Fußball-EM 2016 Einer flog übers Schwalbennest
Aron Gunnarsson kommt im ungarischen Strafraum zu Fall
Foto: Alex Livesey/ Getty ImagesDie Ausgangslage: Island gegen Ungarn: Was vor dem Turnier wie ein Kollateralschaden der EM-Erweiterung auf 24 Mannschaften klang, war nach den überraschenden Punktgewinnen der beiden Außenseiter am ersten Spieltag schon ein vorentscheidendes Spiel für den Achtelfinaleinzug.
Böse ungarische Fans: Beim ersten EM-Spiel im Stade Vélodrome hatten russische Hooligans einen englischen Block gestürmt. Erst Minuten später war die Polizei zur Stelle. Beim dritten Match im schönen Stadion von Marseille ging es schon vor dem Anpfiff zur Sache, als ungarische Fans über Zäune kletterten.
#Hun fans fight with stewards before #Isl game in Marseille https://t.co/Y5ZP6MTu8z #Euro2016 pic.twitter.com/HbTlHPM47W
— Guardian sport (@guardian_sport) June 18, 2016
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Offenbar wollten die Anhänger in einen anderen Block gelangen, für den sie keine Tickets hatten. Es kam zu Rangeleien mit Sicherheitskräften, Polizisten postierten sich vor der ungarischen Kurve. Während des Spiels blieb es zum Glück friedlicher, aber Hitlergrüße mancher ungarischer Anhänger sorgten dafür, dass die Sympathien der neutralen Zuschauer wohl nicht den Magyaren galten.
Euro 2016. Et maintenant, un salut nazi en tribunes... https://t.co/XlHHxz0JlU pic.twitter.com/tdv7RLDS5X
— Le Parisien (@le_Parisien) June 18, 2016
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Tolle ungarische Fans: Viele tausend ungarische Anhänger zogen vor dem Spiel durch die Straßen von Marseille zum Stadion und gaben ein eindrucksvolles Bild ab.
#ISLHUN #HUN
— Fut (@ActuFoot_Monde) June 18, 2016
Image impressionnante des rues marseillaises avec le cortège des supporters hongrois! pic.twitter.com/Ol3Vkm7BjW
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Und auch im Stadion selbst war die Stimmung herausragend. Die ungarischen Fans feuerten ihre Mannschaft so lautstark an, dass selbst die sonst hier heimischen Ultras von Olympique Marseille neidisch werden konnten. Von der Atmosphäre her war es definitiv kein Spiel, auf das man bei einer EM hätte verzichten können. Vielleicht hat die Erweiterung des Teilnehmerfelds doch was für sich. Von der Atmosphäre her.
Die Startaufstellungen:
Island: Halldórsson - Saevarsson, Arnason, Ragnar Sigurdsson, Skúlason - Gudmundsson, Gunnarsson, Gylfi Sigurdsson, Bjarnason - Sigthorsson, Bödvarsson.
Ungarn: Kiraly - Lang, Juhász, Guzmics, Kádár - Kleinheisler, Gera, Nagy - Dzsudzsák, Priskin, Stieber.
Das Ergebnis: 1:1 (1:0). Hier geht es zum Spielbericht.
Die erste Hälfte: Oft hat Ungarn nicht das Vergnügen, den Ballbesitz bei einem Fußballspiel zu dominieren. Das letzte Mal, dass das Team von Bernd Storck in einem Pflichtspiel mehr Ballkontakte als der Gegner hatte, war im Qualifikations-Heimspiel gegen die Färoer-Inseln - vor fast neun Monaten. Gegen Island war es wieder soweit. Und die Ungarn konnten nicht viel mit dem Ball anfangen. Denn die besseren Chancen hatte Island, zum Beispiel in der 31. Minute, als Johann Berg Gudmundsson Tamas Kádár ganz schlecht aussehen ließ und frei vor Keeper Gabor Kiraly zum Schuss kam - der Routinier parierte aber stark mit dem Fuß. Und dann war da noch die 38. Minute (siehe unten).
Island vs. Ungarn: Islands bitteres Last-Minute-Eigentor
Der isländische Ronaldo: Nach dem Spiel gegen Portugal wollte Islands Kapitän Aron Gunnarsson mit Cristiano Ronaldo die Trikots tauschen. Der Weltstar lehnte ab. Das heißt aber nicht, dass Gunnarsson sich nichts vom Portugiesen abgeschaut hätte. Kurz vor der Pause holte Gunnarsson einen Foulelfmeter gegen Kádár heraus, indem er einfach in den Abwehrspieler hineinlief. Hätten Arjen Robben oder Ronaldo selbst so abgehoben wie hier der Mann von Cardiff City - die Reaktion in den sozialen Netzwerken hätte das Internet in die Knie gezwungen. So aber verwandelte Gylfi Sigurdsson den Foulelfmeter zum 1:0, und alles sprach von der historischen Chance für Island.
Was für ein Shitstorm, wenn Ronaldo so einen Elfer rausgeholt hätte ... aber er ist nun mal kein Isländer.
— Oliver Fritsch (@OliFritsch) June 18, 2016
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Die zweite Hälfte: Über weite Strecken wie die Erste. Ungarn hatte den Ball, Island stand nun noch tiefer und wollte die knappe Führung über die Zeit bringen. Das hätte fast geklappt. Tatsächlich konnte kein Ungar Hannes Thór Halldórsson überwinden. Dafür aber Birkir Saevarsson. Der isländische Verteidiger grätschte eine Hereingabe des eingewechselten Nemanja Nikolic ins eigene Tor. Tragisch, aber verdient. Doch die Partie war noch nicht zu Ende. In der Nachspielzeit wurde Alfred Finnbogason von Adám Lang unmittelbar vor der Strafraumgrenze zu Boden gerissen. Der Augsburger fiel in den Sechzehner, sodass viele einen Elfmeter erwarteten. Es gab aber nur Freistoß, den Sigurdsson in die Mauer setzte.
Der Sieger der Herzen: Einmal mehr flogen Island die Sympathien Europas zu. Das ist zwar fragwürdig, wenn man solche Elfmeter herausholt und einen Fußball spielt wie Darmstadts Reservemannschaft. Aber im Vergleich zu randalierenden Neonazis sind das verzeihbare Sünden. Der Traum vom Achtelfinale lebt.