EM 2012: Spanien feiert den Einzug ins Finale - DER SPIEGEL
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kicker.tv

Spaniens Finaleinzug Müde Meister im Glück

Spanien hat sich durch einen kräftezehrenden Sieg in der Elfmeter-Lotterie ins EM-Endspiel gezittert. Gegen aggressiv spielende Portugiesen konnte der Welt- und Europameister sein gefürchtetes Kurzpassspiel nicht aufziehen - und geriet zeitweise sogar an den Rand einer Niederlage.
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Die spanischen Spieler waren am Ende ihrer Kräfte. Neben den schmucklosen Betonwänden der Donbass-Arena in Donezk stellte sich Abwehrspieler Gerard Piqué sichtlich müde den Fragen der Journalisten. Von "einer großartigen Mentalität" berichtete er nach dem Halbfinal-Triumph im Elfmeterschießen gegen Portugal. Kapitän und Torwart Iker Casillas sprach von einer "besonders schwierigen Partie". Und Cesc Fàbregas, der Schütze des finalen Strafstoßes, redete zwar "von einem Wunder, dass wir wieder im Finale" sind; aber auch er schien sich nur noch nach seinem Bett zu sehnen.

Drei Tage Zeit haben die Spanier nun nach ihrem 4:2 (0:0, 0:0, 0:0)-Sieg nach Elfmeterschießen gegen die Portugiesen, um zu regenerieren. Drei Tage, bis sie am Sonntag (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) im Finale als erstes Team drei große Turniere nacheinander gewinnen können. "Wir wollen Geschichte schreiben", sagte Sergio Ramos: "Wenn wir das Finale nicht gewinnen, werden sich die Leute nicht an uns erinnern."

Doch dafür muss der Welt- und Europameister mehr tun als in der Nacht zu Donnerstag im östlichsten Zipfel der Ukraine, wo die überschaubare Zahl der spanischen Anhänger zwar tapfer ihr "Viva España" brüllte, aber doch keine überschäumende Begeisterung aufkommen wollte - dafür gab das Spiel der Spanier auch nur wenig Anlass. "Wir haben Glück gehabt", sagte der spanische Nationaltrainer Vicente del Bosque.

Spanien für den K.-o.-Entscheid besser präpariert

Auch der 61-Jährige schien unendlich erleichtert, dass es nach 120 torlosen Minuten im Lotteriespiel vom Elfmeterpunkt doch noch gut gegangen war. Portugals Nationaltrainer Paulo Bento wollte von einem glücklichen Weiterkommen des Nachbarn jedoch nichts hören: "Spanien hat die effektiveren Elfmeter geschossen."

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EM-Halbfinale: Glückliche Spanier, Pechvogel Alves

Foto: JUAN MEDINA/ REUTERS

Offenkundig war der große Nachbar für den K.-o.-Entscheid besser präpariert, denn die Portugiesen kamen bei ihrer eigentlich festgelegten Reihenfolge durcheinander: zum dritten Strafstoß standen plötzlich Alves und Nani am Punkt, "doch die Reihenfolge war abgemacht: Moutinho, Pepe, Nani, Alves, Ronaldo", so der verwunderte Bento. Der hünenhafte Alves schien verwirrt und ließ sich von Nani wieder zurück zur Mittellinie schicken - und scheiterte dann als vierter Schütze mit einem Vollspannschuss an der Latte.

Dagegen bewies Spaniens Verteidiger Ramos eine erstaunliche Lernfähigkeit in diesem Metier. Im Champions-League-Halbfinale gegen die Bayern hatte der Real-Madrid-Star noch über die Latte geschossen, nun kopierte er Andrea Pirlos lässigen Chip in die Tormitte, mit dem dieser den Viertelfinalsieg Italiens gegen England eingeleitet hatte. "Ich habe gesehen, dass Portugals Torwart sich immer in eine Ecke bewegt", sagte Ramos später. "Unser Trainer weiß, dass ich ein bisschen verrückt bin."

Müder Xavi wird vorzeitig ausgewechselt

Es war diese Mixtur aus Selbstbewusstsein und Selbstsicherheit, Draufgängertum und Dreistigkeit, mit der sich Spanien letztlich rettete. Bezeichnenderweise hatte der Welt- und Europameister ohne den nach 87 Minuten ausgewechselten Taktgeber Xavi Hernandez seine beste Phase. "Er war müde, ich wollte mehr Tempo ins Spiel bringen", sagte del Bosque zu der Maßnahme, mit den Hereinnahmen von Jesús Navas und Pedro Rodriguez endlich in der Verlängerung die lange vermisste Dominanz zu erringen.

Für Portugal um Superstar Cristiano Ronaldo ist der Titeltraum nun zu Ende. Der Angreifer hätte als finaler Schütze zum umjubelten Helden werden können, doch dazu kam es nicht mehr, Portugal war schon vorher ausgeschieden. Dabei hatte das taktisch und läuferisch enorm geschulte Bento-Team fast alles richtig gemacht.

Es schien bisweilen in der regulären Spielzeit so, als habe Portugal das System der "roten Furie" dechiffriert. Und hätte Ronaldo ein bisschen besser gezielt bei seinen insgesamt sechs Schussversuchen - vielleicht hätte Portugal den Widerstand des iberischen Nachbarn gebrochen. "Nach 90 Minuten hätten wir es verdient gehabt, ins Finale zu kommen", sagte Ronaldo. Sein Trainer Bento zog trotz des Ausscheidens ein positives Fazit: "Wir können stolz sein und erhobenen Hauptes in den Urlaub gehen."

Portugal - Spanien 2:4 (0:0, 0:0, 0:0) n.E.
Xabi Alonso verschießt
Moutinho verschießt
0:1 Iniesta
1:1 Pepe
1:2 Piqué
2:2 Nani
2:3 Sergio Ramos
Bruno Alves verschießt
2:4 Fàbregas
Portugal: Rui Patricio - João Pereira, Pepe, Bruno Alves, Fábio Coentrão - Veloso (106. Custodio) - Meireles (113. Varela), Moutinho - Nani, Cristiano Ronaldo - Hugo Almeida (81. N. Oliveira)
Spanien: Casillas - Arbeloa, Piqué, Sergio Ramos, Alba - Busquets - Xavi (87. Pedro), Xabi Alonso - Dav. Silva (60. Jesus Navas), Iniesta - Negredo (54. Fàbregas)
Schiedsrichter: Cakir (Türkei)
Zuschauer: 48.000
Gelbe Karten: João Pereira, Pepe, Bruno Alves, Fábio Coentrão, Veloso - Arbeloa, Sergio Ramos, Busquets, Xabi Alonso