EM-Aus: Österreich kriegt den Koller - DER SPIEGEL
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Nach dem EM-Aus Österreich kriegt den Koller

Nach dem EM-Aus muss sich Österreichs Trainer Marcel Koller empörter Kritik stellen. In den Vorwürfen schwingen alte Enttäuschungen und Rachegelüste mit.
Marcel Koller
Marcel Koller

Marcel Koller

Foto: JOHN SIBLEY/ REUTERS
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David Alaba stand auf verlorenem Posten.

Der Versuch, die 1:2-Niederlage gegen die Publikumslieblinge aus Island irgendwie ins Große und Ganze einzuordnen, war von vornherein zum Scheitern verurteilt. "Das ist nicht das Ende unserer Geschichte, das Buch ist noch nicht zu Ende", sagte der Bayern-Spieler in der Interviewzone des Stade de France.

"Das ist ein Kapitel, das bitter ist, uns aber stärker macht." Doch das waren nun wirklich nicht die Töne, die die österreichischen Journalisten hören wollten. Für sie ging es nach dem EM-Ausscheiden nicht um irgendwelche Kapitel. Für sie war das ganze Buch Mist. "EM-Traum vorbei! 1:2 gegen Island!", titelte folgerichtig die "Kronen Zeitung". Und auch die Fragen der österreichischen Kollegen klangen, als wäre das Ausscheiden Österreichs so sensationell wie eine Niederlage Brasiliens gegen San Marino.

Auch ÖFB-Trainer Marcel Koller wurden kritische, zum Teil fast schon empörte Fragen gestellt, die alle den gleichen Tenor hatten: Wie um alles in der Welt kann eine Mannschaft wie Österreich bei einer EM hinter Ungarn und Island landen? Mit einem Punkt aus drei Spielen? Und überhaupt, ob er das alles nicht "als persönliches Scheitern" sehe?

Koller beantwortete alle Fragen höflich, sachlich und ein wenig gemächlich, wie man das von ihm kennt. Und konnte es sich dann doch nicht verkneifen, irgendwann festzustellen, dass die "Erwartungshaltung" bei einigen "doch sehr hoch" gewesen sei.

Koller gibt zurück

Er selbst sei im Übrigen nicht gescheitert, sondern habe wertvolle Erkenntnisse aus dem Ausscheiden gezogen. Zum Beispiel die, wie "wichtig die Fitness in so einem Turnier" sei - ein kleiner Fingerzeig in Richtung von Spielern wie Fuchs, Arnautovic und Janko, denen erkennbar die Spritzigkeit fehlte. Im Übrigen sei es auch immer "wichtig, sich über den Gegner zu informieren". Eine Binsenweisheit? Eher der Hinweis an die Journalisten, bei der Bewertung der Gruppe nicht nach den Namen, sondern nach der tatsächlichen Qualität der Mannschaften zu gehen.

Dabei liegt die Wahrheit wohl in der Mitte: Österreich ist fraglos einer der Underperformer dieser EM, besonders das erste Spiel gegen Ungarn war einfach nur schwach. Doch gegen Portugal erkämpften sie sich dank einer engagierten Mannschaftsleistung einen verdienten Punkt, und gegen die Isländer war Österreich die gesamte zweite Halbzeit über das bessere Team, das zudem noch einen denkbar klaren Elfmeter verweigert bekam (49. Minute). Und: gegen die 1-10-0-0-Taktik der Isländer im zweiten Durchgang hätten es auch spielerisch bessere Mannschaften schwer gehabt, ein Tor zu schießen.

Und doch legten die österreichischen Journalisten ihre Finger in ein paar Wunden. Dass Koller mit einer Dreierkette beginnen und damit eine Halbzeit lang ein System spielen ließ, das bislang nur in einem unwichtigen Testspiel erprobt worden war, blieb genauso merkwürdig wie die Tatsache, dass Alaba als Zehner eingesetzt wurde. Als Spieler, der das Geschehen vor sich braucht, fiel er damit aus.

"Das sind Punkte, über die ich mich gestern auch geärgert habe", sagt der österreichische Journalist Jens Huiber vom "Sportradio 360". Klar sei aber auch, dass Marcel Koller in Österreich von vornherein einen schweren Stand gehabt habe. "Bei vielen ganz einfach, weil er kein Österreicher ist", so Huiber. Schließlich gebe es in der Alpenrepublik einige gut vernetzte Ex-Nationalspieler, die sich den Job schon lange zutrauen. Durch die erfolgreiche EM-Qualifikation habe Koller kurzfristig eine Verschnaufpause bekommen.

Nun, nach dem Ausscheiden, würden wohl wieder alte Rechnungen aufgemacht werden: "Da drehen viele seit viereinhalb Jahren an einem Strick, der jetzt fertig ist."

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Foto: DARREN STAPLES/ REUTERS