EM-Qualifikation: McBerti bleibt Berti - DER SPIEGEL
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EM-Qualifikation McBerti bleibt Berti

Als Berti Vogts sein Amt als schottischer Teammanager antrat, versprach er den Anhängern seiner neuen Wahl-Heimat: "Wenn wir gegen Deutschland gewinnen, dürft ihr mich McBerti nennen." Ob sich sein Name ändert, entscheidet das Resultat des EM-Qualifikationsspiels am Samstag. Ansonsten ist Vogts der alte geblieben.
Von Till Schwertfeger
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Glasgow - Als Berti Vogts, 56, in blauer Trainingshose und weißem Polohemd, der Freizeituniform seines Arbeitgebers, den "Rock Bowling Club" von Dumbarton im Norden Glasgows betritt, müssen die deutschen Journalisten zunächst hinter schottische Gardinen. Von der Pressekonferenz mit den hiesigen Medienvertretern werden sie ausgesperrt, die vor neugierigen Blicken schützenden Fenstervorhänge zugezogen.

Kopfschüttelnd verkrümeln sich Vogts' Landsleute in den Nebenraum um den Fernseher herum, wo die Ausführungen des schottischen Teammanagers ("I'm thinking very scottish") live übertragen werden, und witzeln, dass sich "the little German", wie die Zeitungen den 1,68 Meter großen Vogts hier schimpfen, wohl am liebsten im oberhalb des Clyde River idyllisch gelegenen Dumbarton Castle verschanzen würde. "Ich möchte meine Ruhe haben", hatte Vogts - angesprochen auf eine "Abrechnung mit Deutschland" - vor dem EM-Qualifikationsspiel gegen die DFB-Auswahl in einem Zeitungsinterview erklärt.

Nach nur drei Siegen in 18 Monaten als Teammanager der Schotten jedoch ist es mit der Ruhe vorbei. Die Kritik an Vogts steigerte sich mit jedem Misserfolg, die Diskussion um die vorzeitige Ablösung ist auf der britischen Insel in vollem Gange. Englische Reporter erkundigen sich bei den angereisten deutschen Kollegen nach den besten Jokes über den früheren Bundestrainer, den spätestens TV-Blödler Stefan Raab mit seinem Song "Börti, Börti Vogts" nach der in den USA jämmerlich verpassten WM-Titelverteidigung 1994 schon in Deutschland zur öffentlichen Witzfigur degradiert hat.

Obwohl Vogts die beste Bilanz aller deutschen Nationaltrainer vorweisen kann und die DFB-Auswahl 1996 zum Europameister machte, haftet ihm ein Verliererimage an. Seine fehlende natürliche Autorität konnte der als Spieler von den Fans verehrte Weltmeister von 1974 nur phasenweise durch Fleiß und Gründlichkeit wettmachen, um sich Anerkennung zu verschaffen. Mit seiner verspannten, dünnhäutigen, schrulligen Art steht sich Vogts auch heute noch im Weg. Als die Schotten das EM-Qualifikationsspiel gegen Litauen durch ein Elfmetertor verloren, beschwerte er sich, dass ein Österreicher die Partie pfiff. "Ich verstehe nicht, warum man einen Schiedsrichter bestellt, der von so nahe kommt", kommentierte Vogts beleidigt, als wittere er wie beim WM-Aus 1998 gegen Kroatien eine Verschwörung gegen sein Team.

Im Gespräch mit den englischsprachigen Journalisten im "Rock Bowling Club" gibt Vogts sich zwar locker, kommentiert augenzwinkernd, lächelt. Die längste Zeit jedoch legt er zwei Finger der linken Hand an die Halsschlagader, als fühle er seinen Puls, den seine Unsicherheit in die Höhe treibt. Schon seit 15 Partien predigt er die Fortschritte seines jungen Teams, die der Öffentlichkeit bisher größtenteils unsichtbar geblieben sind.

"Es ist keine einfache Zeit", gibt der umstrittene Trainer gegenüber den deutschen Medienvertretern zu, als er ihnen anschließend eine separate Audienz gewährt. Mit strahlendem Gesicht spricht Vogts eine bemerkenswert freundliche Begrüßung ("ein warmes Willkommen in meinem neuen Zuhause") aus und erörtert in einem Monolog die Probleme und Ziele des schottischen Nationalteams. Mit den Nachfragen allerdings kehrt die Anspannung und das Misstrauen zurück.

"Kritische Kommentare kenne ich doch von irgendwo her", erinnert Vogts in Anbetracht der Anfeindungen durch die schottischen Medien von sich aus an sein gestörtes Verhältnis zur Öffentlichkeit seines Heimatlandes. Als ein deutscher Journalist Vogts' englische Sprachkenntnisse lobt, spricht der frühere Bundestrainer eine energische Belehrung aus: "Die Schotten sprechen kein Englisch. Und ich spreche auch kein Englisch." Wie britischer Humor klingt das nicht. McBerti ist immer noch Berti. "Der Charakter eines Menschen ändert sich nicht", erklärt Vogts und legt die Stirn in Falten. "Das muss man wissen."

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