EM-Ticketverkauf Uefa bessert nach
Hamburg - Beim Thema Eintrittskarten verstehen Fans keinen Spaß. Schon kurz nach dem Beginn der ersten Verkaufsphase zur Europameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz erreichten SPIEGEL ONLINE zahlreiche böse Leserbriefe, in denen die gängige Verkaufsabwicklung der Uefa kritisiert wurde.
Wollte man sich bisher eine Karte für die EM besorgen, so konnte man für Einzelspiele zwischen Lastschriftverfahren und einer Zahlung über "Mastercard" wählen. "Mastercard" ist offizieller Sponsor der EM und hat sich eine exklusive Kartenbezahloption für den Erwerb von offiziellen Tickets zusichern lassen. Während sich dies beim Kauf einzelner Karten weniger auswirkt, gestaltet sich diese Lösung bei "Follow My Team"-Tickets (FMT) weitaus problematischer. Mittels dieser Karten können alle Spiele einer bestimmten Mannschaft verfolgt werden. Der Fan entrichtet im Voraus einen festen Betrag, der die Karten zu allen Spielen dieser Mannschaft bis zum Finale garantiert. Scheidet das Team aus, bekommt man das Geld für die restlichen Spiele zurück. Bei dieser Vorauszahlung ist die "Mastercard" bisher als alleiniges Zahlungsmittel zugelassen. Besitzer von "Visa"- oder "American Express"-Karten wurden von den Käufen ausgeschlossen. Die Uefa begründet die "Mastercard"-Exklusivität mit der Abwicklung der Rückerstattungen bei den FMT-Tickets.
Technische Hürden für die Implementierung alternativer Zahlungsmethoden könnten "nicht das Problem sein", wie ein Bankexperte, der nicht zitiert werden wollte, bestätigte. So ist die Exklusivität wohl eher politischer Natur. SPIEGEL ONLINE fragte genauer nach - mit Erfolg. Denn laut "Mastercard" wird es "ab 23. März auch für die Bezahlung der 'Follow My Team'-Tickets alternative Bezahlmöglichkeiten geben".
Monopolstellung der Uefa ausgenutzt
So entgeht die Uefa möglichen rechtlichen Konsequenzen. "Die marktbeherrschende Stellung der Uefa wird dergestalt ausgenutzt, dass Interessenten dieser Karten sich nur deshalb um eine solche Kreditkarte bemühen, damit sie die Möglichkeit des Ticketerwerbs haben", sagt Dr. Olaf Griebenow von der Kanzlei Brennecke & Partner. "Mastercard" macht sich demnach die Monopolstellung der Uefa zu Nutze.
Die EU-Kommission verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass lediglich ein Prozent der Tickets als FMT-Tickets verkauft werden und daher keine Verletzung von Wettbewerbsregeln vorliegt. Dazu Griebenow: "Die Resonanz im Bemühen um Tickets ist wesentlich größer, als die in diesem Bereich zu erwerbenden Tickets, so dass sich durchaus ein wettbewerbswidriges Verhalten ableiten lässt." In Zahlen umgerechnet bedeutet dies, dass von insgesamt 300.000 Tickets, die in der ersten Verkaufsphase im Umlauf sind, im Schnitt nur 3000 als FMTs angeboten werden.
Eine ganz andere Dimension wird erreicht, wenn man die von der Uefa in der letzten Woche veröffentlichten Daten zu den Vorbestellungen betrachtet. Bisher 2,5 Millionen Anfragen gab es allein in der ersten Verkaufsphase. Wie viele Anfragen für FMT-Tickets und wie viele für einzelne Spiele bis dato vorliegen, wollte die Uefa nicht bekannt geben. Fakt ist: Alle bisher eingegangen Vorbestellungen der FMT-Tickets mussten aber über "Mastercard" abgewickelt werden.