England: Chaos um Nationalelf - DER SPIEGEL
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England Chaos um Nationalelf

Mit Wut und Enttäuschung hat das Fußball-Mutterland England auf das blamable 0:0 seiner Nationalkicker im WM-Qualifikationsspiel in Finnland reagiert. Im Kreuzfeuer der Kritik steht Interimscoach Howard Wilkinson.
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London - "Eine Nacht des taktischen Unsinns von Wilkinson", schrieb der angesehene "Daily Telegraph" nach dem torlosen Remis in Finnland. Die Nichtanerkennung eines "Wembley-Tores" machte den Frust nach dem WM-Qualifikationsspiel perfekt. "Hel-Stinky. England des Sieges beraubt", hieß es im "Daily Star".

Nach einem Schuss von Ray Parlour war der Ball in der 87. Minute von der Latte hinter die Torlinie geprallt und dann ins Spielfeld zurückgesprungen. Der französische Schiedsrichter Alain Sars ließ weiterspielen. Erinnerungen an das legendäre WM-Finale England - Deutschland 1966 (4:2 n.V.) und das berühmte dritte Tor wurden wach. Damals war der Schuss als Tor gewertet worden. "The Independent": "Vielleicht haben die Fußballgötter nach all dem Geschwätz über 1966 das Glück gewendet, aber sie haben auch für das korrekte Resultat gesorgt. Rein technisch mag England beraubt worden sein, aber moralisch hat es nicht mehr als einen Punkt verdient." Für die Zeitung "The Guardian" sind Englands Chancen auf die Qualifikation für die WM 2002 "nicht mehr als ein schwacher Schimmer am weit entfernten Horizont".

Mit den Akteuren auf dem Rasen gingen die Zeitungen vergleichsweise milde um. "Ein schwacher Hauch von Sympathie ist alles, was Wilkinsons gequälte Truppe verdient", schrieb der "Daily Express". An dem Interimscoach, der nach dem überraschenden Rücktritt von Kevin Keegan nach dem 0:1 Englands am vergangenen Samstag in Wembley gegen Deutschland eingesprungen war, ließen die Blätter indes kein gutes Haar. Der "Guardian" fürchtet gar: "Interimscoach droht England ins Mittelalter zurückzuwerfen." Der schärfste, einheitlich geäußerte Vorwurf an Wilkinson war die Nichtberücksichtigung von Michael Owen. Der 20 Jahre alte Stürmer des FC Liverpool war lediglich Ersatz und wurde auch nicht eingewechselt.

Um die englische Elf herrscht Chaos. Der Interimscoach will den Job als Nationaltrainer, doch Spieler und Medien wehren sich mit Händen und Füßen gegen Wilkinson. Der Wunschkandidat der Medien und der Fans, Terry Venables, wird von einflussreichen Kreisen des Verbandes abgelehnt, und täglich kommen Absagen anderer möglicher Kandidaten. Das veranlasste die "Sun" zum depressiven Urteil: "Wir sind hoffnungslos. Englands Botschaft an den Rest der Welt: Macht weiter ohne uns. Das schöne Spiel, das Fußball genannt wird, fährt ohne uns fort."