EM 2012: England träumt bereits vom Finale - DER SPIEGEL
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EM-Viertelfinalist England Der Traum von großen Taten

Kaum ist der Viertelfinal-Einzug von Englands Nationalmannschaft perfekt, träumt der britische Boulevard bereits von mehr. Doch das junge Team von Trainer Roy Hodgson konnte gegen die Ukraine trotz Rückkehrer Wayne Rooney nicht überzeugen.
Nationalspieler Terry, Rooney: Im Viertelfinale gegen Italien
Nationalspieler Terry, Rooney: Im Viertelfinale gegen Italien

Nationalspieler Terry, Rooney: Im Viertelfinale gegen Italien

Foto: PATRICK HERTZOG/ AFP
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Hamburg - Wenn es um Fußball geht, sind die Zeilen englischer Boulevardzeitungen mit Vorsicht zu genießen. Und wenn es in ihnen um die englische Nationalmannschaft geht, gerät manche Zeile gar außer Kontrolle. Am Mittwoch, einen Tag nach dem 1:0 (0:0)-Sieg gegen die Ukraine, war es mal wieder so weit. "Wer würde jetzt noch gegen England wetten?", schrieb die "Sun" über den Viertelfinal-Einzug der "Three Lions".

Die Antwort könnte lauten: viele. England hat mit dem Einzug in die Runde der besten acht Mannschaften Europas zwar erfolgreich der Außenseiterrolle getrotzt - überzeugend war der Auftritt gegen die Ukraine jedoch nicht. Die Rolle der Turnierfavoriten füllen nach wie vor andere aus.

Nach zahlreichen Verletzungsausfällen war das englische Team in diese EM mit so niedrigen Erwartungen wie lange nicht mehr gestartet. Doch inzwischen ist der Glaube an das Team offenbar zurück. "Wir wollen dieses Turnier so lange wie möglich genießen und so gut wie möglich spielen - wer weiß, wie weit uns das bringen kann?", sagte Trainer Roy Hodgson, der nach dem fünften Spiel seit seinem Amtsantritt weiter ohne Niederlage ist.

In Donezk hatte seine Elf aber vor allem Glück. Nach dem nicht gegebenen Treffer durch Marko Devic (62. Minute) verteidigte England den knappen Vorsprung und feierte anschließend vor allem Rückkehrer und Siegtorschütze Wayne Rooney (48.).

"So gut habe ich mich noch nie nach einem Tor für England gefühlt", sagte der Stürmer von Manchester United. "Ich habe lange Zeit nicht mehr in einem Turnier getroffen, und es gab so viel Gerede über mein Comeback für dieses Spiel." Vor acht Jahren war Rooney, der die ersten beiden EM-Partien gesperrt verpasst hatte, sein bislang letzter Treffer im Nationaltrikot bei einer EM oder WM gelungen.

"Genauso schwer wie gegen Spanien"

Das nicht gegebene Tor für die Ukraine konnte die Freude über den Viertelfinal-Einzug nicht schmälern. "Jeder sagt, dass der Ball hinter der Linie war", sagte Rooney, "aber es war an der Zeit, dass wir auch einmal ein bisschen Glück haben." Nachdem Frank Lampard im WM-Achtelfinale gegen Deutschland vor zwei Jahren ein klarer Treffer zum 2:2 versagt geblieben war, profitierte England nun von einer Fehlentscheidung des Schiedsrichter-Teams.

Dank des Gruppensieges bleibt England das Duell mit Titelverteidiger Spanien erspart, stattdessen steht am Sonntag in Kiew das Duell mit Italien an. "Das wird genauso schwer wie Spanien, das ist die K.o.-Phase", sagte Innenverteidiger Joleon Lescott zwar. Doch zumindest Medien wie die BBC gönnten dem englischen Team bereits einen kleinen Blick nach vorn: "Sie können es sich erlauben, ein bisschen mehr zu träumen."

Rooneys Kopfballtreffer macht Mut. "Er wird mit jedem Spiel stärker, bekommt mehr Selbstvertrauen. Er ist so wichtig für uns", sagte Mannschaftskollege Steven Gerrard. Rooney habe Charakter gezeigt, sagte Coach Hodgson: "Wir kennen seine Qualitäten. Diese 80 Minuten heute werden ihm erlauben, das nächste Spiel mit noch mehr Zuversicht anzugehen."

Das nächste Spiel ist das gegen Italien. Gewinnt England auch diese Partie, könnte im Halbfinale die deutsche Nationalmannschaft warten.

England - Ukraine 1:0 (0:0)
1:0 Rooney (48.)
England: Hart - Johnson, Terry, Lescott, Cole - Milner (ab 70. Walcott), Gerrard, Parker, Young - Rooney (ab 87. Oxlade-Chamberlain) - Welbeck (ab 82. Carroll)
Ukraine: Pjatow - Gusew, Chatscheridi, Rakizki, Selin - Timoschtschuk - Jarmolenko, Konopljanka - Garmasch (ab 78. Nasarenko) - Milewski (ab 77. Butko), Devic (ab 70. Schewtschenko)
Schiedsrichter: Kassai (Ungarn)
Zuschauer: 48.700 (in Donezk)
Gelbe Karten: Gerrard, Cole - Timoschtschuk (2), Rakizki, Schewtschenko

chp/dpa