EM-Qualifikation England und Spanien unter Druck, Rehhagel in der Pflicht
Hamburg - Die deutsche Nationalmannschaft will in der Partie bei den punktgleichen Tschechen (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) beweisen, dass sie zurück in der Weltspitze ist. Der Bundestrainer bleibt trotzdem gelassen: "Ich verspüre keinen besonderen Druck, auch wenn natürlich ein ungewöhnliches Kribbeln da ist. Aber das sind Festtage im Fußball, auf die man sich immer besonders freut", sagte Joachim Löw.
Dass die deutsche Mannschaft auswärts lange keinen starken Gegner mehr schlagen konnte, spielt für Löw keine Rolle. "Wir haben zuletzt auswärts gut gespielt, nicht zuletzt beim 4:1 in der Slowakei, wo wir ein Jahr zuvor noch eine böse Überraschung erlebt hatten", sagte der Bundestrainer, in dessen Startformation wohl sieben Akteure stehen werden, die bei der EM-Vorrundenniederlage 2004 in Portugal gegen eine tschechische B-Elf (1:2) auf dem Platz gestanden haben. " Das interessiert doch keinen mehr. Wir haben heute eine ganz andere Mannschaft auf dem Platz", so Löw. Wie in der vergangenen Tagen absolvierten auch die angeschlagenen Christoph Metzelder und Torsten Frings das volle Programm und sind damit einsatzfähig.
Während Löw das Spiel in Tschechien gelassen angehen kann, steht Englands Teammanager Steve McClaren vor dem Duell der Gruppe E gegen das punktgleiche Israel in Tel Aviv unter Druck. Der mit dem Negativ-Startrekord aller Trainer der "Three Lions" ausgestattete McClaren (drei Siege, zwei Remis, zwei Niederlagen) darf sich zumindest der Rückendeckung seiner Profis sicher sein. "Steve hat die Unterstützung aller Spieler", sagte Mittelfeldstratege Jermaine Jenas. McClaren, mit dessen Rücktritt oder Ablösung im Falle einer Niederlage gerechnet wird, flüchtete sich indes in Durchhalteparolen: "Die WM 2006 verlief mit dem Viertelfinal-Aus enttäuschend. Seitdem hatten wir ebenso enttäuschende Spiele. Aber ich weiß, dass großes Potenzial in dieser Mannschaft steckt." Hoffnungsträger in Israel ist Stürmer Wayne Rooney, der die Angriffs-Flaute der Engländer beheben soll.
Brisant ist die Lage vor dem Doppelspieltag - am kommenden Mittwoch finden weitere 20 Qualifikations-Begegnungen statt -auch für Luis Aragones. Mit Blick auf das Heimspiel seiner Spanier in Madrid gegen das noch unbesiegte Dänemark rechnet der 68-Jährige sogar schon mit seinem Rauswurf. "Es wäre ein Desaster, wenn wir verlieren. Dann hätte ich vollstes Verständnis, wenn sich der Verband nach einem Ersatz für mich umschaut", sagte Aragones angesichts der ernüchternden Bilanz von nur drei Punkten in den bisherigen drei Spielen in der Gruppe F und bittet gleichzeitig um Nachsicht: "Wir haben derzeit nun mal keine Weltklasse-Auswahl."
Ein Sieg ist fast schon Pflicht, um die Chance auf die EM-Qualifikation zu wahren. Nur bei der EM 1992 hatten die Iberer in den vergangenen 30 Jahren die Teilnahme an einem großen Turnier verpasst. Die Vorzeichen sind nach den vorangegangenen Niederlagen gegen Nordirland und Schweden allerdings ungünstig: In Carlos Puyol und Sergio Ramos fehlen wegen Sperren gleich zwei Verteidiger, zudem sorgte die neuerliche Nicht-Nominierung des ehemaligen Kapitäns Raúl für Unruhe. "Wir durchschreiten momentan ein tiefes Tal und müssen um jeden Preis gewinnen", so Aragones.
Griechenlands Trainer Otto Rehhagel kann mit seinem Team fast drei Jahre nach dem EM-Triumph in Portugal einen weiteren Meilenstein setzen. Im Duell mit den punktgleichen Türken soll am Tag vor dem Nationalfeiertag der vierte Sieg im vierten Spiel der Qualifikation gelingen. "Wir müssen unseren Fans einfach eine zusätzliche Freude machen", sagte der 68-Jährige, der wahrscheinlich Theofanis Gekas vom VfL Bochum für die Startelf nominieren wird.
Während Weltmeister Italien heute spielfrei ist, wollen Frankreich (in Litauen), die Niederlande (gegen Rumänien), Kroatien (gegen Mazedonien) sowie Schottland gegen die von Klaus Toppmöller trainierten Georgier ihren bislang erfolgreichen Weg in Richtung Europameisterschaft fortsetzen. Unter Druck steht neben England und Spanien auch der letzte EM-Gastgeber Portugal gegen Belgien. Die Portugiesen rangieren in der Gruppe A hinter Finnland, Serbien und Polen nur auf Platz vier.
Van Basten mit der Qual der Wahl
Bondscoach Marco van Basten hat bei den Niederlanden vor dem Treffen der Favoriten der Gruppe G gegen Rumänien in Rotterdam personell die Qual der Wahl. Um die Rolle als "Oranje"-Regisseur streiten sich beim Tabellenführer der Hamburger Rafael van der Vaart, Clarence Seedorf vom AC Mailand und Wesley Sneijder von Ajax Amsterdam.
Großen Respekt genießt indes der frühere Bundesliga-Coach Klaus Toppmöller bei der Konkurrenz. "Seitdem er Georgien trainiert, haben sie sich in technischer Hinsicht stark verbessert und sind sehr gut organisiert", sagte Schottlands Teammanager Alex McLeish vor dem Spiel der "Bravehearts" gegen die Toppmöller-Elf in Glasgow. Georgien ist mit nur einem Sieg aus vier Spielen Vorletzter der Gruppe B, Schottland liegt punktgleich mit Tabellenführer Frankreich auf Platz zwei.
bri/sid