Randale beim Spiel England-Russland: Massenschlägerei in Marseille
Fan-Krawalle Uefa leitet Verfahren gegen russischen Verband ein
Die Uefa hat ein Verfahren gegen den Russischen Fußball-Verband (RFS) eröffnet. Dabei geht es um die schweren Ausschreitungen rund um das EM-Vorrundenspiel zwischen England und Russland. Am Dienstag wird die Disziplinarkommission der Uefa ein Urteil verkünden, Russland wurde zu einer schriftlichen Stellungnahme aufgefordert und muss mit einer Strafe rechnen. Gegen den englischen Verband ergriff die Uefa vorerst keine Maßnahmen.
Tagelang war es bereits im Zentrum des Spielorts Marseille zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Franzosen, Engländern, Russen und der Polizei gekommen. Die Sicherheitsbehörden wirkten maßlos überfordert. Unmittelbar nach dem Abpfiff der Partie ging es dann auch im Stadion weiter: Russische Anhänger stürmten einen benachbarten Zuschauerblock und attackierten englische Fans. Auch hier schritt die Polizei zu spät ein.
Bei den Krawallen hat es insgesamt 35 Verletzte gegeben, eine Person befindet sich weiter in Lebensgefahr. Die Uefa verurteilte die Vorfälle: "Dieses Verhalten ist nicht zu akzeptieren und hat keinen Platz im Fußball", hieß es in dem Statement. Auch die Fifa äußerte sich: Sie nannte die Randalierer "idiotische Krawallmacher, die nichts mit dem Fußball und wirklichen Fans zu tun haben". Mittlerweile hat sich die Lage in der Stadt an der Côte d'Azur vorerst beruhigt.
Der russische Sportminister und Vorsitzender des Fußballverbands Witali Mutko bemängelte zwar die schlechte Organisation, nannte das Einleiten eines Verfahrens aber auch eine "richtige Entscheidung". In einem Interview mit der russischen Nachrichtenagentur R-Sport sagte er: "Die Fans haben toll angefeuert, aber es gibt auch Menschen, die nicht für den Fußball kommen."
Der EM-Veranstalter ermittelt gegen Russland auch wegen angeblich rassistischen Verhaltens und des Zündens von Feuerwerkskörpern. Die Uefa-Regularien sehen Maßnahmen von einer Ermahnung bis zum Turnierausschluss der Teams vor, deren Fans an den Ausschreitungen beteiligt waren. In früheren Fällen hatte die Uefa Geldstrafen für Erstfälle verhängt. Russische Fans waren bereits bei der EM 2012 in Polen mehrfach negativ aufgefallen.