EM-Qualifikation: Ballacks schwere Last - DER SPIEGEL
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EM-Qualifikation Ballacks schwere Last

Gewinnt das deutsche Fußball-Nationalteam am Mittwoch auch nicht auf den Färöern, drohen in der EM-Qualifikationsgruppe 5 die Außenseiter Schottland, Island und Litauen am Vizeweltmeister vorbeizuziehen. Obwohl er noch immer angeschlagen ist, liegt die Verantwortung wieder fast ausschließlich auf den Schultern Michael Ballacks.
Von Till Schwertfeger
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Glasgow - Der Taxifahrer an der Glasgower Central Station lachte verächtlich. "Ihr fürchtet die Färöer? Ihr ward doch im WM-Endspiel!", entgegnete der schottische Chauffeur seinen Fahrgästen aus Deutschland, die respektvoll vom nächsten Gegner ihres Nationalteams am Mittwoch gesprochen hatten.

Noch keine zwölf Monate ist es her, dass die DFB-Auswahl aus Japan und Südkorea als Vizeweltmeister zurückkehrte, doch dass die deutsche Nationalmannschaft im globalen Vergleich die zweitbeste Elf stellt, sagen schon lange nur noch die, die damit angeben wollen, gegen die Schützlinge von Teamchef Völler ein gutes Resultat erzielt zu haben. So wie Litauen, Bulgarien, Bosnien-Herzegowina oder jetzt die Schotten, die das 1:1 im Glasgower Hampden Park wie einen Sieg feierten und dafür sogar ihren ungeliebten Teammanager Berti Vogts hoch leben ließen.

"Ich habe nach der Vizeweltmeisterschaft gewarnt, dass das Jahr darauf nicht leicht wird", sagte Völler im ländlich gelegenen deutschen Mannschaftsquartier in East Kilbride, wo sich die DFB-Auswahl noch bis Dienstag auf die EM-Qualifikationspartie in Torshavn gegen die Färöer vorbereitet. Spätestens seit dem Hinspiel, das die Völler-Elf im September des vergangenen Jahres gegen den Fußball-Winzling nur glücklich mit 2:1 gewann, ist die Euphorie um "Rudi Riese" und das deutsche Nationalteam verflogen, das beim WM-Turnier durch Siege gegen Saudi-Arabien, Kamerun, Paraguay, USA und Südkorea das Endspiel erreicht hatte - nicht weniger, aber eben auch nicht mehr.

"Die Schotten waren eine der schwächsten Mannschaften, gegen die wir in letzter Zeit gespielt haben", urteilte Michael Ballack über den Gegner vom Samstag, den die Deutschen dennoch nicht zu besiegen vermochten. Der 26-Jährige stieg während der WM in Fernost zum Führungsspieler auf, mittlerweile hängt der Erfolg und Misserfolg der Mannschaft maßgeblich von ihm ab. "Gegen Schottland haben wir unsere spielerischen Qualitäten zu wenig gezeigt", erklärte Völler, "das lag daran, dass Michael Ballack nicht seinen besten Tag hatte."

Durch eine Muskelverhärtung in der Wade gehandicapt, bot Ballack eine wirklich unterdurchschnittliche Leistung, ausgewechselt wurde er dennoch nicht. Stattdessen brachte Völler in der Schlussphase den defensiven Sebastian Kehl für Bernd Schneider ins Spiel, um Ballacks Angriffsbemühungen nach hinten abzusichern. Schneider, dem kurz zuvor per Freistoß fast das Siegtor gelungen wäre, beschwerte sich nicht über den überraschenden Tausch: "Michael flößt jedem Gegner Respekt ein."

Im Alleingang jedoch kann Ballack, zumal wenn er körperlich nicht topfit ist, die sich im Umbruch befindende deutsche Mannschaft, in die der Teamchef "peu á peu jüngere Spieler integriert", nicht zum Erfolg führen. "Auch andere müssen sich in die Pflicht nehmen und selbst Verantwortung übernehmen", verlangt der heimliche Mannschaftsführer von seinen Teamkollegen im Hinblick auf die Partie in Torshavn.

Doch allzu große Unterstützung kann Ballack nicht erwarten. Der offizielle Kapitän Oliver Kahn ist auf Grund seiner Torwartrolle, seines Naturells und Lebenswandels mehr denn je Solist als Teamplayer, Leverkusens Abwehrchef Jens Nowotny und Liverpools Mittelfeldspieler Didi Hamann fehlen aus Verletzungsgründen, gestandene Profis wie Christian Wörns, Jens Jeremies oder Bernd Schneider sind zu zurückhaltend.

Der forsche Dortmunder Torsten Frings ist gegen die Färöer nach der Gelben Karte in Schottland gesperrt und trat mit der ausdrücklichen Erlaubnis Völlers bereits die Heimreise an. "Torsten ist ein lustiger Junge. Es ist besser, dass er weggefahren ist", deutete der Teamchef mit einem Augenzwinkern an, dass ein vogelfreier Frings für die Konzentrations- und Motivationsphase der Mannschaft vor dem wichtigen Qualifikationsspiel nicht gerade förderlich sei.

Bleiben von den erfahrenen Akteuren Carsten Ramelow und Fredi Bobic. Während der Leverkusener Ersatz-Kapitän, offenbar gestählt aus dem Bundesliga-Abstiegskampf, gegen Schottland seinen Mannschaftskollegen bei jedem Handgemenge mit den furiosen "Bravehearts" wie ein Schupo zu Hilfe eilte und so sein Verantwortungsgefühl bewies, rackerte Torschütze Bobic für zwei und feuerte seine Mitspieler immer wieder engagiert an. "Fredi hat einen Lauf", schwärmte Völler über die Leistung des Neuzugangs von Hertha BSC.

Schon gegen die harmlosen Schotten reichte das aber nur zu einem Unentschieden. Die "unheimlich robusten" Färöer schätzt Michael Ballack stärker ein, zumal er die "äußeren Umstände" auf den Schafsinseln für "noch schwieriger" hält als in Glasgow, wo die Deutschen aus früheren Begegnungen wussten, was sie erwartet. Hoffnung allerdings verbreitet die medizinische Abteilung der Nationalmannschaft: Durch dosiertes Training soll es Ballacks verhärteter Wade bis Mittwochabend besser gehen.

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