England: Im Mutterland ruht der Ball - DER SPIEGEL
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England Im Mutterland ruht der Ball

Vom 1. Dezember an werden Spieler aller vier englischen Profiligen ihre Arbeit niederlegen. Es ist der erste Streik in der Geschichte des englischen Fußballs.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

London - Nachdem mehrere Schlichtungsgespräche gescheitert waren, gab die englische Spielergewerkschaft PFA die Niederlegung der Arbeit bekannt. Zuvor hatten sich die in der Gewerkschaft organisierten Profis in einer Ur-Abstimmung mit 99 Prozent (2290 Ja- bei nur 22 Nein-Stimmen) für einen Streik ausgesprochen. Bestreikt werden sollen all jene Spiele in Englands vier Profiligen, die vom TV übertragen werden.

Die Premier League, einer der Gegner der PFA in dieser Sache, erklärte, sie wolle vor dem Londoner High Court eine einstweilige Verfügung erreichen, dass der Streik für illegal erklärt wird. "Wir müssen alles tun, um eine Kampfmaßnahme zu verhindern," sagte Premier-League-Vorstand Richard Scudamore. "Es ist für mich nicht nachvollziehbar, dass Spieler in diesem Land überhaupt einen Gedanken daran verschwenden."

"Es geht ums Prinzip"

Hintergrund des angekündigten Streiks ist eine Abmachung, die 1995 getroffen wurde. Damals verzichteten Englands Profifußballer auf eine direkte Beteiligung an den Einnahmen aus TV-Übertragungen. Als Gegenleistung dafür erhielt die PFA von den Clubs seither jedes Jahr fünf Prozent aus den TV-Einnahmen. Dieses Geld floss in einen Vorsorgefond, mit dem die Gewerkschaft unter anderem Spielern half, die nach ihrem Karriere-Ende gesundheitliche oder finanzielle Probleme hatten.

In diesem Sommer ist nun ein neuer Fernsehvertrag in Kraft getreten, mit dem die Premier League, der Fußball-Verband FA und die Clubs über die kommenden drei Jahre insgesamt 1,65 Milliarden Pfund (rund 5,45 Milliarden Mark) einnehmen werden. Der alten Abmachung zur Folge hätten der PFA fünf Prozent dieser Summe, also 27,5 Millionen Pfund (90,75 Millionen Mark) pro Saison zugestanden. Doch die Premier League hatte der Gewerkschaft vor zwei Monaten nur etwa 17 Millionen Mark pro Jahr angeboten. Noch in der letzten Saison hatte die PFA letzte Saison noch 24,75 Millionen Mark erhalten.

Immerhin hat die Liga ihr Angebot unterdessen auf 57,2 Millionen Mark im Jahr hochgeschraubt, doch mit Hilfe des Streiks will die PFA ihre Fünf-Prozent-Regelung in jedem Fall durchsetzen. "Für uns ist das eine große Sache, es geht ums Prinzip", kündigte PFA-Präsident Gordon Taylor an.