auf der Präsidiumssitzung des DFB noch abgesegnet werden müssen, enthalten.
Alleine die Versicherungsprämie für die 22 EM-Fahrer beläuft sich auf 500.000 Mark. "Wir müssen unsere Profis gegen Verletzung, Krankheit und Dienstausfall versichern", erklärt Pfaff. Bei der Euro 1996 in England erlitt der Dortmunder Steffen Freund einen Kreuzbandriss und fiel ein halbes Jahr aus. Auch die optimale Betreuung der Medien lässt sich der DFB was kosten. Pfaff: "Allein das Pressezelt in unserem EM-Quartier in Vaals kostet uns 150.000 Mark. Genauso viel mussten wir für das Pressezentrum bei der WM 1998 in Nizza aufbringen." Die medizinische Abteilung (drei Ärzte und vier Physiotherapeuten) verschlingt circa 300.000 Mark, wobei die Honorare vom Dauer des Einsatzes abhängen.